Traumatische Erlebnisse scheinen für manche Psychotherapeuten ein rotes Tuch zu sein – mehrfach habe ich von Patienten erfahren, sie seien damit abgewiesen worden, in den Einzelgesprächen im Verlauf einer psychosomatischen Rehabilitation sei ihnen gesagt worden, das müssten sie wieder mit nach Hause nehmen, dafür sei hier keine Zeit.
Solche Erfahrungen machen die ganze Angelegenheit oft noch unangenehmer – wenn sich jemand nach vielen Jahren oder Jahrzehnten endlich dazu durchgerungen hat, von schlimmen Erlebnissen zu berichten, dann sollten sie nicht auch noch die Erfahrung machen, dass niemand darauf eingehen will.
Natürlich gibt es spezielle Zusatzausbildungen für die Traumatherapie, natürlich macht es Sinn, nach Psychotherapeuten zu suchen, die sich darauf in besonderer Weise spezialisiert haben. Aber auch ohne den Anspruch, in die Aufarbeitung tief und umfassend einzusteigen, lässt sich einiges tun, um Wege aufzuzeigen, Entlastung zu ermöglichen und vor allem die Erfahrung des Alleinbleibenmüssens mit unangenehmen Erfahrungen zu korrigieren.
Eben das ist gemeint mit dem Ansatz fragmentierter Traumabearbeitung. Gewalterfahrungen, Missbrauch, Misshandlung, schlimme Unfälle usw. lassen sich nicht in 5 Minuten aufarbeiten, Traumafolgestörungen nicht mit einem einzigen Zauberspruch aus der Welt schaffen. Gerade dann, wenn ein Erlebnis überwältigend, niederschmetternd, überfordernd oder unerträglich war, lässt es sich nicht ‚als Ganzes’ erfassen. Wer dem Prinzip ‚Erinnern und Durcharbeiten’ folgt und dabei solche Situationen untersucht, wird immer wieder neue Aspekte entdecken können. Möglichst viel aufzudecken und dann die Traumatisierten damit allein zu lassen, das ist das Schlimmste, was man ihnen antun kann. Schrittweise vorzugehen und dabei immer mehr Fähigkeiten zu aktualisieren und weiter zu entwickeln dagegen eine sehr wirksame und hilfreiche Methode.
Die Frage, wann ein Trauma hinreichen ‚bearbeitet’ oder ‚aufgearbeitet’ ist, lässt sich nicht so leicht beantworten. Traumafolgestörungen sind gute Kriterien dafür: wenn flashbacks, Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen, Albträume usw. nachlassen, scheint die Aufarbeitung gelungen. Es kann aber auch bedeuten, dass das traumatische Erlebnis erneut weit weggeschoben, analytisch gesprochen massiv verdrängt wird. Vielleicht ist das ja auch sinnvoll und damit komme ich zu einer differenzierteren Betrachtung dessen, was als Verdrängung bezeichnet und oft als unangemessen bzw. krankhaft eingeordnet wird.
Die Psyche verfügt über Schutzmechanismen.
Wenn eine Situation unerträglich ist, kann ich mich aus ihr befreien – selbst dann, wenn ich mich kaum bewegen kann. In meiner Phantasie bin ich dann ganz woanders, gar nicht da, das Schlimme betrifft mich nicht, hat mit mir nichts zu tun. Ich bin woanders, ich bin ein anderer, das was mir widerfährt, bin ich nicht.
Vielleicht dauert es dann Jahre oder Jahrzehnte, bis das Erlebnis sich wieder meldet, gewissermaßen ‚Hallo’ sagt und nun endlich mal bearbeitet werden möchte. Wie ein Brief, zeitgemäßer vielleicht: eine E-Mail, die immer noch nicht beantwortet wurde, sich aber auch irgendwie nicht löschen lässt.
Beantworten ist dann auch: zu erkennen, „das war ich wirklich, das ist mir passiert“. Sich an das Schreckliche herantasten, um schrittweise zu verstehen, was da eigentlich geschehen ist, wie es geschehen konnte, all die Fragen zu beantworten, die quälend sein können, Fragen nach dem Warum, warum gerade ich, warum gerade mir so etwas passieren musste.
Fragmente sind Splitter, Erlebnisaspekte, Gefühlsqualitäten wie Entsetzen, Schuld, Angst, Scham, Misstrauen, Unsicherheit und Verzweiflung. Wenn alles auf einmal mit aller Wucht ins Bewusstsein strömen würde, könnte die emotionale Überschwemmung alles zunichte machten, was an konstruktiver Aufarbeitung angeregt wird.
Nehme ich dagegen ein einzelnes Fragment heraus, wird die komplizierte Geschichte leichter handhabbar. Gehe ich davon aus, dass ein dicker Brocken darin besteht, in der Vergangenheit hängenzubleiben, ist allein die Fähigkeit, auf der Zeitachse wieder zurück in die Gegenwart zu finden, eine große Hilfe.
So, liebes Trauma, ich komme mal zu Besuch, aber ich sage es gleich: wenn es mir zuviel wird, dann gehe ich wieder. Es ist eine bildhaft-symbolische Betrachtung, die Schutzmechanismen entwickelt gegenüber der Gefahr, von einem traumatischen Erlebnis gewissermaßen gefangen zu werden. Äußerungen wie „ich muss immer daran denken“ zeigen, dass solche spontan ins Bewusstsein dringenden quälenden Erinnerungen durchaus zwanghaft wirken können. Sich befreien heißt dann, entscheiden können, ob ich mich erinnern will oder nicht. Sprachanalytisch betrachtet: ‚ich erinnere mich’ ist eine reflexive Formulierung, ich tue da etwas mit mir, sage ich dagegen ‚ich erinnere etwas’ kommt ein Objektbezug zum Ausdruck.
Sich aufdrängende Erinnerungen sind mit dem Erlebnis von Unkontrollierbarkeit verbunden.
Alles, was in irgendeiner Weise dazu dient, Selbstkontrolle zu entwickeln, hilft auch, diesen unangenehmen Aspekt traumatischer Erlebnisse zu reduzieren. Das Fragment „ich bin hilflos und kann nichts tun“ bekommt durch die Erfahrung zunehmender Selbstkontrolle eine andere Akzentuierung, verliert an Bedeutung. Das, was in einer Situation hilft, Einfluss zu nehmen, sich nicht hilflos zu fühlen, lässt sich vielleicht auch in einer anderen Situation einsetzen.
Wenn ich eine Situation erinnere, also bewusst wieder wachrufe, erkenne, dass ich damals vielleicht hilflos war, heute aber, jetzt gerade nicht hilflos bin, dann ist die Erinnerung nicht mehr so schlimm. Gleichzeitig wird damit eine Brücke geschlagen, die aus der Vergangenheit wieder in die Gegenwart zurückführt.
Damit sind natürlich noch lange nicht alle Fragmente beschrieben, die bei traumatischen Erlebnissen relevant sind. Aber ich hoffe, es ist deutlich geworden, dass auch Verhaltenstherapeuten, die vielleicht mit der Aufarbeitung vergangener Erfahrungen ‚gar nichts am Hut haben’, durchaus etwas tun können, um die Traumabearbeitung vorzubereiten.
Dann müssen die Betroffenen nicht noch länger damit allein bleiben. Vielleicht hilft ein kleiner Schritt in einem kleinen Fragment nur ein kleines Stück weiter.
Aber das ist doch schon etwas.
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Das Schema Bitterkeit
Es fehlt in der Sammlung von Youngs Schematherapie: das Schema
Bitterkeit. Es gibt Berührungspunkte zu anderen Schemata wie Misstrauen, Anspruchshaltung oder
auch Unzulänglichkeit. Das Schema Bitterkeit beschreibt aber etwas Anderes,
verdient meiner Ansicht nach eine eigenständige Betrachtung.
Es kann mit Misserfolgen zu tun haben, aber die Abgrenzung zum Schema
Unzulänglichkeit ist, dass es nicht vorrangig um internale Attributionsmuster
geht. Misserfolge nicht auf das eigene Versagen zurückzuführen ist nicht ein
Lösungsansatz, sondern gerade das Problem. Es ist, vorläufig rein hypothetisch
formuliert, ein Schema das häufiger bei älteren Menschen auftaucht, sagen wir,
Menschen, die über einen längeren Zeitraum viele schlechte Erfahrungen gemacht
haben, und dabei klar erkennen, dass sie kaum anders hätten handeln können.
Schlaue Therapeutenstrategien, die auf neue Versuche, Veränderungen, neues
Glück oder Ähnliches setzen, greifen ins Leere. Dem Prinzip Hoffnung alle Ehre,
aber mal im Ernst: wer nach Jahrzehnten beruflicher Tätigkeit seine Stelle
verliert, weil die Firma eben zumacht, weil die Jungmanager eben Geld sparen
wollen und die "Alten" eben zu teuer sind oder weil die Knochen eben
nicht mehr mitmachen - hat eben keine rosigen Aussichten. Wir leben in einer
Leistungsgesellschaft, einer Gesellschaft, die auf viele Dinge keine Rücksicht
nimmt. Das zu erkennen ist bitter. Ist das Bittere dann schon krank oder muss
noch mehr dazu kommen, bis die Diagnose "Verbitterungsstörung"
gerechtfertigt ist?
Bitterkeit als Schema einzuordnen ist etwas weniger dramatisch, weniger
stigmatisierend, vermag doch der Begriff Verbitterungsstörung das Bittere noch
bitterer machen, indem dem Elend auch noch das Etikett zugefügt wird,
"einen an der Klatsche" zu haben. Dabei habe ich vor allem jene
Altersgruppen vor Augen, für die körperliche Krankheiten die einzigen sind, die
'man haben darf, ohne gleich als bekloppt zu gelten'. Psychotherapie, das ist
eben 'neumodisches Zeugs und dass die Psychologischen Psychotherapeuten keine
Ärzte sind, das ist ja merkwürdig, sind das denn keine Psychiater? Gibt' s denn
da nicht auch gleich Medikamente und ist nicht eh alles erblich und liegt in
der Familie?'
Nein, so ist es nicht gemeint. Das Nachdenken über das Schema Bitterkeit ist natürlich
verbunden mit der Frage nach angemessenen therapeutischen Strategien. Und dabei
denke ich zuerst an das Annehmen des Bitteren am Bitteren. Vielleicht ist es ja
nicht mehr so bitter, wenn man es akzeptieren kann, sich 'mit dem Schicksal
versöhnt hat', Abstand gewinnen kann von den vielen Vorgaben, Ansprüchen und
Forderungen, wie die Dinge zu sein hätten, wie Menschen zu sein hätten und so
fort.
Alles hat einmal ein Ende, das ist bitter. Da werden Leute angegriffen wegen
eines Videos, mit dem sie nichts zu tun haben, das ist bitter. Bitter ist nicht
nur manche Schokolade, bitter ist die Vergänglichkeit, Zerbrechlichkeit aller
Menschen und allem, was sie jemals geschaffen haben (und noch schaffen
werden?). Bitter ist der Tod.
Das Schema Bitterkeit ist ein Bewertungsmuster für bestimmte Aspekte der
Realität. Wer Bitterkeit empfindet, traurig oder niedergeschlagen auf so
manches schicksalhafte Ereignis reagiert, zeigt etwas, das nachvollziehbar,
verständlich ist. Das Bittere als bitter zu empfinden ist aber auch eine
Bewertung. Und wenn die Bewertung das eigentlich Bittere ist, dann lässt sich
das Bittere auch verwandeln. Es läuft dann doch immer wieder darauf hinaus, die
Dinge eben so zu akzeptieren, wie sie sind. Das ist schwer. Und dass es schwer
ist, ist vielleicht auch bitter.
