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Samstag, 19. März 2011

Wie werden Menschen mit Katastrophen fertig?


Tschnernobyl ist lange her, zuerst kam der Schock und dann helle Aufregung... und nach einiger Zeit war es dann doch nicht mehr so schlimm. Vor diesem Hintergrund ist der Umgang mit Katastophen eine zweischneidige Sache - denn 'Umgang' kann auch 'Wegschieben' bedeuten und ist dann zwar für das Individuum gesünder, wirft aber auch Probleme auf, wenn zuwenig oder nicht gründlich genug Konsequenzen gezogen werden. Die Frage nach Prinzipien der Katastrophenbewältigung ist anders formuliert die Frage nach dem, worauf es ankommt - und die Antworten haben verschiedene Ebenen. Irgendwie werden Menschen dann doch immer wieder mit Katastrophen fertig. Warum eigentlich? Und: wie?

1. Abstand gewinnen

Abstand gewinnen bedeutet nicht automatisch Abwehren oder Verdrängen - auch das Dissoziieren als 'inneres Weggehen' ist ein Bewätigungsmechanismus, der eine Schutzfunktion hat und in bestimmten Zusammenhängen als einzige Chance übrig zu bleiben scheint. Im wesentlichen geht es um das Ziel, sich nicht völlig überwältigen zu lassen, die Handlungsfähigkeit zu bewahren bzw. wieder herzustellen.

2. Verstehen

Die Zusammenstellung von Dokumentationen zu den Themen Kernkraft und Tsunami folgt dem Gedanken, nach Erklärungen zu fragen, aber auch Erklärungen vermittelbar zu machen - dabei steht für 'ganz normal Sterbliche' weniger die wissenschaftliche Präzision im Mittelpunkt, eher die 'Fassbarkeit'. Eine Vorstellung von dem zu bekommen, was da eigentlich geschehen ist, macht es leichter, Erfahrungen einzuordnen und zu bewerten.

3. Rationalität

Als wissenschaftlich denkender Mensch halte ich nichts von religiösen Erklärungsmustern, die Naturkatastrophen als "Strafe Gottes" einordnen und dabei mehr zusätzliche Ängste erzeugen und damit die Bewältigung erschweren. Zur Rationalität gehört auch die Unterscheidung von kontrollierbaren und nicht kontollierbaren Aspekten - an den Prozessen im Innern der Erde können wir im Moment wenig ändern, am Umgang mit der Kernkraft dagegen sehr wohl.
Rational ist es, nach Möglichkeiten zu suchen, wie sich schwierige Situationen in den Griff bekommen lassen - der Einsatz um das AKW Fukushima folgt diesem Prinzip und ist (Kritik hin oder her) nicht nur bewunderswert, sondern auch Ausdruck funktionaler Angstbewältigung. Zu Recht, wie ich meine, bezeichnet man die 'Fukushima 50' als Helden, denn Angst haben sie gewiss. Aber Helden sind eben keine Menschen, die keine Angst haben, sondern solche, die ihre Angst überwinden und trotzdem etwas tun können.

4. Korrektur bisheriger Sichtweisen

 "Das hätte ich nie für möglich gehalten"... diesen Satz haben in den letzten Tagen wohl viele Menschen gedacht oder auch ausgesprochen. Angela Merkel ist dafür kritisiert worden, als sie sagte, es sei eine neue Lage entstanden. Versteht man 'Lage' als subjektive Repräsentation, dann hat sich sehr wohl für sehr viele Menschen die Lage verändert - auch dann, wenn es objektiv betrachtet keine grundsätzlich 'neuen' Risiken der Atomkraft gibt, Psycho-logisch ist das Moratorium der Kernkraftwerke auf jeden Fall - sie entspricht, salopp ausgedrückt, der Erfahrung, dass es Zeit braucht, sich auf Veränderungen einzustellen und dass dabei der je eigene Standpunkt vielleicht auf einer sehr grundsätzlichen Ebene neu überdacht werden muss. Auch dort, wo sich Sachverhalte nicht verändert haben, kann diese Überprüfung bisheriger Sichtweisen zu einer neuen Bewertung, einer neuen Situationseinschätzung führen.

5. Hoffnung und Optimismus

Was ich mit Hoffnung und Optimisums meine, ist keine "rosa Brille", sondern durchaus eine realitätsbezogene Einstellung, die ebenfalls eine rationale Grundlage haben kann. Wunder daeuern gelegentlich etwas länger und sind zur Begründung von Hoffnung und Optimismus nur bedingt geeignet. Nachdem es gelungen war, ein Stromkabel zum AKW in Fukushima zu legen, hatte das Prinzip Hoffnung wieder einen konkreten Anker - auch wenn von "vollständiger Kontrolle" nicht die Rede sein kann, zeigt sich die Begrenzbarkeit des Übels...

