Psychosophie

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In der Begegnung mit anderen Menschen können wir uns selbst und andere besser verstehen lernen. Wenn wir miteinander sprechen, begegnen sich subjektive Welten. Vielleicht entstehen daraus Einsichten, die für das je eigene Leben von Bedeutung sind.

Montag, 1. Februar 2010

Alkohol für Teens?

Manche Eltern meinen es ja gut. Gehen davon aus, dass ihre Teenager lernen können, mit Alkohol umzugehen - wenn die Eltern dabei sind und ihnen erlauben, zuhause unter Aufsicht zu trinken. In Maßen natürlich. Gut gemeint ist aber nicht immer auch gut gemacht...

Eine neue Studie aus Holland zeigt die Probleme auf, die dadurch entstehen können. 428 Familien aus Holland wurden untersucht - mit jeweils zwei Kindern im Alter von 13 bis 15 Jahren. Ein Jahr später und zwei Jahre später wurden die Familien noch einmal befragt, nach ihren Trinkgewohnheiten, nach dem Umgang mit Alkohol.

Jene Teenager, die von ihren Eltern die Erlaubnis bekommen hatten, zuhause Alkohol zu trinken, zeigten dabei deutlich mehr Alkoholprobleme. Sie tranken später mehr und das auch außer Haus. Schulschwierigkeiten, Fehltage in der Schule und gewalttätige Auseinandersetzungen mit anderen waren häufiger. All das spricht deutlich gegen die Idee, Teenagern einen kontrollierten Umgang mit Alkohol beibringen zu wollen und ihnen deshalb früh den Zugang zu Alkohol zu gewähren.

Früher Konsum von Alkohol weckt tendenziell den Wunsch nach mehr - und stellt damit ein erhöhtes Risiko für spätere Alkoholprobleme dar. Die Autoren ziehen deshalb den Schluss, dass Eltern den Zeitpunk des ersten Alkoholkonsums so weit wie möglich verschieben sollten - wenn sie es wirklich gut meinen.


Literatur:

van der Vorst, H., Engels, R. C. M. E., & Burk, W. J. Do parents and best friends influence the normative increase in adolescents' alcohol use at home and outside the home? Journal of Studies on Alcohol and Drugs, 2010; 71 (1): 105-114

Quelle:

Journal of Studies on Alcohol and Drugs (2010, January 27). Teens who drink with parents may still develop alcohol problems. ScienceDaily.
Retrieved February 1, 2010,
from http://www.sciencedaily.com­ /releases/2010/01/100127095930.htm


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Kommentare:

  1. Diese Untersuchung war schon lange überfällig. Obwohl unter Fachleuten die oben erwähnte Schlussfolgerung seit langem gilt, gibt es immer noch viele Psychologen und Suchtberatungsstellen, die mit dieser an sich gutgemeinten Methode hausieren. Sie finden damit bei den Eltern Verständnis und wenn es dann doch schief läuft, kommen sie zu ihnen in die Therapie. Man könnte dies auch "Business Planing" bezeichnen. Es sind vor allem die Beratungsstellen, die Gesundheitsförderung betreiben und sich vor der Verhältnisprävention fürchten, weil sie politisches Engagement erfordert und Rückgrat gegenüber behördlichen Vorgesetzten.

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  2. Hm - jein...ich denke, da muss man nochmal ganz klar unterscheiden zwischen Eltern, die den Konsum zu Hause regelrecht fördern, was natürlich nicht ok ist. Genauso falsch finde ich allerdings ein striktes und absolutes Verbot, denn das macht die Sache ja erst interessant.
    Von daher doch die Erziehung zum verantwortungsbewussten Umgang mit dem ganzen Spektrum an Möglichkeiten, wie das genau aussehen kann?
    Angefangen vom eigenen Vorbild, über Thematisieren der Problematik, hinterfragen der Gründe für einen Konsum und vor allem die AUfmerksamkeit, die den Jugendlichen zuteil wird. Ich glaube, der Alkohol ist dabei eher ein Symptom, die wirklichen Ursache für spätere Probleme liegen in ganz anderen Bereichen, an die gilt es heranzugehen.
    lg Sabine

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  3. Alkohol ist letzten Endes ein Genußmittel. Kinder sollten schon lernen, diese vernünftig zu handhaben. Genau hier ist doch die Frage, die ich stelle:
    Nach welchen Kriterien wurden die Familien ausgesucht? Wurde eine einfache Erlaubniss erteilt? Wurden die Kinder an den Alkohol langsam heran geführt? Wurde ein verantwortungsvoller Umgang damit gelehrt?
    Erst wenn diese Fragen in die Bewertung mit einfließen, wenn die Haushalte nach entsprechenden Kritierien eingeteilt beurteilt werden, dann kann solch eine Studie Aussagekraft haben.
    Fakt ist: In vielen Ländern mit wenig Sonne wird viel getrunken. Unglückliche Menschen trinken viel. Probleme verleiten zur Flucht in den Alkohol. Was ich meine: Gründe für Alkoholkonsum sind vielfältig, aber oft auf einfache Gründe zurückführbar.
    Erst wenn ein Kind genug Persönlichkeit aufweist und es nicht in Kreise mit massiven Alkoholkonsum gerät, dann ist eine frühzeitige Heranführung auch sinnvoll. Heranführung drückt es aus: Es ist nicht damit getan zu erlauben, sondern steuernd und vorbildlich tätig zu sein.

