Posts mit dem Label Bundestagswahl werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Bundestagswahl werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 27. September 2009

Die Tigerente kommt: erste Hochrechnungen

21.00 Uhr: Erste Hochrechnungen liegen vor. Mal sehen... die ARD schreibt zur Bundestagswahl folgendes vorläufiges Ergebnis fest:

Union 33,9 %

SPD 23,1 %

FDP 14,5%

Linke 12,1%

Grüne 10,5%

Piraten 1,9%


Das ZDF:


Union 33,8%

SPD 23,1%

FDP 14,6%

Linke 12,4%

Grüne 10,1%


News.de kommt auf die Werte...

Union 33,7%

SPD 23,1%

FDP 14,6%

Linke 12%

Grüne 10,6%

Piraten 2%

Geringfügige Abweichungen sind also noch da... aber TV total war ziemlich daneben...!

Warum ich nicht wählen durfte


Wo ist die Grundschule Bad Fredeburg? Das glaubt mir wieder kein Mensch...
Sonntag nachmittag. Zur Sicherheit sehe ich nochmal nach, wo das genau ist.
Also... www.meinestadt.de und dann Grundschule eingeben. Dann kommt die Adresse "Schulstrasse 3", das stimmt schließlich mit dem Wahlschein überein. Allerdings steht da jetzt Schmallenberg und der Stadtplan zeigt eine Adresse in Felbecke an - etwa 8 km von Bad Fredeburg entfernt. Ich dachte, mich trifft der Schlag. Das kann ja wohl nicht sein, mein Wahllokal ist 8 km weit weg? Vergrössert... da steht wirklich "Katholische Grundschuld Bad Fredeburg". In Felbecke, das gehört eben auch zu Schmallenberg.
Zeit war noch genug... Na dann mache ich eben einen Sonntagsspaziergang, dachte ich mir.
Es dauert dann doch etwas länger als vermutet, und die Hausnummer war erstmal ein Privathaus, die Schule wäre etwas weiter oben. Völlig irrwitzig, dachte ich mir, wieso steht die Grundschule Bad Fredeburg in Felbecke? Die Internetseite der Katholischen Grundschule Schmallenberg (Felbecke gehört wie Bad Fredeburg auch zu Schmallenberg) gibt hier keine Auskunft - da steht nur die Adresse der Schulleitung, aber nicht die der Schule.
Wie auch immer, schließlich hatte ich den Wahlraum gefunden, um dort zu erfahren, dass ich nicht wählen durfte. Weil das hier schließlich ein anderer Wahlbezirk wäre, Wahlschein und Ausweis hatte ich zwar dabei, aber nein, das geht so natürlich nicht. Nun war es aber schon nach fünf - dass ich es in einer Stunde nicht zurück schaffen würde, interessierte nicht. Das ist Deutschland: Regeln, Regeln über alles! Flexibilität ist ein Fremdwort.
Wahlleiter anrufen? Bringt nichts, man darf nur im eigenen Wahlbezirk wählen.
Das ist mal wieder typisch, so ähnlich wie die Geschichte mit Lennestadt - einer Stadt, die es eigentlich nicht gibt, aus verschiedenen Ortsteilen besteht. Ja klar, wenn man aus der Gegend ist, weiss man das, wer es aber nicht weiss, kann stundenlang durch die Welt fahren und findet nie Lennestadt selbst...
Fest steht: der Eintrag der Grundschule bei www.meinestadt.de ist falsch und irreführend.
Und - wie so oft - die Einheimischen wissen es und wenn einer dumm genug ist, mangels Ortskenntnis gewaltig in die Irre zu gehen, verliert man eben auch mal sein Wahlrecht. Verdammt ärgerlich, denn diesmal wäre es mir wirklich wichtig gewesen.
Ärgerlich ist auch die Engstirnigkeit - die Regeln sind absolut vorrangig, ob jemand daran gehindert wird, sein Wahlrecht auszuüben, das interessiert nicht. Klar, mit dem Auto wäre das kein Problem gewesen, aber nun war ich eben zu Fuss unterwegs... Zwei Wahllokale mit derselben Adresse. Das hätte einem Wahlleiter eigentlich auffallen müssen. Verwirrungen, die entstehen, weil innerhalb derselben Postleitzahl mehrere gleiche Adressen auftauchen. Falsche Informationen im Internet. Die Einheimischen können über sowas natürlich lachen. Für mich ist es desinformierend, verwirrend und fremdenfeindlich.
Also beschwert Euch nicht bei mir über das Wahlergebnis - ich war nicht dabei.