Ohnmacht und Hilflosigkeit legen passvies Abwarten nahe, für viele ist das tatsächlich auch die einzige Möglichkeit. Hoffnung beruht darauf, dass sich die Dinge nicht nur ändern, der Wind gelegentlich auch in die 'richtige Richtung' weht, sondern auch auf der Möglichkeit, etwas dafür zu tun, dass sie sich ändern. Optimismus ist immer dann angebracht, wenn es eine, sei es auch nur 'irgend eine' Handlungsmöglichkeit giibt, auch wenn ein ausgearbeiteter Katastophenplan fehlt.

6. Initiative

Das Prinzip Initiative scheint für Japaner weniger vertraut, es ist ein eher individuelles Prinzip, 'die Dinge in die Hand zu nehmen'. Dort, wo bestehende Strukturen zusammen gebrochen sind und eine stabile Struktur fehlt, wird Initiative aber ein wichtiges Prinzip, das Leben (wieder) in den Griff zu bekommen.

7. Normalität

Es mag kalt und verständnislos erscheinen, im Zusammenhang mit der Bewältigung von Katastrophen von Normalität zu sprechen. Für die obdachlos Gewordenen, die nicht nur ihre Felle, sondern auch Verwandte, Freunde und Bekannte davon schimmen sahen, ist nichts mehr normal. Trotzdem ist das lange Verharren in einem Schockzustand nicht hilfreich, die Bewältigung führt früher oder später zu einem ganz normalen Alltag zurück.

...soweit die Skizze. Mehr als ein Entwurf sollte es nicht sein.

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Kernspaltung: wie alles begann


Dokumentarfilm über die Entdeckung der Kernspaltung und die politischen Zusammenhänge zur Zeit des zweiten Weltkriegs (etwa 25 Minuten lang),


ZDF History - Die Entdeckung der Kernspaltung from cpucomplexx on Vimeo.
Die Entdeckung der Kernspaltung


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Mittwoch, 16. März 2011

Tsunami rollt über die Atomindustrie

Eine vorsichtige Prognose… als Übung gewissermassen.

Erste Annahme: Fukushima löst eine weltweite Orientierungsreaktion aus – früher oder später werden alle Nationen darüber nachdenken, ob ein weiterer Betrieb von Atomkraftwerken ethisch verantwortbar, politisch durchsetzbar und grundsätzlich ökonomisch ist.

Zweite Annahme: die Diskussion in Deutschland wird weltweit einen Welleneffekt auslösen – auch hartnäckige Befürworter werden sich zwingenden Einsichten nicht verschließen können. Im Kern ist das eine bereits bekannte Tatsache: Atomkraft ist gefährlich, Katastrophen sind nicht hundertprozentig zu vermeiden und wenn sie geschehen, extrem schwer, wenn überhaupt, in den Griff zu bekommen. 

Dritte Annahme: Aussagen, die sich gut begründen und mit Fakten belegen lassen, haben eine hohe Überzeugungskraft. Im Interesse des eigenen Überlebens werden Gesellschaften rund um den Erdball nachhaltigeren und weniger gefährlichen Technologien den Vorzug geben. 

Vierte Annahme: eine Weiterentwicklung der Reaktortechnologie ist möglich und die Atomindustrie wird darauf setzen – die Zweifel an der Beherrschbarkeit der Atomkraft sind aber so groß, dass eine echte Renaissance der Atomkraft eher unwahrscheinlich ist. 

Fünfte Annahme: dort, wo es vernünftig denkende Menschen gibt, wird sich früher oder später eine bessere Lösung auch durchsetzen können. 

Sechste Annahme: bei allem Unglück ist die Situation in Japan mit Erdbeben, Tsunami und dem zerstörten Kernkraftwerk Fukushima eine große Chance, grundsätzliche Fragen neu aufzuwerfen, Fehlentscheidungen und Fehlentwicklungen zu korrigieren. 

Siebte Annahme: die Vorstellung, die Natur könne jemals vollständig beherrscht werden, ist eine Illusion. Kontrolle ist stets relativ, absolute Sicherheit gibt es nicht, Demut und Respekt vor den nicht kontrollierbaren Zusammenhängen eine überlebensnotwendige Grundhaltung.

