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Dienstag, 23. Juni 2009

Argumentationsfiguren

Ich falle nicht mit der Tür ins Haus...
...denk' mir eine Begründung aus,
...erkläre, warum man folgen sollte,
...bevor ich sage, was ich sagen wollte -
denn darauf will ich ja hinaus!

Wenn ich was zu sagen hätte...
...finge ich ganz langsam an,
...es folgte schließlich und sodann
...Schritt für Schritt
in einer Kette.

Wie gewachsen ist der Schnabel...
...kann man sprechen,
...so dass es die Ohren der Hörer erreicht,
...berücksichtigt, dass keine Situation der andern gleicht.
Diese Form nennt man auch Gabel.

Wie ich Widerspruch vertexte?
Die einen sehen es so.
Die anderen stehen anderswo.
Vielleicht gibt's eine Synthese als conclusio?
Fertig ist die Dialexe.

Wenn das Denken das Sprechen begleitet...
...wird erstmal sachte eingeleitet,
...dann entwickelt und entfaltet.
Klarheit dann im Denken waltet.
Damit das Hören Spass bereitet.

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s. auch Klären, Streiten, Kämpfen, Entwerfen

Montag, 18. Mai 2009

Klären, Streiten, Kämpfen, Entwerfen

Vorbemerkungen:

“Klären” und “Streiten” sind die Grundformen des Gesprächs (siehe dazu SE, S. 99ff.) – es gibt aber noch weitere Formen, das “Scheingespräch” und das “Kampfgespräch”. Die letzten beiden sind allerdings nicht das Ziel der Sprecherziehung… Die Zusammenstellung “Klären, Streiten, Kämpfen, Entwerfen” geht zunächst auf die Beobachtung zurück, dass Konfliktgespräche häufig destruktive Elemente enthalten, sich also zu einem Kampfgespräch entwickeln können. Das Entwerfen geht auf die Impulse aus einem sehr interessanten Buch von Edward de Bono zurück. (DE BONO (1987). Konflikte – Neue Lösungsmodelle und Strategien. Düsseldorf, Wien u.a.: ECON Verlag). Genau betrachtet steht das Entwerfen dem Klären sehr nahe… es kann als Leitidee wertvoll sein, wenn gegenseitige Vorwürfe und Schuldzuweisungen, das Bedürfnis, Recht zu behalten und den eigenen Standpunkt durchzusetzen so sehr im Vordergrund stehen, dass eine Lösung geradezu verhindert wird. In Konfliktsituationen Lösungen zu entwerfen – das ist wertvoller als die Frage danach, wer “schuld” ist und zur Rechenschaft gezogen werden muss. Ich frage mich, ob Phänomene wie “Dauerknatsch”, “miese Stimmung”, “angespannte Atmosphäre” und Mobbing überhaupt möglich sind, wenn das Klären als Prozess im Mittelpunkt steht und mit einer einfachen Idee verbunden ist: wie lösen wir das Problem?
Der folgende Text ist in seiner ursprünglichen Fassung als Script im Jahr 2000 entstanden. Die einzelnen Abschnitte sind dabei in der Form des Fünfsatzes gestaltet. Wären es zwei Abschnitte weniger, hätten wir einen “25-Satz” vor uns. In der vorliegenden Variante war es mir eben wichtig, die Stützen des Quellfünfsatzes in jeweils zwei Fünfsätzen auszuarbeiten…


Wenn wir miteinander sprechen, können viele Fragen auftauchen.
Ist etwas unklar, können wir klären: was ist mit einem Begriff oder einer Aussage gemeint?
Sind wir uns nicht einig, ist etwas STRITTIG – dann können wir STREITEN (gemeint ist damit: Argumentieren).
Wissen wir nicht, was wir tun sollten, können wir uns BERATEN, Möglichkeiten und Lösungen ENTWERFEN, bevor wir ENTSCHEIDEN.
Es gibt viele Möglichkeiten, ein Gespräch zu gestalten.

Viel hängt davon ab, mit welcher Haltung wir uns begegnen.
Nehmen wir uns gegenseitig ernst?
Hören wir einander zu?
Nehmen wir in unseren Aussagen aufeinander Bezug?
Reihen wir Monologe aneinander, sprechen nur gegeneinander – oder wirklich miteinander?

Wir können nicht unendlich viele Informationen in kurzer Zeit verarbeiten.
Manches ist uns vielleicht entgangen – dann können wir nachfragen.
Manches ist uns vielleicht unverständlich geblieben – dann können wir nachfragen.
Manches ging vielleicht zu schnell an uns vorüber – dann können wir nachfragen.
Für Klärungsprozesse sind Fragen sehr nützlich.

Manchmal sind wir uns nicht einig.
Wer von uns hat die Wahrheit gepachtet?
Wer von uns hat sich niemals geirrt?
Jeder Mensch hat eine eigene, individuelle Wahrnehmung und Geschichte – und deshalb eine besondere Art, die Welt zu sehen.
Warum also sollten wir uns immer einig sein?