Vox und votum

VOX - das ist für die meisten einfach ein Fernsehsender. Aber was bedeutet VOX eigentlich?  Vox kommt aus dem Lateinischen und bedeutet "Stimme". Und hier ist die Brücke zum votum, das eben auch "Stimme" bedeutet, aber im Sinne von "für etwas stimmen". Votum steht für eine Abstimmung, eine Meinungsäußerung - und der Plural, mehrere Stimmen also, sind Vota oder Voten, nicht etwa "Votums". Votum bedeutet auch Gelübde oder Urteil - und der Bedeutungszusammenhang zum "Abgeben seiner Stimme" lässt sich erschliessen. Für etwas stimmen heisst: ein Urteil abgeben, sich für etwas aussprechen.
Wenn die Stimmung in der Stimme zum Ausdruck kommt, ist es bestimmt das votum, das die Gestimmtheit der Stimme in eine bestimmte Richtung lenkt. Das Stimmige in der Stimme könnte deutlich machen, dass auch das Denken in sich stimmig ist, und wer damit überzeugen kann, löst den Eindruck aus, dass das Gesagte wohl stimmt. Den Unstimmigkeiten in Äußerungen auch in Unstimmigkeiten der Stimme nachzuspüren, das ist bestimmt interessant.

Aber das tollste an Wahlen ist: man kann seine Stimme (das votum) abgeben, ohne seine Stimme (vox) dabei zu verlieren. Wäre es anders, wären alle nach der Wahl verstummt.
Oder mindestens verstimmt. Vox und votum - beide sind Stimme unter vielen Stimmen. Bei der Bundestagswahl sind es zwei vota pro vox - und dazu muss niemand wirklich singen können, auch nicht sprechen. Nur - Kreuzchen machen.
Wenn das Wahlergebnis repräsentativ, also für die Bevölkerung als Ganzes "stimmig" ist, dann sind aus vielen Stimmen (vox) viele Stimmabgaben (vota) geworden. Insgesamt ergibt das auch ein Stimmungsbild - das auch über die Verstimmten oder Verstummten Auskunft gibt, die nicht votieren.

Nils und der Internationale Tag der Gehörlosen

Der 27. September ist Internationaler Tag der Gehörlosen...
und
er soll nicht untergehen. Deshalb also: Nils für Gehörlose. Erstmal verstehen die Hörenden GAR NICHTS. Denn Untertitel gibt es nicht. Aber keine Sorge... das Video hat Ton.



Übrigens: auf der Seite des Deutschen Gehörlosen Bunds e.V. gibt es auch Wahlspots in Gebärdensprache. Ohne Untertitel.

Wie geht die Wahl aus? Nils fragt einen Hellseher

Wie geht die Wahl aus? Eine Idee wäre das schon, einen Hellseher zu fragen. Aber der Nils, der fragt zuerst etwas ganz anderes. Und die Sache mit der Bonbonkarte, die ist echt ein Problem.



Irgendwie hat er dann doch eine Frage vergessen. Also - die genauen Ergebnisse gibt es noch nicht!

Samstag, 26. September 2009

Erstwählercheck: letzte Infos

Okay, Amsterdam liegt natürlich noch nicht so lang in Deutschland, Obama ist Bundeskanzler und - ja, wer war nochmal Piependorf? Man kann es zum Brüllen finden oder zum Heulen. Oder sich damit trösten, dass das alles natürlich nicht repräsentativ ist für die Jungwähler.