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Ängste in Deutschland und Japan, Atomkraft und Angstbewältigung

Die Erkenntnisse aus meinen Recherchen kurz zusammengefasst:
 
  • In Deutschland gibt es keine erhöhten Strahlungswerte, gemessen wird ständig, (Informationsquelle: Bundesamt für Strahlenschutz).
  • Jodtabletten zu nehmen ist deshalb nicht sinnvoll, eher schädlich. 
  • Auch ohne Atomkraftwerke kann Deutschland genug Energie produzieren - wir brauchen sie nicht.

Kommentar von meiner Seite:

Wer Atomkraftwerke als "sicher" bezeichnet, lügt. Sicherheit ist ein relativer Begriff, selbst bei höheren Sicherheitsstandards ist das 'Restrisiko' eben nicht zu beherrschen. Vernünftige Entscheidungen zu treffen bedeutet, nicht nur die Wahrscheinlichkeit, sondern auch das Ausmass einer möglichen Katastrophe zu berücksichtigen. Nachhaltig wirksam können politische Entscheidungen nur dann sein, wenn sie langfristige Wirkungen und Nebenwirkungen mit einkalkulieren. Vor allem dann, wenn wir ohne größere Probleme auf Atomkraftwerke verzichten können, sollten wir das auch tun. Und das so schnell wie nur irgend möglich.

Die Konsequenzen, die aus einem Reaktorunfall entstehen, sind gravierend:
- körperliche Krankheiten durch Strahlenschäden,
- psychische Störungen und Traumata, aber auch
- hohe Folgekosten durch die Notwendigkeit, langfristig strahlende Reaktoren notdürftig abzusichern.

Bei allem Unglück ist die gegenwärtige Situation auch eine Chance, Realitätsverzerrungen und Illusionen aufzudecken und davon Abstand zu nehmen. Bedauerlich, aber menschlich ist der Umstand, dass oft erst Kontrollverlust, hervorgerufen durch eine Katastrophe, zum Umdenken führt. Dabei scheint vieles, was jetzt als "neue Erkenntnis" dargestellt wird, keinesfalls neu - es war schon bekannt, wurde aber aus irgenwelchen Gründen verheimlicht, verharmlost, politischen oder wirtschaftlichen Interessen geopfert.

Bei allem Respekt vor der Vernunft brauchen wir auch Empathie, um nicht nur vernünftige, sondern auch menschliche Entscheidungen treffen zu können. Überall dort, wo es um den Einsatz potentiell gefährlicher Technologien geht, sind ethische Fragestellungen unverzichtbar - gleichzeitig müssen wir anerkennen, dass wir nicht tief genug blicken können, weder ins Erdinnere hinein noch in die menschliche Psyche. Das, was im Verborgenen geschieht, lässt sich eben nicht exakt vorhersehen, nicht prognostizieren und nicht beherrschen.

Die Tendenz geht deutlich weg von der Atomkraft, hin zu erneuerbaren Energien. Das ist ein Weg, der sich gehen lässt, wenn wir das wollen. Wenn es funktoniert, werden vielleicht auch andere Länder erkennen, dass es bessere, menschlichere Möglichkeiten gibt.

Ich möchte noch einmal auf ein Prinzip, das mir für den Umgang mit Ängsten wichtig geworden ist: verwandle Angst in Fürsorge und Vorsorge. Die Angst vor Erdbeben, Tsunami und radioaktiver Strahlung ist in Japan eine reale Angst - Fürsorge und Vorsorge sind nur dort möglich, wo sich etwas tun lässt. Dort, wo wir ohnmächtig sind, ist es eine Frage der Vernunft, diese Ohnmacht auch zu erkennen, gerade dort nun wirklich "ohne Tabus" zu diskutieren. Dort aber, wo Entscheidungen möglich sind, bedeutet Vorsorge auch, unkalkulierbare Risiken zu vermeiden - und Fürsorge, das Schicksal und die Situation Einzelner in aller Deutlichkeit zur Kenntnis zu nehmen.
So gesehen ist Empathie ein notwendiger Bestandteil politischer Vernunft.

Kaum beachtet scheint mir in den Medien die Frage, wie Kommunikationsprozesse verlaufen sind und welche Konsequenzen diese Prozesse für die Psyche der Menschen haben. Ein kollektives Trauma, eine kollektive Panikstörung - das ist ein Aspekt, der hinter der sachbetonten Berichterstattung zurückbleibt. Zu wenig wird die Frage gestellt, wie viele Einzelne den Boden unter den Füßen wieder gewinnen können, zu wenig Energie fließt in die Bemühungen, den menschlichen Aspekt zu berücksichtigen und die Potentiale zur Überwindung der traumatischen erfahrungen zu fördern.

