Psychosophie

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In der Begegnung mit anderen Menschen können wir uns selbst und andere besser verstehen lernen. Wenn wir miteinander sprechen, begegnen sich subjektive Welten. Vielleicht entstehen daraus Einsichten, die für das je eigene Leben von Bedeutung sind.

Freitag, 17. Juli 2009

Argumentationsstrukturen rund um die Mondlandung

Der Artikel über die Mondlandung und die Verschwörungstheorie hatte noch einen Hintergrund, der sich nun zeigen wird... Die Frage nach den Argumentationsstrukturen nämlich. Was kommt denn dabei heraus, wenn sich seines Verstandes bemüht? Wie kam die Verschwörungstheorie eigentlich zustande und welche Argumentationsmuster wurden zu ihrer Begründung eingesetzt?

Ein Argument für die Behauptung, die Mondlandung habe nie stattgefunden, bezieht sich auf die "wehende Fahne". Die Argumentationsstruktur lässt sich etwa so darstellen.

1. Die Videoaufzeichnungen zeigen, dass die Fahne im Wind weht.
2. Auf dem Mond gibt es aber keinen Wind.
3. Also kann die Aufnahme nicht auf dem Mond gemacht worden sein. Die Aufnahme ist gefälscht.

In sich ist die Argumentation logisch schlüssig - der kritische Punkt dabei ist die Formulierung "im Wind wehen". Denn das ist bereits eine Interpretation, die lediglich die Beobachtung beschreibt, dass sich die Fahne bewegt. Nüchtern betrachtet kann es viele Gründe geben, warum sich ein Gegenstand bewegt. "Wind" ist nur eine von vielen Möglichkeiten. Wenn die Bewegung durch den Astronauten ausgelöst wurde, der die Fahne in den Boden steckt, fällt die gesamte Argumentation in sich zusammen. Wenn die Voraussetzung falsch ist, sind auch die logischen Schlussfolgerungen falsch. Die Erkenntnis, die sich daraus gewinnen lässt: sich seines Verstandes zu bedienen heisst auch, zu überprüfen, ob die Voraussetzungen, von denen ein bestimmter Argumentationsgang ausgeht, zutreffend sind.

Alle Argumente der Verschwörungstheorie durchzugehen - das spare ich mir. Die Erläuterungen auf der Internetseite des WDR erklären, warum die wichtigsten Argumente nicht zutreffend sind.

Gleichzeitig wird dabei ein Grundprinzip wissenschaftlicher Argumentation deutlich. Im Zweifelsfall dient ein Experiment dazu, herauszufinden, ob eine bestimmte Aussage nun zutrifft oder nicht - das menschliche Auge unterscheidet sich eben von einer Kamera. Verfolgt man die Argumentationslinien weiter, bleibt eine zentrale Frage übrig, die Prof. Harald Lesch am Anfang seiner Darstellung andeutet. Wie sollten sich 400.000 Menschen sich zu einer Verschwörung zusammenfinden und dabei noch Wissenschaftler der damaligen UdSSR miteinbeziehen, die damals den USA als Machtblock im Kalten Krieg gegenüber standen?

Was bei der Frage begann, ob es sein kann, dass die Aufzeichnungen der NASA so viele merkwürdige Aspekte beinhalten, endet bei der Frage, wie es sein kann, dass sich angeblich so viele Menschen zu einem enormen gemeinsamen Betrug zusammen finden können sollen. Oder - bei der Frage, wie es sein kann, dass so viele an eine Verschwörung glauben, wenn sich die Zweifel an den Aufzeichnungen häufen.

Bleibt ein weiterer Aspekt, der in den gesamten Argumentationslinien eine große Rolle spielt: die Glaubwürdigkeit der Person, von der eine bestimmte Behauptung stammt. Die Logik einer Verschwörungstheorie schließt sich dabei gewissermassen selbst ein und immunisiert sich als Gedankengebäude selbst. Denn wer daran glaubt, wird natürlich alle Andersdenkenden in die Gruppe der Verschwörer einordnen. Dann würde ein Experte, der sich als Physiker zu physikalischen Sachverhalten äußert, seine Glaubwürdigkeit verlieren. Beziehe ich mich auf einen Wissenschaftler, werde ich leicht ebenfalls zu einem Verschwörer... Schließlich gibt es nur noch Gläubige und Ungläubige, die Verschwörung weitet sich aus. Wer einmal in der Psychiatrie gearbeitet hat, erkennt den fließenden Übergang zum Verfolgungswahn. Verschwörungstheorien können sich bis an den Rand der Psychose entwickeln.

Zu den Verschwörungstheorien bezüglich der Mondlandung gibt es ein Stichwort bei Wikipedia -
mit interessanten Hinweisen auf den Wirbel, den diese Theorien ausgelöst haben. Die Frage nach Argumentationsstrukturen zielt darauf ab, herauszufinden, warum sich solche Theorien überhaupt entwickeln und verbreiten können.
Behauptungen, die sich leicht überprüfen lassen, haben eine kurze Lebensdauer, wenn sie nicht stimmen. Verschwörungstheorien (und es geht dabei nicht nur um die Frage der Mondlandung) funktionieren auf der Grundlage vieler Behauptungen, die sich schwer überprüfen lassen, komplizierte Sachverhalte betreffen, die nur von wenigen Fachleuten wirklich fundiert beurteilt werden können. Umfangreiche Darstellungen widerlegen die Verschwörungstheorie zur Mondlandung Punkt für Punkt - die systematische Gegenargumentation, konkrete Experimente und Belege bringen eine solche Theorie schließlich zu Fall.
Vorausgesetzt, die Gegenargumente sind stichhaltig und werden nicht wiederum durch Gegenargumente entkräftet. Gernot Geise zumindest wirft dem Team von Galileo Falschaussagen und mangelhafte Recherche vor. Nur - selbst dann, wenn man akzeptiert, dass die Galileodokumentation keinen endgültigen Beweis dafür liefert, dass die Mondlandung 1969 wirklich stattgefunden hat, lässt sich daraus nicht ableiten, dass sie eben doch gefälscht war.