    MFG

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  4. Wenn Eltern selbst "legale Drogen" konsumieren, dann haben sie natürlich ein Problem. Es ist nämlich nur in den seltensten Fällen möglich das "richtige" trinken beizubringen. Seit Jahrhunderten wird versucht die Gesellschaft zum moderaten Trinken zu erziehen. Das Ergebnis kennen Sie ja bereits. Ohne einschränkende Maßnahmen wächst der Konsum nur. Es gibt kein Buch der Welt, wo genau steht, wie das Trinken den Kindern beigebracht werden kann, ohne dass es verheerende folgen gibt. Dass es unmöglich ist solche Richtlinien zu definieren hat nun diese Studie auch gezeigt.

    Anstatt der "Erziehung zum Verantwortungsbewussten Umgang mit dem ganzen Spektrum an Möglichkeiten" den es bei Drogen kaum geben mag, sollten die Eltern dem Kind beibringen, wie es ohne Chemische Stoffe glückliches Leben führen kann. Ja, es ist wirklich möglich, auch in "Kreise mit massiven Alkoholkonsum". Wenn man Alkohol nicht als Lebensmittel ansieht, sondern als das, was es ist - Zell,- und Nervengift.

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  5. Wie sollen Eltern das, wenn sie selbst geschädigt sind? Wenn man einigen Denkern zuhört, ist die Normalität eine Krankheit, ein Krebsgeschwulst. Welche Eltern sind davon so frei, daß sie ihrem Nachwuchs nicht dieselben oder Substituierende Defizite vermitteln?
    Darin liegt doch die Tragik! Weil die relativ große Mehrheit in den modernen Gesellschaften einfach ein unbefriedigendes Dasein führt, weil das Haben wollen und Besitzen und der Egoismus zu Tugenden stilisiert werden, weil das Recht des Stärkeren gilt, die Stärke durch Macht das Ziel viel zu vieler ist, finden sich einfach Defizite im Sein, wie es E. Fromm beschreibt und um sich religiöser Kategorien zu bedienen: Es gibt zu wenig Gutes in der WElt und dadurch zu viel Unglück. Aber mehr noch: Der Konsum ist auch Luxus und in vermehrten Maße dem gehobenen Lebensstandart geschuldet, der Langeweile des Menschen in einer Industrienation, die einem Menschen nicht mehr als eine Arbeit für die Identitätsstiftung anbieten will und selbst dieses Gut ist immer knapper bemessen.
    Es könnte noch viel länger zusammengetragen werden, was es an psycho-sozialen Gründen gibt sich das Leben schön zu saufen. Es ist wie es ist und Menschen machen das seit Ewigkeiten, wie Sie schon richtig anmerken sergejrz. Wieso sollte es eigentlich so schlimm sein, wenn viel getrunken wird?
    Ich meine das der Streß, den Erziehungsdruck und gesellschaftliche Ächtung mit sich bringen, aber auch der Streß, der auslösender Faktor für die Trinkerei ist, erstmal mehr für die Gesamtschadensstatistik verantwortlich ist, als der mittelschwere Konsum von einigen Flaschen Bier und etwas Hochprozentigem am Wochenende.

    Offensichtlich ist, der überwiegend kranke Mensch hat destruktive Tendendenzen. Diese lebt er mehr oder weniger intensiv aus. Für viele heißt dies, neben der Flucht in Selbstbetrug durch Drogen, Selbstzerstörung. Dafür ist der Alkohol ein Probates Mittel.

    Sich über eine einzige Sache wie den Alkoholmißbrauch, oder allgemein über Drogenmißbrauch zu unterhalten, führt am Kern der Probleme vorbei und darum scheitern auch seit Menschengedenken die Versuche, Menschen zu einem "besseren" Verhalten zu bekehren.

    MFG

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  6. Ich möchte noch hinzufügen, daß diejenigen wenige, die versuchen sich über diese Dinge zu erheben, zuerst zu einem neuen lebendigen Sein zurückkehren sollten und gerade hierin liegt die Kunst, den Kindern eine solide Grundlage für ihre Entwicklung zu geben. Fördern im Sinne einer lebendigen Persönlichkeit, eines Selbstbewußtseins, das nicht auf den Konformismus und Konsumismus unserer Tage angewiesen ist oder sogar darauf abzielt. Dann werden diese Menschen auch genug Ausdruck für ihre Seele finden und genug Liebe erfahren haben, um nicht auf die Flasche angewiesen zu sein oder in infantilen Verhaltensmustern Zuflucht suchen.
    - Lieben Sie Ihre Kinder WIRKLICH UND AUTHENTISCH
    - Zeigen Sie ihren Kindern wie man wirklich aktiv Leben gestaltet
    - Wie man seine eigene Gefühlswelt ausdrückt, in Kunst, Wort und Verhalte
    - Wie man diese gegen den Druck einer Gesellschaft erhalten kann, die diese Form der Wahrnehmung systematisch unterminiert
    - Respektieren Sie ihre Kinder als Persönlichkeit
    - Erziehung ist Begleitung eines kleinen Menschen bis zu seiner Vollendung. Nicht Besitz oder Objekt der eigenen Beweihräucherung

    Wer diese hohen Maßstäbe erfüllen kann, der wird auch höchstwarscheinlich drogenresistenten Nachwuchs haben.