Hier in Deutschland ist das alles kaum vorstellbar - klar ist mir nur, dass ich wesentlich besser mit Gefahren umgehen kann, die in irgendeiner Form greifbar, erkennbar, abschätzbar sind. Vor einer Welle kann ich weglaufen, wenn es wackelt, kann ich immerhin nach Möglichkeiten suchen, mich irgendwo festzuhalten, mich auf den Boden setzen und eine geeignete Stelle suchen, damit mir nicht irgend etwas auf den Kopf fällt. Wenn es um Strahlung geht... ohne Geigerzähler kann ich nichts erkennen, die Handlungsmöglichkeiten sind begrenzt. Wenn ich keine Ahnung habe, wie schlimm es wirklich ist... wirkt Desinformation angstverstärkend.

Bei Facebook gibt es eine Seite "Japan - in Gedanken sind wir bei Euch".

Ein Hinweis auf einen Artikel auf ntv zeigt das Problem in aller Deutlichkeit: Angst und Unmut wachsen, weil es nicht genügend Informationen gibt. Aus einer psychologischen Perspektive ist das fatal - denn gerade jetzt sind Maßnahmen notwendig, Vertrauen zu stabilisieren, Kräfte zu wecken und zu stärken, die eine Bewältigung der Situation möglich machen. Stattdessen weiß niemand etwas Genaues und gerade dann wird aus dem Zustand der Angst heraus schnell das Allerschlimmste befürchtet - und die Angst wächst. Wenn der Schock nachlässt und die Kräfte schwinden, eine ruhige, disziplinierte Haltung aufrechtzuerhalten, werden diese Ängste durchbrechen. Genau dann kommt es darauf an, Wege zu finden, wie sich Angst überwinden lässt, genau dann sind Verlässlichkeit, Solidarität und Rückhalt, Vetrauen und Zuversicht notwendig. Die Frage der Angstbewältigung scheint aber niemanden zu interessieren... bleibt das Individuum in der politischen Diskussion auf der Strecke? 

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Dienstag, 15. März 2011

Erdbeben und Atomkraft

Kann man Erdbeben voraussehen? Wie entstehen sie eigentlich und welche Konsequenzen haben sie? Könnten Atomkraftwerke sicherer sein, wenn Erdbeben besser prognostiziert werden?

Eine kurze Vorbemerkung sei gestattet: es geht mir im Moment nur um Fakten, dahinter steht aber noch das Anliegen, in der gegenwärtigen Diskussion eine nüchterne Perspektive darzustellen, die nach der rationalen Grundlage der durchaus verständlichen Ängste fragt.

Liegt es an der Position der Sterne, hätte also ein Astrologe das Erdbeben in Japan voraussehen können? Auf die Idee, so eine Frage zu stellen, wäre ich selbst nicht gekommen, aber dass ein 'Astrologiefan' wie Florian Freistätter sich mit dieser Frage beschäftigt, ist nicht verwunderlich. Auf den Artikel zum Erdbeben in Haiti verweise ich hier nur...

In den Medien wurde in den letzten Tagen oft genug davon berichtet: Ursache für Erdbeben sind die Bewegungen der Erdplatten und besonders kritisch wird es da, wo mehrere Platten aufeinander treffen. Das bedeutet erstmal, dass die Wahrscheinlichkeit von Erdbeben mit einer Stärke von 8,9 mitten auf einer Platte ziemlich gering ist. Aber heißt das nun, dass die Atomkraftwerke in Deutschland eben doch sicher sind und ein GAU oder Super-GAU in Deutschland überhaupt nicht passieren kann? Nein. Nachdem es bereits mehrere Unfälle in Atomkraftwerken gegeben hat, kann von absoluter Sicherheit keine Rede sein.

Ob das nun als Wahlkampftaktik eingestuft wird oder nicht – der Ansatz, die Sicherheit von Atomkraftwerken genauer unter die Lupe zu nehmen und alle AKWs, die nicht benötigt werden, abzuschalten, hat seine Rationalität. In China und Japan scheint man die Dinge anders zu sehen, andererseits war in manchen Artikeln zu lesen, die Sicherheitsvorschriften in Japan seien wesentlich strenger als bei uns. Gut genug waren sie trotzdem nicht – und die Vorwarnzeit für den Tsunami war viel zu kurz, um wirksame vorbeugende Maßnahmen treffen zu können.

Damit komme ich zur Frage, wie es um die Frühwarnsysteme bestellt ist...