Wie sieht das denn nun aus mit der Mündigkeit? Was ist wirklich Aufklärung und wo beginnt die Pseudoaufklärung? Welche Kriterien sind zuverlässig, wenn es darum geht, zu beurteilen, ob eine bestimmte Aussage denn nun stimmt oder nicht? Auf die direkte eigene Erfahrung können sich bezogen auf die Mondlandung die wenigsten beziehen. Bleibt also die Frage der Glaubwürdigkeit - wem nehmen wir etwas ab und wem nicht? Was "im Fernsehen kommt", muss noch lange nicht stimmen. Was im Internet steht, muss noch lange nicht stimmen. Was in einem Buch schwarz auf weiss gedruckt steht, muss auch nicht stimmen. Bilder und Videoaufnahmen können prinzipiell auch gefälscht sein. Journalisten und Sachbuchautoren können sorgfältig recherchieren oder auch nicht. Schlussfolgerungen sind ein Ansatzpunkt: sind sie logisch schlüssig oder nicht? Voraussetzungen sind ein Ansatzpunkt: wenn sie nicht stimmen, wird jede Ableitung fragwürdig. Qualifikationen sind ein Ansatzpunkt - wenn es um Fragen der Physik geht, liegt es nahe, eher dem zu vertrauen, was Physiker sagen. Offizielle Stellen sind ein Ansatzpunkt - privat kann jeder viel behaupten, Institutionen, die auf ihren Ruf bedacht sind, werden sich eher überlegen, was sie nach aussen präsentieren. Nicht zuletzt ist die Wissenschaft ein Ansatzpunkt, um Aussagen zu beurteilen. Wenn eine Theorie stimmt, lässt sie sich auch bestätigen - je mehr Belege es gibt, umso höher wird ihre Glaubwürdigkeit. Dort, wo Lücken sind, bleiben aber auch Fragen offen. Und damit bleibt die Frage, ob die Mondlandung denn nun wirklich stattgefunden hat, letzten Endes eben doch eine Glaubensfrage. Jene, die auch heute noch glauben wollen, dass das alles nur Schummel war, werden genug Material finden, um ihre Überzeugung zu untermauern. Vor allem dann, wenn bestimmte Dinge systematisch ausgeblendet werden.
Im Prinzip könnte ja hinter vielen Dingen eine Verschwörung stehen... es ist erstaunlich genug, wieviele Verschwörungen es angeblich schon gegeben hat. Irgendwie klingt das vernünftig, von Beobachtungen auszugehen und daraus Schlussfolgerungen abzuleiten. Es geht aber auch anders herum.
In einem Spruch kommt diese Methode klar zum Ausdruck: "Meine Meinung steht fest, bitte verwirren Sie mich nicht mit Tatsachen!". Wenn ich meine bisherigen Recherchen zusammenfasse, entsteht ein stabiler werdender Eindruck: diejenigen, die sich gegen Verschwörungstheorien aussprechen, argumentieren meistens auf einer wissenschaftlichen Grundlage und beziehen sich auf Tatsachen. Dass seltsame Theorien so viel Staub aufwirbeln, kann nur eines bedeuten: so selbstverständlich ist das wissenschaftliche Denken im Alltag nicht. Vielleicht ist es doch dem einen oder der anderen zu mühsam.

1 Kommentar:

  1. Ich kenne zufällige die Argumentation von Harald Lesch sehr gut, kenne die Alpha Centauri Folge.

    Ich muss sagen, als aufgeklärten und abgeklärten Menschen schmerzt seine doch sehr naive Aufarbeitung des Themas "Verschwörungen". Wenn man das Wort einmal analysiert, kommt man zu dem Schluß das jede Zusammenkunft zwecks gemeinsamer Absprache zur Vorteilsnahme gegenüber Dritte unter zu Hilfe nahme moralisch fragwürdiger oder sogar illegaler Mittel eine Verschwörung sind.
    Das kritische Hinterfragen der Bürger sollte eher gelobt werden! Denn selbst wenn ein Mondlandeverschwörungsanhänger die Dinge nicht aus der richtigen Perspektive sieht, merkt er vielleicht das nächste mal wenn es sich um sein Fachgebiet handelt, sagen wir er ist Controller, wenn seine Chefs eine Verschwörung gegen die Behörden geplant haben und sorgt für eine Bloßstellung.

    Kurzum: Wer Verschwörungstheorien nur deshalb lächerlich macht, weil sie sich bei näherem hinsehen für Falsch erweisen, sollte aufpassen das der Konformismus ihn nicht dazu treibt, denen zu dienen, die Verschwörungen betreiben, die ihm wegen seiner Vertrauensseeligkeit entgehen.

    Heinzi

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