Vielleicht sollten wir das unseren Kindern sagen: erwarte nicht, das alles
leicht wird oder alles gelingt. Aber achte dabei auf die Art, wie du die Dinge
bewertest. Denn diese Bewertungen könnten ungesund sein.
*
Wirkt Psychotherapie auch übers Telefon?
Die Schwelle zur Psychotherapie ist hoch - in Deutschland warten viele monatelang auf einen Therapieplatz, aber das ist nicht das einzige Problem. Die Angst vor der Therapie, die Befürchtung gesehen zu werden, die Schwierigkeit, gerade in ländlichen Regionen dort hin zu kommen, wo es Psychologische Psychotherapeuten gibt, hält zudem noch mehr Menschen davon ab, überhaupt einen Therapieplatz zu suchen. Wenn das alles auch per Telefon ginge, es hätte Vorteile, allen Bedenken, die da sein mögen zum Trotz. Vorteile und Nachteile lassen sich diskutieren, eine Frage ist dabei zentral: wirkt Psychotherapie denn überhaupt übers Telefon?
Immerhin fehlt der extraverbale Bereich, die Möglichkeit, Verhalten direkt zu beobachten, es fehlt der direkte Kontakt in einem gemeinsamen Raum.
In Cambridge wurde diese Frage untersucht: 39.000 Paiteten wurden dabei befragt, das ist eine beträchtliche Anzahl. Der Vergleich bezog sich auf Kognitive Therapie - in der einen Gruppe im direkten Kontakt, in der anderen übers Telefon. Für die meisten zeigten sich beide Varianten in gleicher Weise wirksam, ausgenommen ist dabei eine abgrenzbare Gruppe mit ernsthafteren Problemen.
Die Autoren weisen darauf hin, dass Psychotherapie per Telefon auch jenen zugänglich ist, die aufgrund von Transportproblemen, beruflichen Verpflichtungen, körperlichen Einschränkungen oder anderer Probleme gar nicht in der Lage wären, eine psychotherapeutische Praxis aufzusuchen. Außerdem waren die Kosten in der Studie für die Psychotherapie per Telefon deutlich geringer (im Originaltext sind 36,2% Kostenersparnis angegeben, die Zahl bezieht sich auf den Osten Englands).
Dem Wunsch der University of Cambridge, bei Bezugnahme auf diese Studie einen Link auf die ensprechende Seite zu setzen, komme ich gern nach:
*
Selbstfürsorge: Affirmationen
Vorbemerkung: Depression. Burnout. Immer wieder stelle ich fest, dass manche Menschen
wenig selbstfürsorglich sind. Sie kümmern sich um andere, um die Arbeit,
vergessen sich selbst dabei. Das hat was, aber für mich persönlich ist mir
längst klar geworden: wenn ich für andere da sein will, muss ich mich auch um
mich selbst kümmern. Für jene, die sich selbst zu oft vergessen, wo es wichtig
wäre, nicht egoistisch, aber eben selbstfürsorglich zu sein, habe ich diesen
geschrieben. Er gibt Anstöße zum Nachdenken, aber auch für Gespräche.
Ich bin mir
dessen bewusst, dass mein Erleben und
Handeln von äußeren und inneren Faktoren beeinflusst wird. In der Welt und in
mir selbst können unterschiedliche Kräfte in unterschiedliche Richtungen
wirken. Daraus werden sich immer wieder Konflikte ergeben. Leben und Lernen,
Wachsen und Reifen bedeutet stets: sich mit Konflikten auseinander setzen,
vermitteln, balancieren, nach Lösungen suchen und Entscheidungen treffen.
Bei alledem
sorge ich für mich selbst, wie eine erwachsene Person für ein Kind, wie eine
erwachsene Person, die sich der vielfältigen Verantwortlichkeiten und
Regelungen in der Gesellschaft bewusst ist. Selbstfürsorge ist auch
Selbstkontrolle. Wenn ich mich selbst nicht kontrolliere, können Kräfte in mir
wirksam werden, die mich in unerwünschte oder gefährliche Richtungen lenken.
Meine Gefühle sind Wegweiser, sie machen mich auch Besonderheiten, angenehme
und unangenehme, schützende und gefährliche Aspekte des Lebens aufmerksam.
Für mich
sorgen bedeutet auch, meine eigenen Bedürfnisse, meine Neigungen und
Präferenzen, meine Interessen und Wünsche, Motive und Ziele immer klarer zu
erkennen und zu entwickeln. Für mich sorgen bedeutet, mich selbst zu ermutigen
und auf konstruktive, entwicklungsfördernde Prozesse zu achten.
Wenn mir
etwas fehlt, bemühe ich mich darum, das zu bekommen, was ich brauche. So wie es
mir entspricht und wie es für mich akzeptabel ist. Ständig bewege ich mich zwischen Anpassung
und Abgrenzung, zwischen Kontaktaufnahme und Rückzug.
Auf
irgendeine Weise bin ich immer so wie alle Menschen. Auf irgendeine Weise bin
ich so wie viele Menschen. Auf irgendeine Weise bin ich so wie niemand sonst
auf der Welt, anders als alle, die jemals gelebt haben und anders als alle, die
jemals leben werden. Diese Einmaligkeit und Unverwechselbarkeit macht das
Besondere meines Lebens aus.
Alles was ich
tue und alles, was ich lasse, hinterlässt Spuren. Dort, wo ich für mich selbst
sorge, zeige ich mehr oder weniger erkennbar für andere, dass Menschen wertvoll
sind, Respekt und Achtung verdienen.
Gerade dann,
wenn ich Wertschätzung von anderen schmerzlich vermisse, ist es besonders
wichtig, dass ich selbst achtsam und wertschätzend mit mir selbst umgehe.
Wenn ich
ehrlich mit mir selbst und zu mir selbst bin, werde ich so manches erkennen,
das mir nicht gefällt. Ich kann nicht einfach so ganz anders sein. Aber ich
kann mich um Veränderungen bemühen und früher oder später für das eine oder
andere Problem eine Lösung finden.
Wenn mir
bewusst ist, wie lange es manchmal gedauert hat, bis in der Geschichte der
Menschheit Lösungen für schwierige Probleme gefunden wurden, muss ich nicht von
mir fordern, morgen ein literarisches Meisterwerk zu schreiben, übermorgen eine
Sinfonie zu komponieren und am dritten Tag eine wissenschaftliche Theorie zu
entwickeln, die die Relativitätstheorie in den Schatten stellt. Bei dem, was
ich mir selbst abverlange, berücksichtige ich stets meine Fähigkeiten, mein
Wissen und meine Erfahrung.
Etwas Neues
zu tun kann bedeuten, dass ich beim ersten Versuch scheitere oder Schwachpunkte
erkenne, also mit den Ergebnissen noch nicht zufrieden bin. Ich kann mich
fragen, ob ich mir die metaphorische Latte zu hoch gehängt habe oder einfach
noch mehr üben muss. Wenn mir etwas nicht gelingt, das Ergebnis aber wichtig
ist, versuche ich etwas anderes. Probleme kann ich schrittweise angehen und
verschiedene Möglichkeiten abwägen. Um meine Problemlöseprozesse optimal zu
gestalten brauche ich Geduld mit mir selbst.
Wenn ich
erkenne, dass Veränderungen viel Zeit und Mühe kosten können, kann ich auch
nachsichtiger mit mir selbst und anderen umgehen. Ein Grashalm oder eine Blume
wachsen nicht schneller, wenn ich sie unter Druck setze. Fürsorglich wie ein
Gärtner achte ich auf Licht und Wasser - das Notwendige, das ich brauche, die Förderung
die ich brauche, um wachsen zu können.
So wlll ich
Gärtner sein für das, was in mir selbst wachsen will, Zeit und Geduld, aber
auch Schutz und Fürsorge braucht.
Zeit und
Geduld werde ich auch brauchen, um zu erkennen, was all das für mich persönlich
bedeuten kann und wie ich diese Selbstfürsorge für mich in meinem Leben
lebendig werden lassen kann.
Therasophie
Therasophie ist ein Ansatz, der die philosophischen Grundlagen und Hintergründe therapeutischen Denkens und Handelns zu ergründen sucht, wohl wissend, dass all das, was dabei herauskommen mag, den Ansprüchen der 'Profilosophen' wohl nicht gerecht werden kann. Aber auch nicht muss. Im Auge habe ich dabei mehr die therapeutisch Tätigen, die sich ihrer selbst bewusst werden und dabei auch Rechenschaft ablegen möchten, was sie denn nun zur reflektierten Grundlage ihres Tuns erklären wollen oder bereits mehr oder weniger durchdacht übernommen haben.
Der Satz "wer heilt, hat Recht" ist so ein 'therasophischer Satz', gehört aus dem Munde eines Arztes, fragwürdig indessen, wenn Wissenschaftlichkeit als Grundlage therapeutischen Handelns gewünscht oder gefordert ist. Fragwürdig gerade aber auch das, denn: deckt den die Wissenschaft wirklich alles ab, was da im Rahmen des Therapeutischen zum Thema zu werden vermag, kann Wissenschaft das überhaupt leisten und wenn ja: welche? Oder: wie viele?
Kann ich wissen, was für andere gut ist?
Der eben erwähnte Satz "wer heilt, hat Recht" enthält bereits einen guten Teil des Problems. Heilen also, das Ziel therapeutischen Handelns, setzt ja voraus, dass da jemand ist, der "nicht heil", irgendwie "beschädigt" oder "krank" ist. Dann brauchen wir aber auch ein Gegenstück, also eine Vorstellung von dem, was "nicht beschädigt" oder "gesund" ist. Woher aber nehmen wir diese Vorstellung? Nehmen alle, die in irgendeiner Weise therapeutisch tätig sind, denselben Begriff, das selbe Verständnis von Gesundheit als Grundlage oder gibt es da vielleicht unterschiedliche, gar gegensätzliche Vorstellungen? Und würde dann das, was für den einen heilend ist, für die andere gar als verwerflich, schädlich, pathogen gelten?
Ein Beispiel, an dem sich die Bedeutung unterschiedlicher Perspektiven deutlich aufzeigen lässt, ist der Gebrauch von Opiaten oder opiathaltigen Mitteln bei Schmerzen. Kurzfristig können solche Mittel Schmerzen lindern, langfristig bergen sie die Gefahr der Abhängigkeit, je nachdem, welche Perspektive man einnimmt, kommen also unterschiedliche Einschätzungen zustande, ob eine entsprechende Verordnung "gut" oder "heilsam" ist.
Allgemeine Formulierungen sind zunächst leicht zu finden: gut ist, was Leiden lindert, schlecht ist, was Leiden erzeugt oder verstärkt. Gerade die Schmerzproblematik zeigt aber auch ein weiteres Perspektivenproblem auf: denn subjektives Schmerzempfinden muss nicht bedeuten, dass es eine objektive, messbare Grundlage dafür gibt. So mag Leiden entstehen, das für andere zunächst nicht nachvollziehbar, nicht überprüfbar ist. Andererseits gibt es definierte Krankheiten wie die Manie, die in der akuten Phase nicht von subjektivem Leiden begleitet sein müssen. Ein Narzisst mag sich selbst als völlig gesund einschätzen, während Therapeuten anhand vorgegebener Kriterien eine Persönlichkeitsstörung diagnostizieren. Mit dem Begriff "vorgegeben" kommt zum Ausdruck, dass immer schon andere über die Frage nachgedacht haben, was denn nun gesund heißen soll. Im therapeutischen Alltag ist keine Zeit, über diese Grundlagen ausführlich nachzudenken, gelegentlich aber wird hier und da das eine oder andere in Frage gestellt - und damit immer auch potentiell die Einschätzung dessen, was als gesund oder krank bezeichnet werden soll.