Gibt es immer “richtig” und “falsch”?
Manchmal gibt es Kriterien, nach denen wir beurteilen können, was “stimmt” und was nicht.
Tatsachen lassen sich erforschen, überprüfen – und oft nachschlagen.
Meinungen dagegen sind PERSÖNLICH – und eben keine Tatsachen.
Wenn wir unterschiedlicher Meinung sind, bedeutet das nicht notwendigerweise, dass irgend jemand im Unrecht ist!

Gespräche verlaufen manchmal destruktiv.
Wenn niemand zuhört, alle Recht behalten wollen…
Wenn wir unsere Sicht der Dinge durchsetzen wollen, indem wir andere angreifen…
Wenn Vorwürfe, Zuschreibungen und absolute Formulierungen das Gespräch bestimmen…
Dann wird ein Gespräch zum KAMPF.

Ein Gespräch konstruktiv zu gestalten bedeutet…
…Regeln einzuhalten,
…sich gegenseitig mit Respekt zu begegnen,
…zuzuhören, vorzuschlagen, zu begründen und zu entwickeln,
oder kurz: den Gesprächsprozess offen zu halten.

Vielleicht erkennen wir dabei etwas Neues…
…lenen etwas dazu,
…kommen auf neue Ideen,
…betrachten das eine oder andere aus einer neuen Perspektive
…und entwickeln uns im Gespräch miteinander erkennend und verstehend weiter.

Donnerstag, 30. April 2009

Das Strittige

Bei der Beschreibung des Strittigen beziehe ich mich zunächst auf die Sprecherziehung als angewandte Sprechwissenschaft, im folgenden abgekürzt als ‚SE’ (GEISSNER, H. (1986). Sprecherziehung. Didaktik und Methodik der mündlichen Kommunikation. 2. Auflage. Frankfurt am Main: Scriptor).

„Die Kategorie des ‚Strittigen’ ist die Grundlage des Streitens“ (SE, S.118).


Da gibt es also unterschiedliche Meinungen. Die einen sehen es so, die anderen anders. Der eine behauptet, dieses oder jenes sei wahr, die andere bestreitet das. Was ist sinnvoll? Was ist machbar? Was ist möglich? Was ist richtig? Es gibt sehr viele Dinge, über die man unterschiedlicher Meinungen sein kann. Konflikte als Resultat unterschiedlicher Auffassungen sind allgegenwärtig. Der Normalfall. Es gibt also viele Punkte, an denen sich ein Streit entzünden kann. Was aber ist eigentlich ein „Streit“, was ist „Streiten“?
"Streiten ist ’mit Gründen streiten’ oder argumentieren“ (SE, S.119).
Erst im Vergleich mit dem Alltagsverständnis wird erkennbar, welche Konsequenzen diese Definition hat und warum Konflikte oft so destruktiv sind. Denn das Argumentieren ist keinesfalls überall selbstverständlich. Die Frage „was verbinde ich mit dem Begriff Streiten?“ zeigt dann auch recht unterschiedliche Erfahrungen auf, die so manchen und manche zu der Schlussfolgerung bringen, einem Streit lieber aus dem Weg zu gehen. Es gibt noch einen Gedankengang, den ich zitieren möchte, um das Problemfeld vorläufig abzurunden:

„Wer argumentiert, d.h. mit Gründen streitet… setzt voraus, daß der mit dem er streitet, das Strittige, die Streitfrage .. als Streitfrage versteht. Er setzt weiter voraus, daß der, mit dem er streitet, daran interessiert ist, den Streitfall zu lösen.“ (SE, S.119).

Die Voraussetzungen für ein „sinnvolles Streiten“ sind damit noch nicht vollständig genannt. Mit den drei genannten Zitaten lässt sich jedoch beschreiben, warum Konflikte manchmal so kompliziert und schwierig sind. Die Kategorie des Strittigen: wenn das immer so klar wäre! Die Beobachtung und Analyse von Konfliktsitautionen hat mir immer wieder deutlich gemacht, dass das ‚Strittige’ in einem komplizierten Geflecht gelegentlich völlig untergeht, die Streitfrage nicht so leicht zu erkennen ist, anders formuliert: es wird ‚gestritten’, ohne dass klar ist, was da eigentlich strittig ist. Die Formulierung, die ich an dieser Stelle gern benutze, bringt die Grundgedanken aus der Sprecherziehung in einer anderen Form zum Ausdruck:

Klären, was strittig ist – sich über Strittiges verständigen.

Der zweite Teil deutet bereits die Akzentverschiebung zum Miteinander- streiten an, aber zuvor läßt sich eine einfache Frage stellen:

Was ist eigentlich strittig? Worüber streiten wir und eigentlich?