Nur so als Tipp... Ein paar Infos sind schon nützlich. Damit nicht der Falsche Downloadminister wird!

Freitag, 25. September 2009

Fit für die Wahl? Ein Quiz bei Spiegel Online

Interessant für Leute, die einmal überprüfen wollen, wie es um ihre Kenntnisse rund um die Wahl steht: der Basiswissenstest im Unispiegel. 21 Fragen mit mehreren Antwortmöglichkeiten, rund um das Wahlrecht, aber auch zur deutschen Geschichte.

Was bei mir herauskam:

Sie haben 21 von 21 Punkten.
Potzblitz & Sapperlot...


Aber ganz ehrlich... ab und zu habe ich dann doch daneben getippt. Es sind schon ein paar knifflige Fragen dabei, in Böseckendorf war ich nun wirklich noch nicht... Nur soviel sei gesagt: zurückblättern ist erlaubt und wer den Test nicht besteht, darf trotzdem wählen gehen.

Anschlag auf Angela Merkel

Im Internet hatten sie sich verabredet - und den Anschlag geplant. Bei einem inoffiziellen Besuch in der Schweiz war es dann soweit. Die deutsche Regierung musste in der Säntis-Schwebebahn ihr Leben lassen. Dem Berlin-Korrespondenten Fritz Dinkelmann wurde dabei schwarz vor Augen. (Quelle: Blick)

Donnerstag, 24. September 2009

Mindestlöhne in Deutschland? Standpunkte und eine neue Statistik

Deutschland fällt in Europa aus dem Rahmen - Mindestlöhne existieren in fast allen europäischen Ländern, nur in Zypern und in Deutschland gibt es sie nicht. Es ist ein Wahlkampfthema, aber es geht um mehr - um einen Zustand, der im Grunde nicht haltbar ist.
Es gibt unterschiedliche Standpunkte zu diesem Thema und das Video, das ich hier ausgesucht habe, folgt dem Prinzip parteiübergreifender Information. PHOENIX fragte die Generalsekretäre der 6 im Bundestag vertretenen Parteien.




Wie sehen das die Wähler? Die Umfrage von Emnid wurde im August 2007 durchgeführt.



Kurz vor der Wahl ist der Wunsch nach einer Mindestlohnregelung deutlich gestiegen. Gestern vormittag (23. September 2009, 10 Uhr) wurden die neuesten Zahlen von Infratest Dimap veröffentlicht. Es sind insgesamt 85 Prozent der Wähler, die einen Mindestlohn befürworten.
(Quelle: DGB)

Mindestlohn vernichtet Arbeitsplätze? Eine seltsame These...

Mehr Wahlfragen auf Phoenix:

Armut
Atomkraft
Afghanistan
Arbeitslosigkeit
Bürgerrechte
Datenschutz
Familienpolitik
Gesundheit
Managergehälter
Politikverdrossenheit
Steuern
Umweltpolitik
Wirtschaft

Mehr zur Bundestagswahl:

Parteien zur Bundestagswahl

Infos zur politischen Bildung
Wahlverdrossenheit und ihre Ursachen
Koalitionsgerangel: Sammlung von Stellungnahmen

Mittwoch, 23. September 2009

Koalitionsgerangel: Sammlung von Stellungnahmen

Nur noch wenige Tage bis zur Bundestagswahl in Deutschland. Dass irgendeine Partei mehr als 50 Prozent der Stimmen bekommt, ist sehr unwahrscheinlich. Eine Koalition in irgendeiner Form ist also sehr wahrscheinlich. Nur welche?