Einen Artikel dazu schrieb die FAZ am 11.März 2011 – dort wird beschrieben, das Frühwarnsystem hätte gut funktioniert und bereits nach 9 Minuten erste Warnmeldungen bereit gestellt. Zugestanden, ohne das System wäre manches noch schlimmer gewesen, aber in Anbetracht der Bilder und der Opfer in Japan ist das ein schwacher Trost. Die simple laienhafte Schlußfolgerung lautet, dass es wohl nicht so einfach ist, Erdbeben und Tsunamis längerfristig vorauszusehen – die Frage, ob sich solche Frühwarnsysteme verbessern lassen, liegt nahe.

Ein Artikel der Uni Potsdam stimmt da skeptisch: die Erde bebt, wann sie will, Schadensbegrenzung ist möglich, aber so wie es aussieht, sind Erdbeben eben nicht langfristig prognostizierbar.  
Eine Darstellung des Tsunami-Frühwarnsystems im Pazifik findet sich in einem Artikel der ZEIT. Das Kernproblem kommt auch hier zum Ausdruck: viel Zeit bleibt selten.

So, jetzt trete ich mal gewissermassen einen Schritt zurück und frage mich, wie vernünftig das eigentlich ist, in einem Erdbebengebiet überhaupt ein Atomkraftwerk zu bauen. Und dann noch an der Küste. Alles was mit Elektronik zu tun hat, reagiert in der Regel nicht besonders begeistert auf Erschütterungen, Hitze und Wasser. Dass in einem solchen Fall alles Mögliche ausfällt, das ist auf jeden Fall vorhersehbar. Wer seine Sinne einigermaßen klar beisammen hat, muss also erkennen, dass in bestimmten Regionen ein erhebliches Risiko besteht, dass es früher oder später zu einer Katastrophe kommt. Und jetzt träume ich mal ein bisschen... steht dort eine Solaranlage oder ein Windrad, gehen vielleicht Solarzellen kaputt oder ein Windrad stürzt um. Schaden entsteht dann auch... aber das ist, wenn es um Menschenleben geht, kein Vergleich zur Gefahr radioaktiver Strahlung.

In Japan kommt noch ein weiteres Problem hinzu: ob und wie genau die Öffentlichkeit über Folgeschäden unterrichtet wird, hängt vom Kraftwerksbetreiber ab. Fukushima I... ist außer Kontrolle geraten und Naoto Kan ist sauer. Nun kann man sich darüber streiten, ob genaue Informationen Panik auslösen würden – aus der Sicht betroffener Bürger steht aber meiner Ansicht nach das Informationsbedürfnis im Vordergrund. Dass der Ministerpräsident aus erster Hand informiert sein möchte, kann ich gut verstehen, trotz des Einwands auf Twitter...


Eine kurze Zwischenbilanz...: Frühwarnsysteme lassen sich bestimmt noch verbessern, aber sie sind im Moment zumindest nicht gut genug, um umfangreiche Vorbereitungen möglich zu machen. Erdbeben und Tsunamis lassen sich nicht wirklich vorhersehen, kontrollieren auch nicht.

Ob es möglich wäre, eine Kernschmelze zuverlässig zu verhindern, wenn eine Vorwarnzeit von mehreren Stunden erreichbar wäre, ist eine schwierige Frage – sie ist aber auch rein hypothetisch. Dass es Naturkatastrophen gibt, denen wir nichts entgegenzusetzen haben, ist eine Sache – das müssen wir akzeptieren, ob es uns nun gefällt oder nicht. Aber darüber hinaus das Risiko von Strahlenschäden einzugehen, das ist ein ganz anderes Thema.

Ganz nüchtern: die Aussage, Atomkraftwerke seien sicher, ist und war schon immer falsch.

Tschernobyl ist lange her... bei You Tube habe ich ein Video ausgegraben, das den Reaktor 20 Jahre später zeigt, also im Jahr 2006.




Schlußfolgerungen? Bitte selbst nachdenken, dazu gehört auch die Frage, ob es ein 'Missbrauch der Katastrophe' ist, wenn neu über Atomkraft nachgedacht wird. Auf einen Artikel aus den Scienceblogs möchte ich noch verweisen, dort sammelt Jörg Rings Quellen zum Fukushima-Kraftwerk-Störfall.

Sachlich und nüchtern zu bleiben ist schwer genug...

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Kann man Kommunikation trainieren?

Die sprechwissenschaftliche Forderung ist alt: Trainer brauchen eine Lizenz! Und das ist eben die Sprecherzieherprüfung, die es seit nunmehr...

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