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Samstag, 14. Mai 2011

Richtig + falsch = falsch


Denkspiel über eine seltsame Gleichung.

Die Gleichung "richtig und falsch ist falsch" lässt sich auf unterschiedliche Art interpretieren. Die eine ist eine Frage der Logik, zur zweiten komme ich später. Die Frage nach der Logik beruht auf der schlichten und nicht unbedingt angenehmen Erkenntnis, dass beim Denken Fehler unterlaufen, und einer davon ist die Gefahr, falsche Schlussfolgerungen zu ziehen. Psycho-logisch können sich daraus unangenehme Konsequenzen ergeben, logischerweise beschäftigen sich Kognitive Therapieansätze deshalb auch mit Denkfehlern und problematischen Annahmen.

Mit einfachen Beispielen lässt sich das Problem anschaulicher machen - und zeigen, dass Ängste und depressive Verstimmungen eben auch eine Folge von Denkfehlern sein können. Das Muster der Generalisierung oder Verallgemeinerung beruht auf dem Prinzip von "vielen" auf "alle" zu schließen. Und das ist eben falsch - also: logisch falsch. Und psycho-logisch problematisch, möglicherweise ungesund.

Ein etwas schräges Beispiel ist die Schlußfolgerung, aus dem Genuss von rotem Sirup zu schließen, dass alles was rot und dickflüssig ist, auch irgendwie gut schmecken muss. Rot könnte aber auch Spülmittel sein und das schmeckt nun erstens nicht besonders und ist zweitens auch nicht besonders gesund... Ein solcher seifenblasenspendender Irrtum ist zwar nicht unbedingt häufig, das Prinzip dagegen schon - es liegt eben nahe, aus bisherigen Erfahrungen Schlüsse zu ziehen, was wohl noch so alles geschehen wird. Oder könnte.

Die Formulierung macht dabei einen kleinen, aber bedeutenden Unterschied. Wenn es irgendwo häufiger regnet, könnte es schon sein, dass es dort morgen auch regnet. Könnte schon, könnte aber auch nicht. Die Annahme scheint vernünftig, dass etwas, das bereits einmal geschehen ist, möglicherweise auch ein zweites Mal geschieht... aber auch hier lässt sich ein Fragezeichen machen. Sicher, es gab einmal ein Datum wie "1. Januar 2000", aber dass dieses Datum in der Zukunft ein zweites Mal auftaucht, ist ziemlich unwahrscheinlich, genauer gesagt unmöglich, solange nicht die gesamte Zeitrechnung von Null begonnen oder wenigstens vor das Jahr 2000 zurückgesetzt wird.

Die simple Frage "stimmt das wirklich?" macht aus so mancher Aussage über "richtig" und "falsch" eine mehr oder weniger wackelige Annahme, so manches gilt nur unter bestimmten Voraussetzungen, in einem bestimmten Zusammenhang, für eine bestimmte Person. So manche Schlußfolgerung ist falsch, weil die Annahmen, auf denen sie beruht, nicht stimmen, vielleicht auch einmal gestimmt haben, aber jetzt eben nicht mehr korrekt sind...

Das Resumée aus alledem: Aussagen über "richtig" und "falsch" sind nicht mehr (aber auch nicht weniger) als mehr oder weniger gut begründete Überzeugungen, mehr oder weniger fragwürdig. Und (jetzt kommt die zweite Art der Interpretation) es ist "falsch", sagen wir: fragwürdig, stets und überall alles nach "richtig" und "falsch" zu beurteilen. Denn so manches kann man so oder auch anders sehen.