Das ist auch sinnvoll, denn würde dieses Nachdenken aufgegeben, würden sich die therapeutisch tätigen selbst funktionalisieren, sich in ihren Denkmöglichkeiten beschränken - und einer vielleicht nicht mehr zeitgemäßen therapeutischen Philosophie nachhängen, die sich gleichsam unreflektiert während des Studiums oder einer Therapieausbildung eingeschlichen hat.
Die bequeme Variante ist, dieses Nachdenken den Fachverbänden zu überlassen, die Richtlinien für bestimmte Bereiche formulieren, sich auf Diagnosesysteme zu stützen, die allgemein anerkannt sind oder sich eben lehrbuchmäßig an dem zu orientieren, was gerade irgendwie "in" ist. Ohne solche gemeinsamen Bezugspunkte wäre die Verständigung innerhalb der und zwischen den therapeutischen Disziplinen nicht möglich - dort aber, wo diese Bezugspunkte selbst als potentiell hinterfragbar und verhandelbar eingefordert werden, beginnt erst das eigentliche Geschäft der Therasophie.
Das Anliegen, hier nach einer interdisziplinären Terminologie zu fragen, die als Grundlage der Zusammenarbeit mit angrenzenden Fachbereichen, vor allem aber in der therapeutischen Praxis, in der eben auch Ärzte, Krankenschwestern (oder sollte ich sagen: Kranken- und Gesundheitspfleger/innen?) , Ergotherapeuten, Sporttherapeuten usw. 'am Werk' sind, sei nur am Rande erwähnt. Ein 'anhängendes' Bemühen besteht darin, aus einer psychologischen und sprechwissenschaftlichen Perspektive Beziehungsmedizin zu denken und dabei nach einem gemeinsam werden könnenden Grundverständnis zu fragen.
Die große Chance, die sich darin verbirgt, ist die Möglichkeit, sich Patienten gegenüber als autonom denkendes Subjekt zu präsentieren, das sich nicht einfach auf das Vorgegebene verlässt und lebt, was "man eben tut" - damit aber auch Orientierungspunkt und Modell für eine autonome Lebensgestaltung zu sein. Auch hier steckt nun wiederum eine nicht unbeträchtliche Voraussetzung - dass nämlich Autonomie irgendwie etwas Gesundes sei und Abhängigkeit dagegen vielleicht nicht immer unbedingt krank, aber doch auf jeden Fall weniger wünschenswert, dem Menschen weniger entsprechend ist.
Solche Überlegungen münden unweigerlich in die Frage nach Werten - und die damit verbundene Frage, ob Therapie nicht immer auch bedeutet, anderen die je eigene Wertorientierung einfach überzustülpen, ohne sie transparent, zugänglich, disponibel, thematisierbar und verhandelbar zu machen. Dort, wo es so ist, hat alles Therapeutische etwas Autoritäres an sich, fixiert in Regularien, formuliert in Vorgaben, Strukturen und Mustern, die festlegen, was im Rahmen der Therapie geschehen soll, kann und darf.
Damit wird auch definiert, was behandlungswürdig und behandlungsbedürftig, was finanzierbar ist und was nicht. Die Frage stellt sich dann, wie viel Therapie 'der' Mensch braucht, bekommt, annehmen und verarbeiten kann. Die Frage stellt sich, welche Probleme welchem Kostenträger wie viel Therapie wert sind und welche Form der Therapie von wem in welchem Ausmaß finanziert werden kann oder soll. Die Frage, ob Therapie denn nun wirklich immer Geld kostet, kosten darf oder muss, macht einen weiteren Seitenweg auf, der vielleicht langsam die immense Komplexität der hier angedeuteten Themen aufzeigt.
Manche werden die Ansprüche vielleicht ablehnen - formulieren möchte ich sie trotzdem als Denkanstoß und Orientierungshilfe: Therapeuten können und sollen über ihr Menschenbild nachdenken, sich über ihre Werte klar werden, können und sollen Themenfelder wie Gesundheit, Werte, Lebensorientierungen und Diagnosen, Behandlungsmöglichkeiten und das Für und Wider einzelner Vorgehensweisen thematisieren und unmittelbar in den therapeutischen Prozess einbringen können.
Damit ist noch lange nicht alles gesagt beziehungsweise geschrieben, was es in diese Zusammenhang zu bedenken geben kann. Vielleicht aber hat der eine oder die andere bereits jetzt so manches zu verdauen. Deshalb soll, um Verdauungsstörungen vorzubeugen, hier eine Pause sein.
Sind Diagnosen hilfreich?
Sind Diagnosen hilfreich?
Sprache des Erlebens
Eine Erfahrung, die für Psychotherapeuten nicht ganz ungewöhnlich sein dürfte ist, dass sich viele Menschen sehr schwer damit tun, ihr inneres Erleben zu beschreiben. Es fehlen die Worte, es fehlen die Worte, manchmal gar das Verständnis dafür, worum es in der Psychotherapie wirklich geht. Es ist immer noch keinesfalls selbstverständlich, zwischen Psychologie und Medizin unterscheiden zu können, zu begreifen, dass Psychologie nicht einfach eine Teildisziplin der Medizin ist, nicht alle, die als ‚Psychologen’ bezeichnet werden, auch wirklich welche sind. Wenn jemand die Medikamente aufzählt, die die ‚Psychologin’ verschrieben hat, wird das schnell ersichtlich – denn so wie es im Moment (noch?) aussieht, dürfen Psychologen gar keine Medikamente verschreiben, es sei denn, sie sind gleichzeitig Ärzte. Oder Ärztin natürlich.
Gewisse Ähnlichkeiten bestehen gelegentlich mit Mr. Spock (für Unkundige: der Wissenschaftsoffizier aus der alten Reihe ‚Raumschiff’ Enterprise, ein spitzohriger Vulkanier, der die Menschen unvernünftig findet und alles aus der Perspektive der Logik betrachtet). In einem Film fragt ihn eine Computerstimme: „wie fühlen Sie sich?“. Und er antwortet: „ich verstehe die Frage nicht“.
Damit beginnt das Problem, das Problem ‚geschieht’. Vielmehr: es ‚geschieht’ eben nicht, weil die Sprache für das innere Erleben, das mit der Frage nach den Gefühlen angesprochen ist, verarmt ist oder scheinbar gänzlich fehlt. Dabei muss es sich nicht gleich um Alexithymie handeln, der ‚Unfähigkeit, Gefühle zu lesen’, vielleicht ist es einfach nur ungewohnt, nicht erlernt. Und vielleicht auch eine Grenze, die uns die Sprache überhaupt nahe legt. Oberflächlich betrachtet. Genau besehen gibt es tatsächlich eine Fülle von durchaus alltäglichen Formulierungen, die Erlebnisse beschreiben. Ich glaube und hoffe, dass die Beschäftigung mit solchen Formulierungen auch dann weiter helfen kann, wenn es um eine zunächst rein sprachliche Betrachtung geht. Letzten Endes aber geht es um die Entwicklung einer Fähigkeit – der Fähigkeit, inneres Erleben ‚zur Sprache zu bringen’. Womit vorausgesetzt wird, dass das Erlebte auch erlebt werden kann und eben eine gewisse Übung erforderlich ist, um passende Worte und Formulierungen auch wirklich zu finden. Bringen wir dabei nun die Sprache zum Erleben oder das Erleben zur Sprache? Vielleicht ist es beides, in einem Prozess der inneren Überprüfung lässt sich entwickeln, welche Formulierung am besten passt.
So zeigt sich dann das Therapeutische im Anbieten von Formulierungen, im Tasten nach Worten, die vielleicht das wiedergeben können, was die Erlebenden selbst nicht in Worte fassen können. Oder noch nicht. Auch wenn es nur ungefähr passt, ist ein Schritt getan, der sich dann weiter ausbauen lässt.
„Da belastet mich etwas“. Das ist ein sehr vorsichtiger Anfang, der deshalb Sinn macht, weil das Gespräch über das, was ‚in Ordnung ist’, keinen Anlass für Psychotherapie mit sich bringt. Da ist irgendetwas schwierig, oder: da gibt es einen Punkt, an dem ich nicht weiter komme oder nicht weiter weiß… Solche Aussagenfragmente können ein Ansatz sein, von dem aus weiter gefragt werden kann. Was es denn nun ist, das schwierig ist, wie denn der Punkt zu beschreiben ist, an dem es nicht weiter zu gehen scheint. Eine solche Situation kann sehr unangenehm sein, unbehaglich, und das ist auch ein Erlebnismoment. Als Erklärung beziehungsweise Begründung, warum es manchen wohl so schwer fällt, ihr inneres Erleben zu beschreiben, möchte ich einen neuen Begriff einführen, der ebenfalls ein Erlebnismoment ist, aber kaum direkt ausgesprochen wird. Erlebnisangst. Was bedeutet: ich habe Angst davor, mich mit meinem inneren Erleben zu beschäftigen, weil das unangenehm werden könnte, weil dabei vielleicht etwas zutage tritt, das mir gar nicht gefällt.
Dort aber, wo es schier unmöglich ist, das eigene Erleben zu beschreiben, drängt sich die Frage auf, ob der oder die Betreffende überhaupt noch am Leben ist – psychisch am Leben, meine ich damit. Denn gerade das Erleben ist der Ort, an dem das Leben sich seiner Lebendigkeit bewusst zu werden vermag. Wer sich davor fürchtet, reduziert das je eigene Potential im Grunde auf eine Ebene des mechanischen Funktionierens, eine Ebene, die noch unter der Erlebnisfähigkeit eines Tieres liegt. Hunde beispielsweise können erstaunliche gruppendynamische Kompetenzen entwickeln, spüren, wenn irgendwo „dicke Luft“ ist, unruhig werden oder sich zurückziehen. Leider fehlt ihnen die Fähigkeit, sich dabei mit klaren Worten verständlich zu machen – aber sie erleben etwas und reagieren darauf. Das gemeinsame Element, das „Reagieren auf etwas aufgrund des inneren Erlebens“, ist ebenfalls ein indirekter Zugang zum Erleben. Extraverbale Kommunikation (die landläufig als ‚Körpersprache’ bezeichnete Art, sich mit anderen zu verständigen) deutet auf bestimmte Erlebnismomente, bleibt dabei aber potentiell immer dem Missverstehenkönnen ausgesetzt, denn eine Reaktion wie „Weggehen“ kann aus einem „Sich-Unwohl-Fühlen“ ebenso entstehen wie aus einem Termin, der dringend erscheint – auch wenn der Wunsch, zu bleiben, recht stark sein mag.
Genau dort liegt ein starkes Argument, sich mit der Sprache des Erlebens zu beschäftigen – denn dort, wo sich das innere Erleben nicht klar und eindeutig aus Verhaltensweisen, Äußerlichkeiten und Reaktionen ableiten lässt, bedeutet „sich mit dem eigenen Erleben zur Sprache bringen können“ auch: zumindest die Chance zu haben, verstanden zu werden. Und: die Chance zu haben, sich selbst ein kleines bisschen besser zu verstehen.
nicht so... sondern so...
