Psychosophie

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In der Begegnung mit anderen Menschen können wir uns selbst und andere besser verstehen lernen. Wenn wir miteinander sprechen, begegnen sich subjektive Welten. Vielleicht entstehen daraus Einsichten, die für das je eigene Leben von Bedeutung sind.

Mittwoch, 9. März 2011

Depression, Angst und körperliche Beschwerden

Wenn jemand sagt, "mir geht es gut", dann kann das im Prinzip mehreres bedeuten. Vielleicht bedeutet es, "ich fühle mich gut", vielleicht auch "ich bin körperlich fit". Oder auch beides. Nehmen wir an, das ist nicht der Fall und ein Arztbesuch ist fällig. Erzählen die Leute dann mehr körperliche Beschwerden, wenn es ihnen auch psychisch nicht gut geht? Tut mehr weh, gibt es mehr oder stärkere Schmerzempfindungen, wenn die Psyche angeknackst ist?
Da könnte durchaus ein Zusammenhang bestehen... irgendwie scheint das auf der Hand zu liegen.

Depressionen und Angst haben tatsächlich einen Einfluss darauf, wie ausgeprägt die Symptome sind, die beim Arztbesuch berichtet werden. Allerdings auf unterschiedliche Art:
Depressive berichten mehr Beschwerden aus der letzten Zeit, erinnern sich also stärker an unangenehme Körperempfindungen - vielleicht sogar mehr als tatsächlich vorhanden waren.
Ängstliche dagegen sind stärker an der Gegenwart orientiert und interpretieren unklare Körpersignale schneller als Hinweis darauf, dass irgend etwas nicht in Ordnung ist.


Eine Grundsatzfrage dabei ist, wie eine Beurteilung möglich sein soll, ob jemand mehr Symptome berichtet als tatsächlich vorhanden sind oder waren - und dazu ist ein Blick auf die Methode nötig, mit der die Zusammenhänge untersucht wurden.

Erster Teil der Studie: 144 Studenten wurden befragt, sollten das Ausmass ihrer depressiven Stimmungen einschätzen, anschließend bei 15 körperlichen Symptomen angeben, wie häufig diese in den letzten 3 Wochen aufgetreten waren.
Das Ergebnis: ein höheres Mass an depressiven Verstimmungen korreliert mit mehr körperlichen Symptomen. Anders: wer "mies drauf" ist, dem geht es auch körperlich schlechter.

Zweiter Teil der Studie: 125 Studenten wurden in verschiedenen Gruppen eingeteilt, dann wurden verschiedene Gefühlszustände angeregt - Ärger, Angst, Glück, Depression oder "neutral". Anschließend wurden 24 körperliche Symptome abgefragt (Schwäche bzw. Erschöpfung, Herzbeschwerden, Muskelschmerzen und Magenbeschwerden) - verbunden mit der Gegenwart, also ob sie jetzt gerade vorhanden sind.
Die Versuchspersonen aus der Angstgruppe berichteten dabei mehr körperliche Symptome als die anderen.

Ein Einwand: könnte es nicht sein, dass gerade das Auslösen von Angst zu körperlichen Symptomen führt, der zweite Teil also nichts anderes bedeutet, als selbstversteckte Ostereier gefunden zu haben? Bei Herzbeschwerden wäre das nachvollziehbar, bei Erschöpfung allerdings nicht - wenn es also generell zu mehr Beschwerden kam (und nicht nur jenen Effekten, die für Anstzustände typisch sind), dann scheint doch etwas dran zu sein.

Dritter Teil: 120 Studenten wurden ähnlich wie im zweiten Teil in unterschiedliche Stimmungszustände versetzt. Diesmal wurden gegenwärrtige UND vergangene Symptome abgefragt. Im Durchschnitt beschrieben die Ängstlichen fünf Symptome zum gegenwärtigen Zeitpunkt, die anderen Gruppen nur eins oder zwei. Die Depressiven erinnerten sich an durchschnittlich 7 Symptome aus den letzten 3 Wochen, die anderen Gruppen im Schnitt drei.

Die Forscher sind sich dessen bewusst, dass diese Ergebnisse auch problematische Schlussfolgerungen nahelegen können. Sinngemäß könnte daraus im ärztlichen Kopf werden, dass Depressive und Ängstliche eben gern mal übertreiben, entweder für den Moment oder in bezug auf die letzte Zeit. Damit, so ihr Vorschlag, lässt sich aber auch vorsichtiger umgehen - entweder, indem Angehörige ebenfalls gefragt werden oder mithilfe eines Tagebuchs, in dem die Patienten ihre Beschwerden aufzeichnen. Einen zweiten kritischen Punkt greifen sie ebenfalls auf: das Alter der Studenten, das die Übertragung auf die Patientenschaft in einer Arztpraxis fragwürdig erscheinen lässt. Eine weitere geplante Studie soll sich deshalb mit Älteren beschäfigen, um herauszufinden, ob der Effekt auch bei einer Altersgruppe um die 40 auftritt.

Bleibt als vorsichtiges, aber immerhin plausibles Resumée: körperliche Beschwerden werden durch psychische Beschwerden wie Depressionen oder Angst beeinflusst. Auf unterschiedliche Art.