Es hat Gründe, warum diese Frage so manchem Streit den Wind aus den Segeln nimmt – man kann sich hier eben auch täuschen. Möglicherweise werden ähnliche Vorstellungen unterschiedlich ‚zur Sprache gebracht“, es scheinen unterschiedliche Meinungen im Raum zu stehen, die sich im Gespräch geradezu auflösen und zu der Einsicht führen können: „im Grunde meinen wir dasselbe“. Möglich ist auch, dass ein Thema angesprochen wird, ein Problem benannt wird, aber „eigentlich“ geht es um etwas anderes. Klären, was strittig ist: das bedeutet, die Streitfrage als solche herauszuarbeiten, klar zu benennen, worum es wirklich geht.
Streiten ist schwierig, wenn nicht klar ist, was strittig ist, es ist auch schwierig, wenn mehrere Dinge gleichzeitig strittig sind und ständig durcheinander geraten. Streiten ist auch schwierig, wenn die Strittigkeit des Strittigen bestritten wird, nach dem Motto „wieso, wir sind uns doch einig?“. Das Interesse an einer Lösung ist ebenfalls nicht selbstverständlich – manchen geht es nicht um eine Lösung, sondern darum, die eigene Vorstellung durchzusetzen. Manchmal geht es nicht um ‚die Sache’. Sondern um Macht. Manche Konflikte sind nicht lösbar, weil ein Konsens überhaupt nicht beabsichtigt ist. Und manchmal scheitern Gespräche an der Orientierung am Konsens – weil er an manchen Stellen einfach überflüssig ist.
Zwei Arbeiter, die im Wald einen Baum fällen wollen, können natürlich darüber streiten, ob das zweite Tor im letzten Fußballspiel „verdient“ oder „unverdient“ war. Für den Baum selbst und die Arbeit ist diese Frage ziemlich unwichtig…

Wollen wir uns darüber wirklich streiten?

Ist die Streitfrage für uns wichtig?

Brauchen wir einen Konsens?

Es gibt viele Dinge, die man unterschiedlich sehen kann. Es gibt unterschiedliche Auffassungen darüber, was Kunst ist. Und? Ich muss mich nicht mit allen über alles streiten. Ich muss nicht mit allen in allen Fragen einen Konsens erarbeiten. Das, was strittig ist, muss nicht notwendigerweise zu einem Streit führen. Was es mit dem begründeten und dem unbegründeten Dissens auf sich hat, ist ein Thema für sich. Grundsätzlich aber gilt: Unterschiede können bereichern, die Vielfalt macht die Kultur „bunt“ und Demokratie gedeiht nur dort, wo unterschiedliche Meinungen sein dürfen.

Montag, 20. April 2009

Miteinander Streiten

(aus der Reihe „gesprächsdichte“, Mai 2000, überarbeitet)

Wie geht MITEINANDER STREITEN?
Welche PRINZIPIEN können mich leiten?
Was ist STRITTIG? Was ist SACHE?
Wie bringe ich meine Gedanken zur SPRACHE?

Sind meine Worte hart und deutlich
ist Konfrontation wohl unvermeidlich
es geht auch weicher, keine Frage –
entscheidend ist, WIE ich etwas sage

Nun passt sicher nicht jedes Wort
an jeden x-beliebgen ORT
und manche ahnen es wohl schon:
wichtig ist die SITUATION

als WER ich da in WELCHER ROLLE
WEM sage, was er/sie tun solle
mögliche Konflikte gibt es da viele –
es spielt eine Rolle, welche Rolle ich spiele…

WARUM will ich WORÜBER sprechen?
WAS kann ich WIE am besten sagen?
WER wird mir WANN WO widersprechen?
Welche MUSTER können uns tragen?

WOZU will ich MIT WEM mich streiten?
Wie kann ich das Gespräch einleiten?
Überzeugungshindernisse überwinden,
damit wir eine Lösung fnden?

Beginne ich gleich vorwurfsvoll,
sind Reaktionen meist nicht toll
Gebe ich am Anfang die Lösung schon vor
Verschliesse ich so manches Tor

Es hilft nichts, Geister zu beschwören
Hilfreich ist, intensiver ZUZUHÖREN
Wer will hier was? Hat welches ZIEL?
Ist dieses klar, dann fehlt nicht viel

zur Frage nach den Möglichkeiten,
KLÄRUNGSPROZESSE einzuleiten,
ABZUWÄGEN, was schlecht, was gut –
Wie bringe ich alles unter den Hut?

Sind genug DETAILS erfasst,
ENTSCHEIDEN wir, was bestens PASST,
können KONFLIKTE in eine CHANCE verwandeln –
im günstigen Fall: gemeinsam Handeln

Kann man Kommunikation trainieren?

Die sprechwissenschaftliche Forderung ist alt: Trainer brauchen eine Lizenz! Und das ist eben die Sprecherzieherprüfung, die es seit nunmehr...

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