8. November 2008
Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) hält eine Fortsetzung der Großen Koalition 2009 für möglich. (Quelle: Adhocnews)

2. Dezember 2008
Auf dem CDU-Parteitag: CSU-Landesgruppenchef Ramsauer fordert "Raus aus der großen Koalition 2009" (Quelle: FAZ)

24. April 2009
Angela Merkel lobt den Zusammenhalt in Wirtschaftskrise - interpretiert wird diese Aussage als Plädoyer für eine Fortsetzung der Großen Koalition. (Quelle: Süddeutsche)

1. September 2009
Angela Merkel bekennt sich zum Bündnis mit der FDP. (Quelle: ZEIT)

4. September 2009
Angela Merkel will nach der Wahl keine Große Koalition mehr. (Quelle: T-Online)

15. September 2009
SPD-Vize und Finanzminister Peer Steinbrück spricht sich nach dem TV-Duell um die Kanzlerschaft für eine Fortsetzung der Großen Koalition aus. (Quelle: Stern)

15. September 2009
Für Jutta Dithfurt ist klar, dass die Große Koalition nach der Wahl fortgesetzt wird.
(Quelle: Prinz)

17. September 2009
Guido Westerwelle interpretiert die Weigerung von Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier, an TV-Debatten teilzunehmen, als Zeichen für ihren Wunsch, die Große Koalition fortzusetzen. (Quelle: Topnews)

17. September 2009
Die FDP lehnt eine Ampelkoalition mit der SPD und den Grünen ab. Wunschpartner für die Koalition ist die CDU. (Quelle: Süddeutsche)

19. September 2009
FDP: Ampelkoalition wird es nicht geben. (Quelle: ZDF)

20. September 2009
Die Grünen wollen "Jamaika in der Karibik lassen". Eine Absage an ein Bündnis mit CDU und FDP also. (Quelle: ellre)

21. September 2009
Auf dem Wahlparteitag der Grünen wird eine Warnung ausgesprochen, die SPD zu wählen. Das würde die Große Koalition verlängern. (Quelle: ellre)

21. September 2009
Union und FDP schließen jeweils ein Bündnis mit der SPD aus und wollen eine schwarz-grüne Koalition. (Quelle: Deutsche Welle)

22. September 2009
CDU-Politiker plädieren dafür, auf scharfe Attacken gegen die SPD zu verzichten und eine Große Koalition nicht auszuschließen. (Quelle: topnews)

23. September 2009
SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier schließt die Zusammenarbeit mir der Linkspartei aus und scheint eine Fortsetzung der Großen Koalition für möglich zu halten, auch wenn die Bereitschaft dafür "gering" sei. (Quelle: Merkur Online)

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Gegenüberstellung parteipolitischer Positionen zum Thema "Koalition".

Ohne den Anspruch auf Vollständigkeit hoffe ich, dass ein Überblick über die Koalitionsaussagen gelungen ist. Deutlich ist auch, dass sich solche Aussagen bisweilen verändern und verschieben. Wäre es da nicht besser, wenn die Parteien erst einmal abwarten, wie die Wahl ausgegangen ist, bevor sie eine klare Koalitionsaussage machen?



1000 Befragte... ob die Umfrage wirklich repräsentativ ist, lässt sich mit einem Fragezeichen versehen. Verbindliche Aussagen vor der Wahl? Noch ein dickes Fragezeichen.
Die schwarz-gelbe Koalition jedenfalls scheint zu bröckeln, schreibt das Handelsblatt.
Die Tagesschau dagegen geht in ihrer Farbenlehre noch von Schwarz-Gelb als wahrscheinlichster Koalition aus.

Wie es ausgehen wird... ist offen.

Dienstag, 22. September 2009

Blumentopf wählen!

Schändlich... ohne die Blumentopfpartei ist die Sammlung von Wahlspots ja nun wirklich nicht vollständig. Das muss schleunigst nachgeholt werden. Hier also der Spot der Blumentopfpartei.
Über potentielle Koalitionspartner liegen noch keine ganz genauen Aussagen vor... die Parteiführung scheint noch zwischen "Kaktus" und "Orchidee" zu schwanken. Naja, blumig-bunt wird es schon irgendwie.


Montag, 21. September 2009

Wahlverdrossenheit und ihre Ursachen

Wahlverdrossenheit... den Politikern kann man ja nicht über den Weg trauen...