Quelle:

Science Daily


Die Studie im Original:
M. Bryant Howren, Jerry Suls. The symptom perception hypothesis revised: Depression and anxiety play different roles in concurrent and retrospective physical symptom reporting.. Journal of Personality and Social Psychology, 2011; 100 (1): 182 DOI: 10.1037/a0021715

Kommentare:

  1. Hallo Rolf.


    Kann es sein, dass besagte Umstände schon länger bekannt sein sollten? War dieser Zusammenhang nicht schon in den 90 Jahren ein Thema in der japanischen Arbeitswelt ein Tagesordnungspunkt? Zumindest was den Stress, bzw. Druck im Beruf für depressive bis hin gesundheitliche Langzeitfolgen haben kann und hat? Bin mir nicht sicher. Aber mir ist, als wenn ich schon einmal einen Artikel über den Zusammenhang zwischen Arbeitsdruck und Selbstmordrate gerade in Japan gelesen hääte.
    Egal. Ich habe auch für mich eine erstaunliche Erkenntnis machen dürfen. Ich bin zum Teil in der Lage gewisse Schmerzzentren mental einfach auszuschalten. Das heisst, wenn ein gewisser Stressdruck überhand nimmt, reagiert mein Körper sehr unterschiedlich mit Schmerz. Angefangen von der Wirbelsäule bis hin zu den Händen und Füssen ist so gut wie alles dabei. Ich lokalisiere die Stellen genauer und kann in den m,eisten Fällen durch autogene Übungen das Schmerzgefühl fast immer abstellen. Es gelingt nicht immer, aber um so öfters. In gewissen Stress und Druckmomenten ist es natürlich am schlimmsten. Es kommt die Angst hinzu etwas nicht zu schaffen, oder den Anforderungen nicht zu entsprechen. Muskelpatien, von denen ich garnicht wusste das es die überhaupt gibt, melden sich sofort. Für mich ist jedenfalls nicht nur der menschliche Körper immer wider eine Überraschung, sondern auch die Wechselwirkung gerade zwischen Stress, tatsächlichem Schmerz und rein gefühltem Unwohlsein.

    Ich wünsche dir übrigens noch ne angenehme Woche. Und wie geht es dir eigentlich so? Man hört und liest von dir immer weniger, bis garnichts mehr. ;-)

    rolf der andere. :)

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  2. Hallo Rolf!

    Hier bei mir hat sich die letzten Monate etwas ganz ähnliches abgespielt. Da ich durch den ganzen Streß (Umzug, alleinige Verantwortung für meine Kinder und und und) im letzten Jahr nach meiner Erkrankung immer noch viel mit meinen Depris zu kämpfen habe und es mir seit ca. Anfang Oktober körperlich immer schlechter ging (undefinierbare Schmerzen erst im Becken, dann zogen sie in den Beinen ein und zum Schluß kamen noch die Arme dazu), sodaß ich ohne Schmerzmittel den Tag mit meinen Kindern gar nicht bewältigen konnte, da hat mein Hausarzt mich von einem Facharzt zum nächsten geschickt und jeder dieser Fachärzte konnte auf seinem Gebiet behaupten, daß alles super in Ordnung sei.
    Meine Psychologin, die ich zwischenzeitlich endlich mal gefunden hatte und bei der ich mich sehr gut aufgehoben fühle, hatte auf Grund meiner Erzählung und den Ergebnissen der Fachärzte eine ganz andere Theorie:

    Die Schmerzen in den Beinen kämen aus dem Unterbewußtsein, da, so vermutete sie, mir die riesige Verantwortung auf meinen alleinigen Schultern zu groß werden würde und ich indirekt weglaufen wolle, dies aber nicht ginge und meine Psyche mir damit etwas sagen wolle.

    Wäre ja eine Möglichkeit gewesen, allerdings hat sich ja mittlerweile rausgestellt, daß die Schmerzen wirklich etwas körperliches waren (lies: www.monisha79.wordpress.com). Denn das Plattenepithelkarzinom, das ich damals im Gesicht hatte, hat ins Knochenmark gestreut. Ist zwar keine tolle Diagnose, aber wenigstens endlich nach so langer Zeit mal eine und ich kann jetzt Ursachenbekämpfung betreiben und nicht mehr nur Symptomunterdrückung.

    Da bei den ganzen Fachärzten nie was raus kam, habe ich mich schon langsam angefangen zu fragen, ob ich ein kleiner Hypochonder bin. Ist schon komisch, wenn man selber merkt irgendetwas stimmt nicht, aber von außen bekommt man erklärt mit dem Körper ist alles in Ordnung.

    Und zu Rolfs Überraschung über den menschlichen Körper kann ich nur sagen, er gewöhnt sich an alles und verhält sich danach.
    Bevor jemand gefunden hat, was ich habe, waren meine Blutwerte so schlecht, daß die Ärzte, die die Diagnose gestellt haben nur noch mit dem Kopf geschüttelt haben. Denn während die meisten Menschen mit einem HB von 4,7 schon fast Scheintod sind, bin ich noch über 600 Kilometer allein mit dem Auto gefahren(zwar mit Begleitauto mit Onkel und Tante drin, aber ich bin meines selber gefahren). Mein Glück war vielleicht, daß ich zu dem Zeitpunkt nichts von den wirklich miserablen Blutwerten wußte, sonst wäre die Sache vielleicht anders ausgegangen.

    Den ganzen Tag über, wenn er weiß, daß er funktionieren muß für Haushalt und Kinder, gibt mein Körper mir kein Alarmzeichen bei Überforderung. Der Abkacker kommt abends, wenn die Kinder im Bett sind und die Arbeit gemacht. Wenn ich dann auf der Couch zur Ruhe komme, dann kommt der große Gong und knockt mich innerhalb von einer Stunde total aus.


    So, bevor ich gleich noch eine Beschwerde wegen Überlänge und Spam bekomme, höre ich mit meinen praktischen Erfahrungen zur Studie jetzt besser mal auf.

    Ich wünsche Dir ein ruhiges und entspanntes Wochenende. Erhol Dich gut! LG monisha

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