Einfach. Praktisch. Zur Erinnerung. Der Zusammenhang: in der Problemlösegruppe tauchte die Frage auf, wie sich im Alltag Veränderungen gestalten lassen. Tja, da ist mir so manches klar geworden, aber wie setze ich das im Alltag um? Die alten Muster, die gewohnten Zusammenhänge, die sind schließlich noch da. Das ist ein Grundproblem, das in der stationären und auch in der ambulanten Psychotherapie immer wieder auftritt. Das Muster "nicht so... sondern so..." ist eine einfache Erinnerungshilfe, eine einfache Tabelle. Die erste Spalte nimmt als Stichwort oder einfache Formulierung die Dinge auf, die nicht mehr sein sollen, persönlich formuliert: das, was ich nicht mehr (tun) möchte. Und dann kommt auf der rechten Seite (der rechen Spalte) das hin, was ich stattdessen (tun) möchte. Zum Beispiel...: da stellt einer fest, dass er Konflikten gerne aus dem Weg geht. Und was nun stattdessen? Alle Konflikte austragen? Auch mal die eigenen Rechte in Anspruch nehmen? Auch mal sagen: das passt mir nicht? Die Antworten sind persönlich und es dauert vielleicht seine Zeit, eine passende Formulierung zu finden. Oder: statt "mich selbst immer wieder überfordern" eben so: "meine Grenzen respektieren und zum Ausdruck bringen, wenn ich etwas nicht (mehr) schaffe". Oder statt "es allen Recht machen wollen" eben so: "abwägen, was wichtig ist und Ansprüche verschiedener Menschen ausbalancieren".
Und so weiter. Die Liste kann sehr lang werden, vielleicht ist es empfehlenswert, die wichtigsten Punkte herauszufiltern. Und dann auszuprobieren, was sich davon wirklich umsetzen lässt. Das dauert vielleicht seine Zeit, nicht alles wird sofort gelingen.
Das Wichtigste ist die schlichte Erkenntnis, dass es eine Menge Dinge gibt, die auch irgendwie anders gehen. Und wenn das Andere sich dann als besser, gesünder herausstellt, lohnt es sich, das Neue auch beizubehalten. Oder die Liste zu überarbeiten.
Es ist nicht nötig, alte Muster, die sich als schädlich, unpassend oder unbrauchbar erwiesen haben, für immer und alle Zeit weiter zu nutzen. Es geht auch anders. Eben nicht so (wie bisher), sondern so (wie es besser ist).
*
Und so weiter. Die Liste kann sehr lang werden, vielleicht ist es empfehlenswert, die wichtigsten Punkte herauszufiltern. Und dann auszuprobieren, was sich davon wirklich umsetzen lässt. Das dauert vielleicht seine Zeit, nicht alles wird sofort gelingen.
Das Wichtigste ist die schlichte Erkenntnis, dass es eine Menge Dinge gibt, die auch irgendwie anders gehen. Und wenn das Andere sich dann als besser, gesünder herausstellt, lohnt es sich, das Neue auch beizubehalten. Oder die Liste zu überarbeiten.
Es ist nicht nötig, alte Muster, die sich als schädlich, unpassend oder unbrauchbar erwiesen haben, für immer und alle Zeit weiter zu nutzen. Es geht auch anders. Eben nicht so (wie bisher), sondern so (wie es besser ist).
*
Studien zur Wirksamkeit von Psychotherapie
(aktualisiert)
Die Aufstellung ist noch nicht vollständig und wird nach und nach ergänzt. Die Zusammenstellung zeigt aber zwei grundsätzliche Einsichten: psychodynamische Therapie und Verhaltenstherapie lassen sich in ihrer Wirksamkeit bestätigen. Und: die Wirksamkeit wurde meist bei spezifischen Problembereichen nachgewiesen. Im Einzelfall können beide Ansätze wirksam sein, manchmal ist der eine oder andere besser. Es gibt Grenzen, wenn es um Psychosen geht. Manchmal ist die begleitende Behandlung mit Medikamenten sinnvoll. Und... manchmal finden sich auch Belege für Therapieansätze, die nicht als wissenschaftlich anerkannt gelten.
Mai 2010: Kunsttherapie hilft Kindern mit Asthma, baut Ängste ab und erhöht die Lebensqualität
Februar 2010: Verhaltenstherapie verbessert den Schlaf bei Schmerzpatienten
Februar 2010: Hypnose hilft gegen Schmerzen bei Frauen mit Brustkrebs und Metastasen
Januar 2010: Psychodynamische Therapie wirkt bei vielen psychischen Störungen wie Angst, Panik, Depression.
Juni 2009: Kognitive Verhaltenstherapie nützt nichts bei Schizophrenie und zeigt nur begrenzte Wirkung bei biploaren Störungen
April 2009: Kognitive Verhaltenstherapie hilft bei älteren Erwachsenen, die Sorgen zu lindern
April 2009: Kognitive Verhaltenstherapie lindert Schmerzen
November 2008: Psychodynamische Therapie wirkt bei Depressionen
Oktober 2008: Bei Persönlichkeitsstörungen und chronifizierten psychischen Störungen ist eine längere Psychotherapie besser
November 2007: Verhaltensherapie, die durch Medikamente begleitet wird, hilft depressiven Teenagern, die gleichzeitig Substanzen missbrauchen
September 2007: Familientherapie erhöht die Wirksamkeit der Therapie von Bulimie bei Teenagern
März 2007: Psychodynamische Therapie wirkt bei Panikstörungen
Die Aufstellung ist noch nicht vollständig und wird nach und nach ergänzt. Die Zusammenstellung zeigt aber zwei grundsätzliche Einsichten: psychodynamische Therapie und Verhaltenstherapie lassen sich in ihrer Wirksamkeit bestätigen. Und: die Wirksamkeit wurde meist bei spezifischen Problembereichen nachgewiesen. Im Einzelfall können beide Ansätze wirksam sein, manchmal ist der eine oder andere besser. Es gibt Grenzen, wenn es um Psychosen geht. Manchmal ist die begleitende Behandlung mit Medikamenten sinnvoll. Und... manchmal finden sich auch Belege für Therapieansätze, die nicht als wissenschaftlich anerkannt gelten.
Mai 2010: Kunsttherapie hilft Kindern mit Asthma, baut Ängste ab und erhöht die Lebensqualität
Februar 2010: Verhaltenstherapie verbessert den Schlaf bei Schmerzpatienten
Februar 2010: Hypnose hilft gegen Schmerzen bei Frauen mit Brustkrebs und Metastasen
Januar 2010: Psychodynamische Therapie wirkt bei vielen psychischen Störungen wie Angst, Panik, Depression.
Juni 2009: Kognitive Verhaltenstherapie nützt nichts bei Schizophrenie und zeigt nur begrenzte Wirkung bei biploaren Störungen
April 2009: Kognitive Verhaltenstherapie hilft bei älteren Erwachsenen, die Sorgen zu lindern
April 2009: Kognitive Verhaltenstherapie lindert Schmerzen
November 2008: Psychodynamische Therapie wirkt bei Depressionen
Oktober 2008: Bei Persönlichkeitsstörungen und chronifizierten psychischen Störungen ist eine längere Psychotherapie besser
November 2007: Verhaltensherapie, die durch Medikamente begleitet wird, hilft depressiven Teenagern, die gleichzeitig Substanzen missbrauchen
September 2007: Familientherapie erhöht die Wirksamkeit der Therapie von Bulimie bei Teenagern
März 2007: Psychodynamische Therapie wirkt bei Panikstörungen
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Depressionen: Umdenken ist besser als Verhaltensänderung
Die grundsätzlichen Überlegungen haben bereits eine lange Tradition, aber es ist trotzdem interessant, dass Studien immer wieder die Wirksamkeit Kognitiver Therapie bestätigen. Daniel Strunk (Ohio State University, USA) ging der Frage nach, ob bei schweren Depressionen der Aufbau von Aktivitäten (also der direkte Ansatz am Verhalten) oder die Bearbeitung negativer Gedanken wirksamer ist. 60 Patienten mit der Diagnose Major Depression (entspricht im ICD-10 der schweren depressiven Episode) wurden in zwei Universtitätskliniken von 6 Therapeuten mit Methoden der Kognitiven Therapie behandelt. Die Therapiesitzungen wurden auf Video aufgezeichnet. Geschulte Beobachter sollten dann beurteilen, wie stark die Therapeuten in den ersten vier Sitzungen Verhaltensaspekte beziehungsweise depressive Gedankengänge in den Vordergrund stellten. Nach jeder Sitzung wurde der Schweregrad der Depression mit einem Patientenfragebogen ermittelt. Untersucht wurde schließlich der Zusammenhang zwischen angewandten Methoden und dem Grad der Verbesserungen, die sich von einer Sitzung zur nächsten ergeben hatten. Die Konzentration auf die ersten Sitzungen beruht dabei auf der Erfahrung, dass meist gerade in der Anfangsphase die deutlichsten Entwicklungen beobachtbar sind.
Therapeuten, die sich vor allem auf die Verhaltensebene konzentrierten, erreichten nicht sehr viel - die deutlichsten Fortschritte ergaben sich dann, wenn kognitive Strategien im Vordergrund standen. Umdenken also, die Bearbeitung depressiver Gedankengänge und Überzeugungen, zeigt sich als hilfreich und verbessert die Befindlichkeit. Die weiteren Beobachtungen sind im Prinzip auch nicht neu - und durchaus einleuchtend. Die Behandlungserfolge waren besser, wenn die Patienten mit ihren Therapeuten zusammen einen Behandlungsplan erarbeiteten und umsetzten. Bessere Ergebnisse ergaben sich auch, wenn die Patienten den Therapieverlauf aktiv mitgestalteten und offen für die Vorschläge ihrer Therapeuten waren.
Eine der Fragen, mit denen sich die Forscher in Ohio beschäftigen betrifft die Wirkungsweise der Kognitiven Therapie überhaupt. Geht es um Techniken, die man einüben und entwickeln kann oder mehr um die Veränderung der Selbstwahrnehmung, Selbsteinschätzung und das Selbstbild?
Insgesamt bewirkt die Bearbeitung negativer Denkmuster und die realistischere Einschätzung von Ereignissen mehr als eine reine Verhaltensänderung.
Kommentar: Aaron T. Beck beschrieb bereits 1970 typische Denkmuster bei Depressionen, die als 'Kognitive Triade' bezeichnet werden. Depressive bewerten sich selbst, die Umwelt und die Zukunft negativ. Logischerweise müsste Kognitive Therapie also vor allem dann wirksam sein, wenn es gelingt, eine positivere Bewertung in diesen Bereichen zu ermöglichen. Dieses Umdenken, das zu einer neuen Bewertung von Ereignissen führt, ist der entscheidende Aspekt in der Therapie.
Literatur:
Beck, A.T. Cognitive Therapy: Nature and Relation to Behavioral Therapy. In: Behavioral Therapy, 1970, 1, S. 184-200.