Die Stiftung für Zukunftsfragen ist dieser Frage nachgegangen und hat Anfang September die Ergebnisse veröffentlicht. 2000 Personen wurden befragt - im Vergleich zu letzten Wahl sind dabei die Werte deutlich negativ verschoben.



War da nicht mal einer, der sagte: "das Schwerste ist Glaubwürdigkeit"? 30 Jahre ist das her - aber Erhard Eppler ist dem Thema treu geblieben.

Infos zur politischen Bildung

Rund eine Woche vor der Wahl sind ungefähr 30 Prozent der Wähler noch unentschlossen, welche Partei sie wählen sollen. Die Frage der Koalitionsbildung ist noch offen und es ist nicht unwahrscheinlich, dass es hinterher dann doch irgendwie anders kommt. Das alles könnte ein Anlass sein, sich einmal genauer zu informieren. Aus dem Wahlomat lassen sich zu verschiedenen Themen, bei denen die Parteien unterschiedliche Standpunkte vertreten, Hintergrundinformationen abrufen.
Die Zusammenstellung von Seiten der Bundeszentrale für politische Bildung erlaubt ein recht umfassendes Bild über die aktuellen Konfliktfelder in der Politik. Logischerweise sind nicht alle Themen für alle in gleicher Weise relevant - genauso logisch ist es aber auch, dass Meinungsbildung Information voraussetzt. Um die Übersicht zu erleichtern, sind die Themen nach Feldern geordnet.

Arbeit und Wirtschaft 

D-Mark wieder einführen?
Gesetzlicher Mindestlohn
Managergehälter
Staat und Wirtschaft
Staatliche Beteiligung an privaten Banken
Privatisierung der Bahn
Kündigungsschutz
Arbeitslosengeld und Hartz IV

Innenpolitik

Frauen in der Gesellschaft
Gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften
Volksabstimmungen
Asylverfahren
Zuwanderung und Integration
Migration und kommunales Wahlrecht
Demokratie
Wehrpflicht
Innere Sicherheit
Onlineuntersuchungen

Aussenpolitik

Bundeswehr und Afghanistan
Deutschland und die EU
Handelsbeziehungen und Menschenrechte
Türkei in die EU?
Tierversuche
Rüstungskontrolle und Rüstungsexporte

Umweltpolitik und Bioethik

Verkehr und Klimaschutz
Ökologische Landwirtschaft
Gentechnisch veränderte Lebensmittel?

Sonstiges: Vermögen, Steuern, Renten, Werte

Vermögenssteuer
Gesundheitspolitik
Renten
Christliche Werte

Schlussbemerkung: die Anordnung ist in gewisser Weise willkürlich und keinesfalls zwingend.

Mittwoch, 16. September 2009

Ist politische Kampfrhetorik noch zeitgemäss?

Der Anstoss zu diesem Thema ist leicht zu erkennen - das Kanzlerduell, das irgendwie keines war, mit Bemerkungen wie "yes we gähn" und "Geschmuse" eines "älteren harmonischen Ehepaars" vom Ablauf her als irgendwie unpassend beurteilt, verurteilt wurde.
Früher war das alles anders, als Helmut Schmidt und Franz-Josef Strauss aufeinander losgingen. Die Frage ist, ob es wünschenswert wäre, zu diesen Formen aggressiver Kampfrhetorik zurückzukehren, die im übrigen durchaus von gegenseitigem Respekt getragen war, auch wenn sich das oberflächlich betrachtet nicht immer erkennen liess.
Das "TV-Duell" zwischen Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier ist im Internet abrufbar, es gibt bereits eine breite Palette von Analysen und Kommentaren dazu.