    MFG

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  7. Das 'neue lebendige Sein' ist ein großes Wort. Es scheint zu bedeuten, dass das 'alte Sein' irgendwie nicht lebendig, zumindest teilweise nicht lebendig, eingeschränkt, begrenzt ist. Das neue Sein - setzt das nicht voraus, nach dem Sein überhaupt zu fragen, die 'letzten Fragen' immer wieder aufzugreifen und nach Antworten zu suchen? Was ist der Mensch? Wo komme ich her? Was ist der Sinn des Lebens? Was will ich mit meinem Leben anfangen? Wie bin ich geworden, was ich geworden bin? Was hat mich geprägt? Wie verhalte ich mich zu dem, was mich geprägt hat? Was und wie will ich sein? Welche Bedeutung hat Anpassung? Was ist Gesundheit? Wie gehe ich mit mir selbst um, was ist mein Potential und wie gehe ich damit um? Nicht zuletzt: welche Möglichkeiten bietet mir die Gesellschaft, die Kultur, in der ich lebe, um das zu entfalten, sich entfalten zu lassen, was sich entfalten möchte? ...

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  8. Ja, nur wer sich die Fragen stellt, die sie Stellen, der ist schon im Begriff zu sein, zu werden und zu sich zu entfalten im Werden.

    Aber warscheinlich steck die Mehrheit heutzutage in einem Entwicklungsstau, kommt nicht voran. Weil schon die innere Stimme abgewürgt ist. Weil keine innere Bestimmung vorhanden ist, die aus der eigenen Bedürfnisswelt ihren Handlungsrahmen bezieht, sondern alleine von äußeren Einflüssen gesteuert automatisiert handelt.

    Das mein Kommentar sehr pompös klingt, ist mir bewußt, trotzdem sind das meine Gedanken zu diesem Themenkomplex (und jenen, die er berührt)

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  9. Im Grunde steckt darin schon ein Ansatz: nach den je eigenen Bedürfnissen fragen, sich kritisch mit der Vergesellschaftung des Subjekts, funktionalen Beziehungen und der Reduktion auf stereotype Rollenvorgaben auseinander zu setzen. Die 'innere Stimme' ist auch eine Frage der Stimmung - und Selbst-Bestimmung eine schwierige Aufgabe, für die Evaundottonormalmensch wenig Anleitung bekommt. Wie lässt sich der Entwicklungsstau überwinden? Fremdbestimmt, verstimmt, verstummt - was ist es, das dabei auf der Strecke geblieben ist?

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  10. Die reine Lebendigkeit und Liebe, das Vertrauen und die Hoffnung ist in den meisten Fällen einer anerzogenen Angst gewichen und / oder auf Grund mangelnder Stimuli eingeschlafen.
    Das wirken im authentischen Sein kann nicht gelebt werden, wenn der Mensch sich durch die Angst sich eine Blöße zu geben, sich selbst behindert. Die Angst entsteht aus Lebenserfahrungen und wird überall in der Gesellschaft aber insbesondere durch die Eltern geprägt. Indem sie vergessen ihre Kinder zu lieben, indem sie sie Mißbrauchen für ihre eigenen Schauspiele, um vor sich selbst besser da zu stehen.
    F. Riemann, A. Gruen, A. Miller, E. Fromm, Bibel und viele Literatur mehr nimmt sich dieser Thematiken an.

    Liebe Grüße

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  11. Ertappt... dem Thema "Angst und Vertrauen" wollte ich schon länger einmal (wieder) näher nachgehen.
    Angst spielt nicht nur bei Angststörungen im engeren Sinn eine Rolle, sondern bildet einen oft subtilen Hintergrund in vielen anderen Problemfeldern. Im Gespräch, in der Öffentlichkeit, in der Politik.
    Angst haben kann man vor allen möglichen Dingen, berechtigt oder nicht. Insgesamt aber gibt es tatsächlich viele große und kleine Gefahren, vor denen man Angst haben kann. Gelegentlich führt die Einsicht "Angst ist erlernetes Verhalten und kann deshalb auch wieder verlernt werden" nicht allzuweit. Und obwohl Entspannung ein Gegenpol zur Angst ist, Vertrauen als emotionaler Gegenspieler ein wirksames Mittel gegen Angst ist, bleiben doch Reste existenzieller Angst, die sich nicht vom Tisch wischen lassen. Angst ist also eine Grunderfahrung, mit der es ebenfalls umgehen zu lernen gilt.
    Würde es Kriege geben, wenn die Menschen keine Angst mehr voreinander hätten?

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