Daniel R. Strunk, Melissa A. Brotman, Robert J. DeRubeis. The process of change in cognitive therapy for depression: Predictors of early inter-session symptom gains. Behaviour Research and Therapy, 2010; DOI: 10.1016/j.brat.2010.03.011
Quelle:
Ohio State University (2010, May 12). Changing thoughts key to battling even severe depression. ScienceDaily. Retrieved May 14, 2010, from http://www.sciencedaily.com /releases/2010/05/100512125257.htm
Therapeuten, die sich vor allem auf die Verhaltensebene konzentrierten, erreichten nicht sehr viel - die deutlichsten Fortschritte ergaben sich dann, wenn kognitive Strategien im Vordergrund standen. Umdenken also, die Bearbeitung depressiver Gedankengänge und Überzeugungen, zeigt sich als hilfreich und verbessert die Befindlichkeit. Die weiteren Beobachtungen sind im Prinzip auch nicht neu - und durchaus einleuchtend. Die Behandlungserfolge waren besser, wenn die Patienten mit ihren Therapeuten zusammen einen Behandlungsplan erarbeiteten und umsetzten. Bessere Ergebnisse ergaben sich auch, wenn die Patienten den Therapieverlauf aktiv mitgestalteten und offen für die Vorschläge ihrer Therapeuten waren.
Eine der Fragen, mit denen sich die Forscher in Ohio beschäftigen betrifft die Wirkungsweise der Kognitiven Therapie überhaupt. Geht es um Techniken, die man einüben und entwickeln kann oder mehr um die Veränderung der Selbstwahrnehmung, Selbsteinschätzung und das Selbstbild?
Insgesamt bewirkt die Bearbeitung negativer Denkmuster und die realistischere Einschätzung von Ereignissen mehr als eine reine Verhaltensänderung.
Kommentar: Aaron T. Beck beschrieb bereits 1970 typische Denkmuster bei Depressionen, die als 'Kognitive Triade' bezeichnet werden. Depressive bewerten sich selbst, die Umwelt und die Zukunft negativ. Logischerweise müsste Kognitive Therapie also vor allem dann wirksam sein, wenn es gelingt, eine positivere Bewertung in diesen Bereichen zu ermöglichen. Dieses Umdenken, das zu einer neuen Bewertung von Ereignissen führt, ist der entscheidende Aspekt in der Therapie.
Literatur:
Beck, A.T. Cognitive Therapy: Nature and Relation to Behavioral Therapy. In: Behavioral Therapy, 1970, 1, S. 184-200.
Daniel R. Strunk, Melissa A. Brotman, Robert J. DeRubeis. The process of change in cognitive therapy for depression: Predictors of early inter-session symptom gains. Behaviour Research and Therapy, 2010; DOI: 10.1016/j.brat.2010.03.011
Quelle:
Ohio State University (2010, May 12). Changing thoughts key to battling even severe depression. ScienceDaily. Retrieved May 14, 2010, from http://www.sciencedaily.com /releases/2010/05/100512125257.htm
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Kognitive Teletherapie bei Depressionen
Der Begriff 'Cognitive-Behavioral Teletherapy' bezeichnet eine Therapieform, die über das Telefon praktiziert wird. Die Frage ist, ob eine solche Variante effektiv ist - fehlt da nicht etwas, wenn der direkte persönliche Kontakt 'Auge in Auge' auf die rein fernmündliche Kommunikation beschränkt ist?
An der Brigham Young University (Utah, USA) wurde diese Frage untersucht. 30 Patienten, bei denen eine klinische Depression diagnostiziert war, nahmen an einer Kurztherapie mit 8 Telefonaten teil - die Gespräche dauerten dabei zwischen 21 und 52 Minuten. Eine medikamentöse Behandlung gab es dabei nicht. 6 Monate später wurde ermittelt, ob die Symptome verschwunden waren und wie die Wirksamkeit im Vergleich zu jener Gruppe aussah, die die Therapie direkt in der Klinik durchgeführt hatte. In der Teletherapiegruppe war die Depression bei 42 Prozent verschwunden, die Klinikgruppe zeigte eine Erfolgsquote von 50 Prozent. Diane Spangler, Professorin an der Brigham Young University und Mitautorin der Studie, stellt fest, dass Teletherapie nicht für alle die geeignete Form darstellt. Ein Drittel der Patienten, die für die Teletherapie in Frage kamen, zogen dann doch den direkten Kontakt gegenüber dem eigenen Wohnzimmer vor. Für diejenigen, die gerne telefonierten, fielen dafür die Wege weg und die Therapie wurde als weniger peinlich wahrgenommen. Die Stichprobe von 30 Personen ist nicht sehr groß - zeigt aber, dass Therapie über das Telefon beinahe genauso wirksam ist wie im direkten Kontakt.
Literatur:
Steve Tutty, Diane L. Spangler, Landon E. Poppleton, Evette J. Ludman, Gregory E. Simon. Evaluating the Effectiveness of Cognitive-Behavioral Teletherapy in Depressed Adults%u2606. Behavior Therapy, 2010; 41 (2): 229 DOI: 10.1016/j.beth.2009.03.002
Quelle:
Brigham Young University (2010, May 10). Telephone therapy for depression? Study says yes. ScienceDaily. Retrieved May 11, 2010, from http://www.sciencedaily.com/releases/2010/05/100510141729.htm
An der Brigham Young University (Utah, USA) wurde diese Frage untersucht. 30 Patienten, bei denen eine klinische Depression diagnostiziert war, nahmen an einer Kurztherapie mit 8 Telefonaten teil - die Gespräche dauerten dabei zwischen 21 und 52 Minuten. Eine medikamentöse Behandlung gab es dabei nicht. 6 Monate später wurde ermittelt, ob die Symptome verschwunden waren und wie die Wirksamkeit im Vergleich zu jener Gruppe aussah, die die Therapie direkt in der Klinik durchgeführt hatte. In der Teletherapiegruppe war die Depression bei 42 Prozent verschwunden, die Klinikgruppe zeigte eine Erfolgsquote von 50 Prozent. Diane Spangler, Professorin an der Brigham Young University und Mitautorin der Studie, stellt fest, dass Teletherapie nicht für alle die geeignete Form darstellt. Ein Drittel der Patienten, die für die Teletherapie in Frage kamen, zogen dann doch den direkten Kontakt gegenüber dem eigenen Wohnzimmer vor. Für diejenigen, die gerne telefonierten, fielen dafür die Wege weg und die Therapie wurde als weniger peinlich wahrgenommen. Die Stichprobe von 30 Personen ist nicht sehr groß - zeigt aber, dass Therapie über das Telefon beinahe genauso wirksam ist wie im direkten Kontakt.
Literatur:
Steve Tutty, Diane L. Spangler, Landon E. Poppleton, Evette J. Ludman, Gregory E. Simon. Evaluating the Effectiveness of Cognitive-Behavioral Teletherapy in Depressed Adults%u2606. Behavior Therapy, 2010; 41 (2): 229 DOI: 10.1016/j.beth.2009.03.002
Quelle:
Brigham Young University (2010, May 10). Telephone therapy for depression? Study says yes. ScienceDaily. Retrieved May 11, 2010, from http://www.sciencedaily.com/releases/2010/05/100510141729.htm
s. auch: Ist Online-Therapie bei Panikattacken und Depressionen wirksam? (Dr. Rose Shaw Blog)
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Wie ist das, wenn man spinnt?
- Papa, wie ist das, wenn man spinnt?
- Wie kommst du denn jetzt darauf?
- Naja, in der Schule sagen mir andere oft, ich würde spinnen. Dabei sehe ich bloss manches anders. Aber deshalb bin ich doch nicht verrückt oder?
- Na, eine andere Ansicht haben und verrückt sein, das sind wirklich zwei verschiedene Dinge...
- Wie wird man eigentlich verrückt?
- Du stellst Fragen... aber erstmal möchte ich zurückfragen. Was meinst du mit "verrückt"?
- Wenn man eben plemplem ist. Nicht mehr ganz bei Trost. Einen an der Waffel hat oder so.
- Wie ist das, wenn man einen Schnupfen hat?
- Dann ist man eben krank, aber das ist doch etwas ganz anderes!
- Das, was man mit 'plemplem' oder 'einen an der Waffel' bezeichnet ist genau genommen auch eine Form von Krankheit.
- Muss man dann ins Bett und Tee trinken?
- Au weia, jetzt wird es aber schwierig... Hör mal, der Mensch besteht nicht nur aus einem Körper, da ist ja auch etwas drin...
- Der Magen?
- Nein, ich meine im Kopf.
- Gedanken?
- Jetzt kommen wir der Sache schon näher. Viele sprechen von der "Seele" oder dem "Geist". Man kann aber auch einfach Psyche dazu sagen. Und die Psyche, zu der deine Gedanken gehören, die kann eben auch krank sein.
- Aha, und das ist dann 'plemplem'? Wenn die Psyche krank ist?
- Da gibt es sehr viele Möglichkeiten und dicke Bücher, in denen die verschiedenen Arten von 'plemplem' beschrieben sind. Sag mal, wenn dir etwas kaputt gegangen ist, dann bist du doch traurig oder?
- Ja klar...
- Hört das dann auch wieder auf? Das mit dem Traurigsein meine ich?
- Irgendwann schon... wenn ich etwas Neues bekomme...
- Wie wäre das, wenn das Traurigsein gar nicht mehr aufhören will?
- Schlimm. Ist das 'plemplem'?
- Es ist eine Möglichkeit, psychisch krank zu sein. Wenn man traurig ist und es geht einfach nicht weg. Wenn man sich nicht mehr freuen kann. Oder einfach Angst hat ohne so recht zu wissen, warum. Oder wenn man Dinge sieht, die gar nicht da sind, aber völlig davon übezeugt ist, dass sie da sind.
- Aha... heisst das, man kann ganz verschieden spinnen?
- Genau. Aber mit dem Begriff "verrückt" ist niemandem geholfen. Es ist doch keine Schande, wenn man einen Schnupfen hat oder?
- Nein, wieso auch, kann doch jedem passieren!
- Eben. Und dass die Psyche einmal krank wird, weil man mit irgendwelchen Sachen nicht fertig wird, das kann auch jedem passieren. Aber das wissen viele nicht... und deshalb gibt es auch immer wieder einmal Leute, die darüber aufklären.
- Wie kommst du denn jetzt darauf?
- Naja, in der Schule sagen mir andere oft, ich würde spinnen. Dabei sehe ich bloss manches anders. Aber deshalb bin ich doch nicht verrückt oder?
- Na, eine andere Ansicht haben und verrückt sein, das sind wirklich zwei verschiedene Dinge...
- Wie wird man eigentlich verrückt?
- Du stellst Fragen... aber erstmal möchte ich zurückfragen. Was meinst du mit "verrückt"?
- Wenn man eben plemplem ist. Nicht mehr ganz bei Trost. Einen an der Waffel hat oder so.
- Wie ist das, wenn man einen Schnupfen hat?
- Dann ist man eben krank, aber das ist doch etwas ganz anderes!
- Das, was man mit 'plemplem' oder 'einen an der Waffel' bezeichnet ist genau genommen auch eine Form von Krankheit.
- Muss man dann ins Bett und Tee trinken?
- Au weia, jetzt wird es aber schwierig... Hör mal, der Mensch besteht nicht nur aus einem Körper, da ist ja auch etwas drin...
- Der Magen?
- Nein, ich meine im Kopf.
- Gedanken?
- Jetzt kommen wir der Sache schon näher. Viele sprechen von der "Seele" oder dem "Geist". Man kann aber auch einfach Psyche dazu sagen. Und die Psyche, zu der deine Gedanken gehören, die kann eben auch krank sein.
- Aha, und das ist dann 'plemplem'? Wenn die Psyche krank ist?