So manches lässt sich konkret beschreiben und aufzeigen, anderes lässt sich aus verschiedenen Perspektiven eben auch unterschiedlich interpretieren und bewerten.
Zunächst einmal haben wir eine "defekte Situation" vor uns, die Bezeichnung "Duell" definierte bereits eine "Kampfsituation", verbunden mit der Erwartung, dass die beiden "aufeinander losgehen". Situationsmächtig waren nicht die "Darsteller", sondern die "Regisseure", konkret: das Studio der ARD. Da waren Regeln vorgegeben, wurden Redezeiten gemessen und sollten gleichmässig verteilt sein. 4 gegen 2 - Fragen, die eine Kontroverse provozieren wollten, Unterbrechungen und thematische Vorgaben, die insgesamt nichts anderes bedeuten als ein vorinszeniertes, strukturiertes und zeitlich exakt begrenztes Gespräch. Eine Szene eben, kein echtes Gespräch.
Bereits die räumliche Anordnung war eher auf ein Gegenüber zwischen den Kandidaten und den Moderatoren angelegt. Konflikte entstehen, wenn man Gruppen beobachtet, häufiger zwischen Personen, die sich diametral gegenübersitzen, seltener zwischen jenen, die nebeneinander sitzen oder auch stehen. Dramaturgisch problematisch: die Darsteller wollten nicht so recht "mitspielen", es gibt konkrete Passagen, in denen sich dieses Moment sehr deutlich aufzeigen lässt. Bildhaft könnte man sagen, hier wurden zwei Boxer in den Ring geschickt, die nach dem Gong zuerst die Boxhandschuhe ausziehen und sich dann bemühen, aus Bauklötzen gemeinsam einen Turm zu bauen, sich wohl gelegentlich darüber streiten, welcher Klotz dabei zu verwenden ist und an welche Stelle soll, aber "darüber lässt sich reden". Der eigentliche Konflikt bestand dabei nicht zwischen den Soll-Kontrahenten, sondern in der unterschiedlichen Rollenkonzeption und der Situationseinschätzung - allen inhaltlichen Vorgaben zum Trotz wollten die Beiden nicht wirklich gegeneinander kämpfen, nicht wirklich "gewinnen", sich nicht "in die Pfanne hauen" und die "Gegenseite" am Boden sehen. Unterschiedliche Auffassungen, Fragen, in denen ein Dissens thematisiert wurde, waren eben "Unterschiede" und nicht sofort "Gegensätze" - die kooperative Grundstruktur zeigt eine Rollendefinition, die weit mehr partnerschaftlichen Charakter hat, das Gemeinsame betont und damit ein Gegenmodell zu politischen Kampfrhetorik anschaulich demonstriert.
Bedeutet das nun, das die politische Diskussionskultur "am Ende" ist?
Vielleicht ist die Frage falsch gestellt, Antworten setzen zunächst einmal voraus, zu klären, was denn nun "politische Diskussionskultur" sein soll. Worauf es dabei ankommt, ankommen sollte. Vor dem Hintergrund von Regelwerken, wie sie etwa bei Van Eemeren und Grotenhorst beschrieben sind (eine ausführliche Darstellung findet sich bei KIENPOINTER in seinem Buch "Vernünftig argumentieren"), lässt sich im "Duell" eher eine Verschiebung zugunsten der sachlichen Diskussion feststellen. So wurde es von den meisten Zuschauern auch wahrgenommen. Keine betonte Kampfretorik also, aber auch kein Ende der Kultur. Vielmehr ein Zeichen dafür, dass selbst in einer vorgegeben kontroversen Struktur kooperative Muster lebbar und realisierbar sind. Es ist, nüchtern betrachtet, kein Ende der Diskussionskultur, eher eine andere. Eine vernünftigere eben, eine Kultur, die mehr Wert auf Beziehung, Zusammenarbeit und Lösungen legt.
Das alles macht ein solches Duell weniger publikumswirksam, weniger dramatisch, für manche langweilig. Da steht eben kein Arnold Schwarzenegger auf der Bühne, da tobt nicht der uralte Kampf zwischen Gut und Böse, da duellieren sich keine wütende Hähne. Der Gedanke ist noch im Hinterkopf, spezifische Momente des Widerstands gegen die vorgegebene Inszenierung konkret aufzuzeigen. Aktuell gibt es aber wieder neuen Zündstoff, nachdem die Teilnahme an einer Fernsehdiskussion von Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier abgesagt wurde. Das ist vielen nicht angenehm. Verstehen kann man es aber als Zeichen dafür, sich nicht funktionalisieren lassen zu wollen. Verstehen kann man es als Bemühen, eine Beziehung zu schützen und sich den Rahmenbedingungen der Medien mit ihren Vorstellungen nicht fügen zu wollen. Die Botschaft dahinter könnte sein: "auch wenn die Medien und die Öffentlichkeit von uns erwartet, dass wir aufeinander losgehen und uns gegenseitig angreifen - wir spielen dieses Spiel nicht mit." Und das hat, bei allen Vorwürfen und der Schwäche, die den beiden damit unterstellt wird, auch etwas Starkes.