- Da gibt es sehr viele Möglichkeiten und dicke Bücher, in denen die verschiedenen Arten von 'plemplem' beschrieben sind. Sag mal, wenn dir etwas kaputt gegangen ist, dann bist du doch traurig oder?
- Ja klar...
- Hört das dann auch wieder auf? Das mit dem Traurigsein meine ich?
- Irgendwann schon... wenn ich etwas Neues bekomme...
- Wie wäre das, wenn das Traurigsein gar nicht mehr aufhören will?
- Schlimm. Ist das 'plemplem'?
- Es ist eine Möglichkeit, psychisch krank zu sein. Wenn man traurig ist und es geht einfach nicht weg. Wenn man sich nicht mehr freuen kann. Oder einfach Angst hat ohne so recht zu wissen, warum. Oder wenn man Dinge sieht, die gar nicht da sind, aber völlig davon übezeugt ist, dass sie da sind.
- Aha... heisst das, man kann ganz verschieden spinnen?
- Genau. Aber mit dem Begriff "verrückt" ist niemandem geholfen. Es ist doch keine Schande, wenn man einen Schnupfen hat oder?
- Nein, wieso auch, kann doch jedem passieren!
- Eben. Und dass die Psyche einmal krank wird, weil man mit irgendwelchen Sachen nicht fertig wird, das kann auch jedem passieren. Aber das wissen viele nicht... und deshalb gibt es auch immer wieder einmal Leute, die darüber aufklären.
Die Aufklärungsinitiative "Verrückt? Na und!" startet 2010 mit den Städten: Gelsenkirchen, Kassel, Leipzig, Lüneburg, Stuttgart.
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Exorzismus: Teuflisches Wirken
"Krämpfe. Das könnte ein Hinweis sein, dass Dämonen am Werk sind, also braucht man einen Priester, der die bösen Geister vertreibt." Diese Vorstellung existiert noch, zumindest wurde heute, am 02.04.2010 ein solcher Fall bekannt. Ein 14-Jähriges Mädchen starb nach der Teufelsaustreibung - als sie ins Krankenhaus kam, war es bereits zu spät.
Wie funktioniert der Exorzismus eigentlich?
Geundsätzlich geht die katholische Lehre davon aus, dass sich die bösen Geister durch Handlauflegen vertreiben lassen - die Seele soll also durch die Macht des Heiligen Geistes vor dem Teufel verschlossen werden.
September 2005: Papst Benedikt XVI. erklärt, dass nur "speziell vom Ortsbischof beauftragte Priester Exorzismus-Gebete über mutßmaßlich besessene Personen sprechen dürfen." Dabei kann auch ein Befehl an den Teufel ausgesprochen werden, den Betroffenen zu verlassen. Etwa: weiche von mir...
1993: Gabriele Amorth gründet die internationale Exorzistenvereinigung (es handelt sich nicht um eine Frau, sondern um einen in Modena geborenen katholischen Priester, der seit 1985 offiziell beauftrager Exorzist der Diözese Rom ist).
Die 'diagnostischen Kategorien', mit denen Exorzisten arbeiten, sind in seinem Buch "An Exorzist Tells His Story" beschrieben.
Soweit der Auszug...
Etwas weiter zurück liegt der Versuch, Hitler mit einer "Teufelsaustreibung auf Distanz" zu befreien. Papst Pius XII. scheint dabei nicht so recht erfolgreich gewesen zu sein...
Exorzismus - gibt es also noch. Im folgenden Video über Exorzismus in Bayern aus dem Jahr 2008 ist auch eine kurze Stellungnahme von Prof. Hans Förstl (Poliklinik für Psychiatrie, TU München) aufgenommen.
Insgesamt ist Exorzismus nach meiner Einschätzung nichts anderes als ein pseudotherapeutischer Versuch, der auf einer längst überholten Theorie psychischer Störungen beruht. In der Praxis läuft es immer wieder darauf hinaus, dass fachliche Hilfe verzögert oder verhindert wird. Das Problem dabei ist die zirkuläre Logik, die sich argumentativ schwer auflösen lässt - sie wird leicht zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeihung, die das aus dem Glauben heraus Beobachtete als Beleg für die eigene Überzeugung betrachtet - und dabei andere Erklärungen ausblendet.
Ich glaube, dass Krankheiten durch Viren verursacht werden können - also vereinfacht gesagt Ursachen haben können, die eben früher nicht bekannt waren. Und deshalb war es eben eine spekulative Notlösung, hier den Teufel oder irgendwelche Dämonen zu bemühen. Ich glaube, dass psychische Störungen mit irrationalen Gedanken zusammen hängen können. Aber auch dafür brauche ich keine Dämonen - und besser bestätigt als der Exorzismus sind moderne Formen der Psychotherapie, die in ihrer Wirksamkeit untersucht worden sind. Es wird Zeit, dass auch die katholische Kirche im 21.Jahrhundert ankommt - und endlich Abstand davon nimmt, aus einem falsch verstandenen Glauben heraus körperliche oder psychische Störungen behandeln zu wollen, damit aber letzten Endes Hilfeleistungen verzögert oder verhindert.
Manchmal mit tödlichen Folgen.
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Wie funktioniert der Exorzismus eigentlich?
Geundsätzlich geht die katholische Lehre davon aus, dass sich die bösen Geister durch Handlauflegen vertreiben lassen - die Seele soll also durch die Macht des Heiligen Geistes vor dem Teufel verschlossen werden.
Mittelalterlich? Längst überholt? Stimmt nicht...
September 2005: Papst Benedikt XVI. erklärt, dass nur "speziell vom Ortsbischof beauftragte Priester Exorzismus-Gebete über mutßmaßlich besessene Personen sprechen dürfen." Dabei kann auch ein Befehl an den Teufel ausgesprochen werden, den Betroffenen zu verlassen. Etwa: weiche von mir...
1993: Gabriele Amorth gründet die internationale Exorzistenvereinigung (es handelt sich nicht um eine Frau, sondern um einen in Modena geborenen katholischen Priester, der seit 1985 offiziell beauftrager Exorzist der Diözese Rom ist).
Die 'diagnostischen Kategorien', mit denen Exorzisten arbeiten, sind in seinem Buch "An Exorzist Tells His Story" beschrieben.
Die "normale Aktivität" des Satans ist die Versuchung: dazu gibt es nicht besonderes zu sagen, weil sie sich gegen alle Menschen richte... meint Amorth.
Die "außergewöhnliche Aktivität" des Satans ist nur möglich, wenn Gott es erlaubt (kurze Frage an dieser Stelle: warum soll ein Exorzist eigentlich aktiv werden, wenn es doch um einen Vorgang geht, den Gott erlaubt hat?):
1. Äußerer körperlicher Schmerz, der vom Satan verursacht ist - das ist ein Fall für das Gebet, nicht für einen Exorzisten. Wenn irgend jemand von bösen Geistern gefesselt oder geschlagen wird, betrifft das schließlich nicht die Seele, also muss man hier auch nicht eingreifen.
2. Dämonische Besessenheit. Hier ergreift der Satan Besitz vom Körper, spricht und handelt ohne das Wissen oder die Zustimmung des Opfers, das man deshalb auch nicht tadeln darf.
3. Teuflische Unterdrückung. DIe Symptome können hier von einer milden bis zu einer sehr ernsten Krankheit schwanken. Es gibt hier keine Bewusstlosigkeit, keine Besitzergreifung und keine unfreiwilligen Handlungen.
4. Teuflische Besessenheit. Die Symptome sind hier von plötzlichen Angriffen gekennzeichnet, manchmal irrational, aber so natürlich wirkend, dass das Opfer sich nicht von selbst befreien kann. Die besessen Personen leben in einem Zustand permanenter Verzweiflung und versuchen, Selbstmord zu begehen. Nun werden einige sagen, dass es hier doch um Symptome psychischer Störungen gehe, die einen Psychiater oder Psychologen erfordern würden. Es gibt aber (so Amorth) einige Symptome, die so sehr von den bekannten Krankheitsbildern abweichen, dass sie mit Sicherheit auf ihren bösen Ursprung verweisen. Nur ein Experte mit wohlgeübtem Auge kann diese kritischen Unterschiede erkennen.
5. Teuflische Heimsuchung. Häuser, Dinge oder Tier können ebenfalls vom Teufel heimgesucht werden. Dieser Punkt wird von Amorth nur erwähnt, aber nicht weiter behandelt...
6. Teuflische Unterwerfung oder Abhängigkeit. Hier handelt es sich um einen Zustand, in den Menschen geraten, die sich freiweillig dem Teufel unterwerfen. Die bekanntesten Formen sind das Blutbündnis und die Satansweihe.
Soweit der Auszug...
Etwas weiter zurück liegt der Versuch, Hitler mit einer "Teufelsaustreibung auf Distanz" zu befreien. Papst Pius XII. scheint dabei nicht so recht erfolgreich gewesen zu sein...
Exorzismus - gibt es also noch. Im folgenden Video über Exorzismus in Bayern aus dem Jahr 2008 ist auch eine kurze Stellungnahme von Prof. Hans Förstl (Poliklinik für Psychiatrie, TU München) aufgenommen.
Insgesamt ist Exorzismus nach meiner Einschätzung nichts anderes als ein pseudotherapeutischer Versuch, der auf einer längst überholten Theorie psychischer Störungen beruht. In der Praxis läuft es immer wieder darauf hinaus, dass fachliche Hilfe verzögert oder verhindert wird. Das Problem dabei ist die zirkuläre Logik, die sich argumentativ schwer auflösen lässt - sie wird leicht zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeihung, die das aus dem Glauben heraus Beobachtete als Beleg für die eigene Überzeugung betrachtet - und dabei andere Erklärungen ausblendet.
Ich glaube, dass Krankheiten durch Viren verursacht werden können - also vereinfacht gesagt Ursachen haben können, die eben früher nicht bekannt waren. Und deshalb war es eben eine spekulative Notlösung, hier den Teufel oder irgendwelche Dämonen zu bemühen. Ich glaube, dass psychische Störungen mit irrationalen Gedanken zusammen hängen können. Aber auch dafür brauche ich keine Dämonen - und besser bestätigt als der Exorzismus sind moderne Formen der Psychotherapie, die in ihrer Wirksamkeit untersucht worden sind. Es wird Zeit, dass auch die katholische Kirche im 21.Jahrhundert ankommt - und endlich Abstand davon nimmt, aus einem falsch verstandenen Glauben heraus körperliche oder psychische Störungen behandeln zu wollen, damit aber letzten Endes Hilfeleistungen verzögert oder verhindert.
Manchmal mit tödlichen Folgen.
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Macht Arbeit krank? Bericht der Bundespsychotherapeutenkammer
"Arbeit macht öfter seelisch krank - keine Arbeit auch" - berichtet die Tagesschau. Das stimmt aber (so) nicht - wenn man den Bericht der Bundespsychotherapeutenkammer für die Pressekonferenz am 23. März 2010 genauer liest...
Im dritten Abschnitt des Berichts wird die Frage der "wahren" Prävalenz aufgegriffen - und dabei ist das Kernproblem deutlich beschrieben. Kurz und knapp:
Sind psychische Störungen häufiger geworden oder werden sie häufiger diagnostiziert?
Bereits die Verwendung des Begriffes "seelisch" zeigt die allgemeine Unwissenheit sehr deutlich - denn das Diagnosesystem ICD-10 ist keine "Seelendiagnostik", bei der eine womöglich unsterblich gedachte Seele untersucht wird. Wenn darauf hingewiesen wird, dass die "Erkennensrate psychischer Störungen in der hausärztlichen Versorgung häufig unzureichend ist", könnte man den Hausärzten daraus einen Vorwurf ableiten. Zu Unrecht allerdings, denn Hausärzte, die wohl meist Fachärzte für Allgemeinmedizin sind, sind eben Mediziner - und damit auf körperliche Krankheiten spezialisiert. Hausärzte sind also bei psychischen Störungen einfach die falsche Adresse - und sollten an Psychologen delegieren, wenn die Vermutung naheliegt, dass eine psychische Störung vorliegen könnte. Denn die psychologische Diagnostik stellt genügend Instrumente zur Verfügung - und viele von ihnen sind recht einfach zu handhaben.
Das Argument geringerer Tabuisierung psychischer Störungen ist nicht durchgängig haltbar - auf die widersprüchlichen Ergebnisse weist der Bericht der Bundespsychotherapeutenkammer deutlich hin. Wünschenswert ist es durchaus - und wenn eine höhere Anzahl psychischer Störungen lediglich zeigen würde, dass es akzeptabler geworden ist, psychische Störungen beim Namen zu nennen, dann wäre das eher ein gutes Zeichen. Aus dem möglichen Vorwurf gegen die Ärzteschaft könnte auch ein positives Zeichen werden - denn die gestiegene Anzahl der Krankmeldungen aufgrund von psychischen Störungen kann auch bedeuten, dass die Hausärzte in den letzten Jahren mehr erkennen und angemessener reagieren.
Interessant ist der Abschnitt über den Einfluss der Arbeitsbedingungen auf die psychische Gesundheit - sie liefern Ansatzpunkte für die Gestaltung eines psychologisch gesunden Arbeitsplatzes.
Im dritten Abschnitt des Berichts wird die Frage der "wahren" Prävalenz aufgegriffen - und dabei ist das Kernproblem deutlich beschrieben. Kurz und knapp:
Sind psychische Störungen häufiger geworden oder werden sie häufiger diagnostiziert?
Bereits die Verwendung des Begriffes "seelisch" zeigt die allgemeine Unwissenheit sehr deutlich - denn das Diagnosesystem ICD-10 ist keine "Seelendiagnostik", bei der eine womöglich unsterblich gedachte Seele untersucht wird. Wenn darauf hingewiesen wird, dass die "Erkennensrate psychischer Störungen in der hausärztlichen Versorgung häufig unzureichend ist", könnte man den Hausärzten daraus einen Vorwurf ableiten. Zu Unrecht allerdings, denn Hausärzte, die wohl meist Fachärzte für Allgemeinmedizin sind, sind eben Mediziner - und damit auf körperliche Krankheiten spezialisiert. Hausärzte sind also bei psychischen Störungen einfach die falsche Adresse - und sollten an Psychologen delegieren, wenn die Vermutung naheliegt, dass eine psychische Störung vorliegen könnte. Denn die psychologische Diagnostik stellt genügend Instrumente zur Verfügung - und viele von ihnen sind recht einfach zu handhaben.
Das Argument geringerer Tabuisierung psychischer Störungen ist nicht durchgängig haltbar - auf die widersprüchlichen Ergebnisse weist der Bericht der Bundespsychotherapeutenkammer deutlich hin. Wünschenswert ist es durchaus - und wenn eine höhere Anzahl psychischer Störungen lediglich zeigen würde, dass es akzeptabler geworden ist, psychische Störungen beim Namen zu nennen, dann wäre das eher ein gutes Zeichen. Aus dem möglichen Vorwurf gegen die Ärzteschaft könnte auch ein positives Zeichen werden - denn die gestiegene Anzahl der Krankmeldungen aufgrund von psychischen Störungen kann auch bedeuten, dass die Hausärzte in den letzten Jahren mehr erkennen und angemessener reagieren.
Interessant ist der Abschnitt über den Einfluss der Arbeitsbedingungen auf die psychische Gesundheit - sie liefern Ansatzpunkte für die Gestaltung eines psychologisch gesunden Arbeitsplatzes.
Zunächst die Faktoren, die hier eine Rolle spielen:
- Anforderungen des Arbeitsplatzes
- Entscheidungsfreiräume
- Gehalt
- menschliche Wertschätzung
- beruflicher Status
- Aufstiegschancen
- Arbeitsplatzsicherheit
- ausbildungsadäquate Beschäftigung
Hohe Anforderungen müssen nicht zu psychischen Störungen führen - problematisch wird es vor allem dort, wo ein hohes Mass an Verantwortung mit geringen Entscheidungsmöglichkeiten verunden ist. Ein psychologisch gesundes Konzept verbindet ein hohes Mass an Verantwortung mit entsprechenden Entscheidungsbefugnissen. Noch einfacher formuliert: wer Verantwortung tragen soll, muss auch entscheiden können und entscheiden dürfen.
Das Modell der "Verausgabung" zielt auf ein Ungleichgewicht ab, das im Kern darin besteht, viel zu geben (oder geben zu sollen), aber wenig dafür zu bekommen. Wer hier weiter denkt, stößt auf Bedingungen des Arbeitsvertrages, aber auch auf die Frage nach Umgangsformen und Führungsstilen.
Eine hohe Gefährdung der psychischen Gesundheit ist vor allem dort zu erwarten, wo
- das Gehalt zu gering ist bzw. der Qualifikation nicht entspricht
- der Arbeitsplatz unsicher ist und damit beständig Arbeitsplatzverlust droht
- den Mitarbeitern wenig Wertschätzung entgegen gebracht wird
- berufliche Tätigkeiten nicht angemessen sind, d.h. der Ausbildung nicht entsprechen
- organisatorische Ungerechtigkeiten vorliegen
- soziale Unterstützung von Kollegen und Vorgesetzten fehlt.
Welche Faktoren in welchem Ausmass wirksam sind, läßt sich schwer eindeutig sagen. Klar ist: es gibt Ansatzpunkte genug, Arbeitsplätze unter die Lupe zu nehmen und der Frage nachzugehen, wo sich etwas verändern lässt. Vorausgesetzt, Arbeitnehmer werden als Menschen wahrgenommen, die nicht nur ein Recht auf körperliche Unversehrtheit, sondern auch einen Anspruch auf psychische Gesundheit haben.
Aus dem Bericht geht deutlich hervor, dass Arbeitslosigkeit die psychische Gesundheit belastet. Außerdem widersprechen die Ergebnisse der Metaanalyse von Paul & Moser (2006) dem Vorurteil, Arbeitslose wären einfach 'zu faul zum Arbeiten'.
Arbeit kann krank machen, Arbeitslosigkeit erst recht. Ob es 'schlimmer geworden' ist, läßt sich nicht so ohne weiteres sagen. Psychische Gesundheit ist auf jeden Fall eine Frage der Arbeitsbedingungen bzw. der Erwerbssituation. Die Schlußfolgerung, dass es vor allem darum gehen muss, Arbeitsbedingungen zu verbessern, ist trotzdem fragwürdig, denn es spielen eben auch persönliche und private Einflussfaktoren eine Rolle.
Fest steht: die Anzahl der Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund psychischer Störungen ist in den Jahren 2000 bis 2008 gestiegen - und das kann und sollte Anlass sein, etwas mehr über reale Arbeitsbedingungen nachzudenken.
Quelle:
Bericht der Psychotherapeutenkammer, 23.März 2010, PDF-Datei mit 24 Seiten
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Das Unlösbare
(aus der Reihe "therapoesie")
ich sehe was, so wie es ist
und sage mir, das ist doch mist!
recht angenehm ist es sodann
wenn ich da was machen kann!
doch wird das ganze wirklich trist
wenn daran nichts zu ändern ist...
dann kann ich denken, grübeln, dösen,
und versuchen, das zu lösen,
was mir da nicht machbar scheint
doch: sind die kräfte nicht vereint,
dann bleibt es eben so wie's war
und - nochmal trübe - mir wird klar:
da ist etwas wohl unlösbar
mal stampf ich wütend mit den füssen,
mal spür ich meine tränendrüsen
es reibt mich auf, es macht mich müde
schließlich denk ich: meine güte!
hört denn das wohl niemals auf?
was mach ich jetzt? ich komm nicht drauf!
ich will, ich muss, und kann doch nicht
so dreht im kreis sich die geschicht'
und findet keinen weg zum handeln
verändern, besser machen, wandeln
das unlösbare hält mich fest
gibt mir nun absolut den rest
rotierend sich im kreise drehn
nirgendwo den ausweg sehn
rauf und runter, achterbahn
tausendmal durchdachter wahn
das kann ja wohl nicht wirklich sein
da fällt mir nichts mehr dazu ein...
schwer ist es, sich dann zu lösen
das unlösbare aufzulösen
sich lösen, und es lösbar machen
oder einfach drüber lachen
noch schwerer ist, es nur zu fassen
in seiner unlösbarkeit belassen
zu tragen, was man schicksal nennt
auch wenn man seinen sinn nicht kennt
am ende bleibt nicht die magie
denn zaubern - das gelingt mir nie
also seh ich lieber zu
dass ich dort, wo ich etwas tun
kann,
auch etwas tu
mehr Poesie?
Denke ich oder denkt mein Selbst?
ich sehe was, so wie es ist
und sage mir, das ist doch mist!
recht angenehm ist es sodann
wenn ich da was machen kann!
doch wird das ganze wirklich trist
wenn daran nichts zu ändern ist...
dann kann ich denken, grübeln, dösen,
und versuchen, das zu lösen,
was mir da nicht machbar scheint
doch: sind die kräfte nicht vereint,
dann bleibt es eben so wie's war
und - nochmal trübe - mir wird klar:
da ist etwas wohl unlösbar
mal stampf ich wütend mit den füssen,
mal spür ich meine tränendrüsen
es reibt mich auf, es macht mich müde
schließlich denk ich: meine güte!
hört denn das wohl niemals auf?
was mach ich jetzt? ich komm nicht drauf!
ich will, ich muss, und kann doch nicht
so dreht im kreis sich die geschicht'
und findet keinen weg zum handeln
verändern, besser machen, wandeln
das unlösbare hält mich fest
gibt mir nun absolut den rest
rotierend sich im kreise drehn
nirgendwo den ausweg sehn
rauf und runter, achterbahn
tausendmal durchdachter wahn
das kann ja wohl nicht wirklich sein
da fällt mir nichts mehr dazu ein...
schwer ist es, sich dann zu lösen
das unlösbare aufzulösen
sich lösen, und es lösbar machen
oder einfach drüber lachen
noch schwerer ist, es nur zu fassen
in seiner unlösbarkeit belassen
zu tragen, was man schicksal nennt
auch wenn man seinen sinn nicht kennt
am ende bleibt nicht die magie
denn zaubern - das gelingt mir nie
also seh ich lieber zu
dass ich dort, wo ich etwas tun
kann,
auch etwas tu
mehr Poesie?
Denke ich oder denkt mein Selbst?
Verhaltensanalyse: Einführung für Laien
Verhaltensanalyse: was ist das eigentlich, wie geht das und wofür ist das gut? Abseits von fachlich komplizierten Darstellungen soll die folgende Präsentation zum Durchklicken eine Einführung für Laien sein. Für Leute also, die damit im Rahmen der Verhaltenstherapie konfrontiert werden oder einfach neugierig sind, was es damit eigentlich auf sich hat.
s. auch: SORKC-Modell (Wikipedia)
eins, zwei, alle...