Literatur: KIENPOINTER, M. (1996). Vernünftig argumentieren. Regeln und Techniken der Diskussion. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag.

Sonntag, 13. September 2009

TV-Duett Merkel-Steinmeier: erste Eindrücke

Keine persönlichen Angriffe, es sieht mehr nach "Duett" als "Duell" aus. Vorbereitet sind beide, aber insgesamt wirkt Frank-Walter Steinmeier klarer, konkreter, griffiger. Angela Merkel wird zu Beginn häufig unterbrochen, geht aber sehr souverän damit um. Insgesamt aber wirkt sie defensiv. Zu Beginn wird die Zusammenarbeit in der großen Koalition betont - und da ist stellenweise von "Unterschieden" die Rede, nicht von "Widersprüchen". Die Frage steht im Raum, warum die große Koalition nicht einfach fortgesetzt wird.

Samstag, 12. September 2009

Parteien zur Bundestagswahl in Deutschland: ein Überblick

Die Bundestagswahl steht vor der Tür. Es ist nicht unbedingt einfach, einen Überblick zu bekommen. Welche Parteien stehen denn eigentlich zur Wahl? Eine Liste mit Links zu Internetseiten fand ich im Supernature-Forum. Ein interessantes Projekt zur Information über die Wahl ist der Wahlomat. Dabei lassen sich die eigenen Standpunkte mit den Positionen der Parteien vergleichen - damit soll die Entscheidung erleichtert werden. Eine Zusammenstellung aller Parteien, die sich zur Wahl stellen, findet sich ebenfalls im Wahlomat.
"Etwas anders", das heisst in der Form von Wordles, hat Christoph Koch Parteiprogramme dargestellt.
Einige Parteien haben speziell für die Bundestagswahl 2009 TV-Spots gedreht. Was
sich dabei auf YouTube finden liess, ist hier (in alphabetischer Reihenfolgte) zusammengestellt:


CDU



CSU



DDU




FDP



Die Grünen




Linke



MLPD



NPD



Partei Bibeltreuer Christen




Die Piraten





SPD




Die Violetten



Und wie steht es im Moment? Der Deutschlandtrend deutet auf ein Ende der großen Koalition.
Und morgen abend 20.30 Uhr steht das Kanzlerduell an -
Die Umfrage bei der Tagessschau, (Stand Samstag, 12.09.2009, 14.30 Uhr) deutet darauf hin, dass es dabei recht viele Zuschauer geben wird. Auf die Frage, ob das Kanzelerduell im Fernsehen verfolgt wird, sagten...

Ja.: 921 Stimmen, dies entspricht circa 45.1%
Nein.: 838 Stimmen, dies entspricht circa 41.0%
Ich bin noch unentschlossen.: 284 Stimmen, dies entspricht circa 13.9%
Stimmen gesamt: 2043
Das Ergebnis dieser Umfrage ist nicht repräsentativ.

Informieren kann man sich also reichlich... und nachdem noch viele unentschlossen sind, bleibt der Ausgang der Wahl noch offen.

Kann man Kommunikation trainieren?

Die sprechwissenschaftliche Forderung ist alt: Trainer brauchen eine Lizenz! Und das ist eben die Sprecherzieherprüfung, die es seit nunmehr...

Oft gelesen