(aus der reihe "therapoesie", frei nach A.T.Beck's Denkfallen)
wenn ich denke
eins, zwei, alle...
sitze ich schon
in der falle
was ein-, zweimal
so und so war
ist es nicht ewig
immerdar
noch weiter
kann ich mich einzwängen
bleibt stets und nur
das schlechte hängen
zum durchdreh'n schließlich
sag ich mir:
was auch schief geht -
es liegt an mir!
denn wenn ich viel
für möglich halte
mit dem verstand
vielseitig walte
womöglich die vernunft
einschalte
denk' ich nicht mehr
nur das dümmste
erwarte ich nicht nur
das schlimmste
es gibt nicht nur schwarz-weiß
weiß ich genau
der alltag - der ist meistens grau
das ist gedanklich
weiter geh'n:
was ist
kann man auch anders seh'n
wenn ich denke
eins, zwei, alle...
sitze ich schon
in der falle
was ein-, zweimal
so und so war
ist es nicht ewig
immerdar
noch weiter
kann ich mich einzwängen
bleibt stets und nur
das schlechte hängen
zum durchdreh'n schließlich
sag ich mir:
was auch schief geht -
es liegt an mir!
denn wenn ich viel
für möglich halte
mit dem verstand
vielseitig walte
womöglich die vernunft
einschalte
denk' ich nicht mehr
nur das dümmste
erwarte ich nicht nur
das schlimmste
es gibt nicht nur schwarz-weiß
weiß ich genau
der alltag - der ist meistens grau
das ist gedanklich
weiter geh'n:
was ist
kann man auch anders seh'n
Smith D. Feat: Nein bitte nein
s. auch:
Missbrauch tut weh - auch im Kopf
Kindheitstraumata verkürzen das Leben
Literatur (als PDF, 13 Seiten)
Zur Frage der Prävention und Tätertherapie: ist denen überhaupt zu helfen? Ein Therapiekonzept nach Ruud Bullens (Niederlande), bearbeitet von Hans Joergen Wevers.
Mister No
Mister No ist ein ganz übler Geselle. Im Grund existiert er nicht, aber das wissen die meisten Menschen nicht, in denen er lebt. Er hat keine Stimme, aber er leiht sich gerne eine. Mit Vorliebe sind es die Stimmen der Eltern. Manchmal benutzt er aber auch andere, die im Kindergarten, in der Schule, am Arbeitsplatz oder sonstwo mit Menschen zu tun haben. Seinen Namen hat er von seinem Lieblingswort: NEIN. Mister No ist Ankläger und Richter, weiss alles besser und legt stets den Finger auf die Wunde. Aufmerksam verfolgt er jede Schwäche, die er irgendwo finden kann. Und dann kommen die Sprüche: siehst du, das klappt nicht. Das kannst du nicht. Das ist nichts für dich. Du bist einfach zu doof. Du bist nichts wert. Du machst stets alles falsch. Aus dir wird nie etwas. Und alles, was du beginnst, wird dir misslingen. Sollte doch einmal etwas gelingen - purer Zufall. Wird nicht wieder vorkommen. Wenn etwas schief geht - es liegt immer an dir...
Früher nannte man ihn auch den Teufel und es gab eine schlimme Zeit, in der man versuchte, mit Hammer und Meißel ein Loch in den Kopf zu bohren, damit der böse Geist entschwinden möge...
Dabei entschwand aber auch das Leben, irgendwie funktionierte die Methode nicht. Und so blieb er eben am Leben, treibt sein Unwesen auch weiterhin in vielen Köpfen. Löst Ängste aus und Depressionen, stürzt Menschen in Verzweiflung und manchmal von der Klippe. Manchmal bringt er die Menschen dazu, sich vor den Zug zu werfen oder aus dem Fenster zu springen. Meistens aber hält er die Menschen einfach klein.
Die Begriffe 'böser Geist' oder 'Dämon' sind für aufgeklärte Zeitgenossen nicht mehr angemessen - das Phänomen selbst aber existiert. Heute beschreiben Begriffe wie 'depressiver Attributionsstil' oder 'Script', 'frühes maladaptives Schema' oder 'dysfunktionale Kognition' jene Prozesse, die mit der Figur des Mister No personifizierend beschrieben sind. Eine gewisse Verwandtschaft zu einer anderen berühmten Persönlichkeit, die unter dem Pseudonym 'innerer Schweinehund' bekannt wurde, lässt sich nicht leugnen. Eugene Gendlin nannte ihn 'den inneren Kritiker'.
Im Film 'Die Bruce Lee Story' wird eine Szene dargestellt, in der Bruce Lee gegen seine Ängste kämpft. Zurück versetzt in seine Kindheit flüchtet er zunächst vor dem symbolischen schwarzen Mann, der seine Angst repräsentiert.
Nun lässt sich der Kampf gegen 'Mr No', Ängste und Denkmuster, die das Leben einschränken, im Film sehr schwer darstellen. Wie kämpft man gegen solche Gedankengänge, was kann man Mister No entgegen setzen? Was in der Kognitiven Verhaltenstherapie als Disput irrationaler Gedanken bezeichnet ist, wird leicht zu einer fragwürdigen Diskussion zwischen Therapeut und Patient - im Grunde aber geht es um einen Kampf, den ein Mensch gewissermassen gegen sich selbst führen muss. Genauer gesagt: gegen einen Teil des Selbst. Und dort - hilft kein Kung Fu, kein Judo, kein Aikido, keine brutale Gewalt. Mister No ist nicht mit Muskeln zu besiegen. Bilder wie 'der Teufel', ein 'Dämon' oder 'böser Geist' machen Mister No groß. Im Grunde aber besteht er - nur aus Gedanken.
Lernen kann man hier sehr viel von Kindern, die einfach nachfragen, in Frage stellen oder ablehnen, was ihnen nicht passt. Stimmt doch gar nicht! Woher willst du das denn wissen? Mein Papa sagt da was ganz anderes! Der Kampf gegen Mister No braucht die Waffen des Geistes, die Macht der Frage und des Zweifelns. Beweise mir das!
So mancher selbstverständlich gewordene, tief verankerte Spruch ist nicht mehr als eine leere Behauptung. Eine Behauptung, die einfach nur urteilt und abwertet, ohne begründet, ohne fundiert zu sein. Und das Gefährliche an Mister No ist nicht die Macht seiner Worte - das Problem beginnt erst da, wo man ihm glaubt, ihm folgt, weil es früher irgendwie nicht anders zu gehen schien.
Der Kampf gegen Mister No also ist innere Emanzipation - die kritische Analyse der Denkmuster, die vermittelt, aufgedrückt, verinnnerlicht wurden. Es ist die Entmachtung eines inneren Potentials, das die Lebensfreude beschränkt und nüchtern betrachtet völlig irrational ist. Die Mythen über böse Geister haben eine sehr lange Tradition. Heute kann man sie ganz nüchtern als Konstrukt bezeichnen. Die Erfindung von Mister No dient also einem einfachen Zweck - ihn als Fantasieprodukt zu entlarven und deutlich zu machen, dass er im Grunde nicht existiert. Dann aber hat er auch nicht das Recht, irgend jemandem etwas einzuflüstern, das nicht stimmt. Wieviel Macht bleibt noch übrig, wenn niemand mehr zuhört?
Früher nannte man ihn auch den Teufel und es gab eine schlimme Zeit, in der man versuchte, mit Hammer und Meißel ein Loch in den Kopf zu bohren, damit der böse Geist entschwinden möge...
Dabei entschwand aber auch das Leben, irgendwie funktionierte die Methode nicht. Und so blieb er eben am Leben, treibt sein Unwesen auch weiterhin in vielen Köpfen. Löst Ängste aus und Depressionen, stürzt Menschen in Verzweiflung und manchmal von der Klippe. Manchmal bringt er die Menschen dazu, sich vor den Zug zu werfen oder aus dem Fenster zu springen. Meistens aber hält er die Menschen einfach klein.
Die Begriffe 'böser Geist' oder 'Dämon' sind für aufgeklärte Zeitgenossen nicht mehr angemessen - das Phänomen selbst aber existiert. Heute beschreiben Begriffe wie 'depressiver Attributionsstil' oder 'Script', 'frühes maladaptives Schema' oder 'dysfunktionale Kognition' jene Prozesse, die mit der Figur des Mister No personifizierend beschrieben sind. Eine gewisse Verwandtschaft zu einer anderen berühmten Persönlichkeit, die unter dem Pseudonym 'innerer Schweinehund' bekannt wurde, lässt sich nicht leugnen. Eugene Gendlin nannte ihn 'den inneren Kritiker'.
Im Film 'Die Bruce Lee Story' wird eine Szene dargestellt, in der Bruce Lee gegen seine Ängste kämpft. Zurück versetzt in seine Kindheit flüchtet er zunächst vor dem symbolischen schwarzen Mann, der seine Angst repräsentiert.
Nun lässt sich der Kampf gegen 'Mr No', Ängste und Denkmuster, die das Leben einschränken, im Film sehr schwer darstellen. Wie kämpft man gegen solche Gedankengänge, was kann man Mister No entgegen setzen? Was in der Kognitiven Verhaltenstherapie als Disput irrationaler Gedanken bezeichnet ist, wird leicht zu einer fragwürdigen Diskussion zwischen Therapeut und Patient - im Grunde aber geht es um einen Kampf, den ein Mensch gewissermassen gegen sich selbst führen muss. Genauer gesagt: gegen einen Teil des Selbst. Und dort - hilft kein Kung Fu, kein Judo, kein Aikido, keine brutale Gewalt. Mister No ist nicht mit Muskeln zu besiegen. Bilder wie 'der Teufel', ein 'Dämon' oder 'böser Geist' machen Mister No groß. Im Grunde aber besteht er - nur aus Gedanken.
Lernen kann man hier sehr viel von Kindern, die einfach nachfragen, in Frage stellen oder ablehnen, was ihnen nicht passt. Stimmt doch gar nicht! Woher willst du das denn wissen? Mein Papa sagt da was ganz anderes! Der Kampf gegen Mister No braucht die Waffen des Geistes, die Macht der Frage und des Zweifelns. Beweise mir das!
So mancher selbstverständlich gewordene, tief verankerte Spruch ist nicht mehr als eine leere Behauptung. Eine Behauptung, die einfach nur urteilt und abwertet, ohne begründet, ohne fundiert zu sein. Und das Gefährliche an Mister No ist nicht die Macht seiner Worte - das Problem beginnt erst da, wo man ihm glaubt, ihm folgt, weil es früher irgendwie nicht anders zu gehen schien.
Der Kampf gegen Mister No also ist innere Emanzipation - die kritische Analyse der Denkmuster, die vermittelt, aufgedrückt, verinnnerlicht wurden. Es ist die Entmachtung eines inneren Potentials, das die Lebensfreude beschränkt und nüchtern betrachtet völlig irrational ist. Die Mythen über böse Geister haben eine sehr lange Tradition. Heute kann man sie ganz nüchtern als Konstrukt bezeichnen. Die Erfindung von Mister No dient also einem einfachen Zweck - ihn als Fantasieprodukt zu entlarven und deutlich zu machen, dass er im Grunde nicht existiert. Dann aber hat er auch nicht das Recht, irgend jemandem etwas einzuflüstern, das nicht stimmt. Wieviel Macht bleibt noch übrig, wenn niemand mehr zuhört?
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