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Freitag, 23. April 2010

Die Macht der Pharmaunternehmen

Wie zuverlässig sind Arzneimittelstudien?
Selten lässt sicher herausfinden, wer eine bestimmte Studie finanziert - in einem ganz konkreten Fall aber war es die Bundesärztekammer, die etwas ganz Bestimmtes wissen wollte: Welchen Einfluss hat die Finanzierung von Arzneimittelstudien auf das Ergebnis? Das Ergebnis ist bedenklich - Studien, die von Pharmaunternehmen finanziert werden, sind zwar methodisch meist besser. Aber das Ergebnis ist auffallend häufig günstig für den Wirkstoff, der untersucht wurde. Wenn nicht, bleiben die Studien häufig in der Schublade und niemand erfährt etwas davon. Näheres dazu lässt sich im Ärzteblatt nachlesen.

Sind die niedergelassenen Ärzte korrupt?
Pharmaunternehmen beeinflussen aber nicht nur die Forschung - sie sind auch daran interessiert, dass niedergelassene Ärzte ganz bestimmte Medikamente verschreiben. Und dafür sind eben gewisse Zuwendungen gedacht... Ein Urteil des Oberlandesgerichts Braunschweig könnte nun eine Welle von Strafverfahren gegen Ärzte und Apotheker auslösen. Näheres dazu in der Frankfurter Allgemeine.

Solche Meldungen erinnern an einen Skandal aus den 60er Jahren - damals ging es um Thalidomid, einen Wirkstoff, der trotz der bekannten Bedenken weiter verkauft wurde. Als Beruhigungsmittel namens Contergan. Nun darf sich jede und jeder ihren und seinen Teil dazu denken.

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Dienstag, 23. März 2010

Macht Arbeit krank? Bericht der Bundespsychotherapeutenkammer

"Arbeit macht öfter seelisch krank - keine Arbeit auch" - berichtet die Tagesschau. Das stimmt aber (so) nicht - wenn man den Bericht der Bundespsychotherapeutenkammer für die Pressekonferenz am 23. März 2010 genauer liest...
Im dritten Abschnitt des Berichts wird die Frage der "wahren" Prävalenz aufgegriffen - und dabei ist das Kernproblem deutlich beschrieben. Kurz und knapp:

Sind psychische Störungen häufiger geworden oder werden sie häufiger diagnostiziert?

Bereits die Verwendung des Begriffes "seelisch" zeigt die allgemeine Unwissenheit sehr deutlich - denn das Diagnosesystem ICD-10 ist keine "Seelendiagnostik", bei der eine womöglich unsterblich gedachte Seele untersucht wird. Wenn darauf hingewiesen wird, dass die "Erkennensrate psychischer Störungen in der hausärztlichen Versorgung häufig unzureichend ist",  könnte man den  Hausärzten daraus einen Vorwurf ableiten. Zu Unrecht allerdings, denn Hausärzte, die wohl meist Fachärzte für Allgemeinmedizin sind, sind eben Mediziner - und damit auf körperliche Krankheiten spezialisiert. Hausärzte sind also bei psychischen Störungen einfach die falsche Adresse - und sollten an Psychologen delegieren, wenn die Vermutung naheliegt, dass eine psychische Störung vorliegen könnte. Denn die psychologische Diagnostik stellt genügend Instrumente zur Verfügung - und viele von ihnen sind recht einfach zu handhaben.
Das Argument geringerer Tabuisierung psychischer Störungen ist nicht durchgängig haltbar - auf die widersprüchlichen Ergebnisse weist der Bericht der Bundespsychotherapeutenkammer deutlich hin. Wünschenswert ist es durchaus - und wenn eine höhere Anzahl psychischer Störungen lediglich zeigen würde, dass es akzeptabler geworden ist, psychische Störungen beim Namen zu nennen, dann wäre das eher ein gutes Zeichen. Aus dem möglichen Vorwurf gegen die Ärzteschaft könnte auch ein positives Zeichen werden - denn die gestiegene Anzahl der Krankmeldungen aufgrund von psychischen Störungen kann auch bedeuten, dass die Hausärzte in den letzten Jahren mehr erkennen und angemessener reagieren.

Interessant ist der Abschnitt über den Einfluss der Arbeitsbedingungen auf die psychische Gesundheit - sie liefern Ansatzpunkte für die Gestaltung eines psychologisch gesunden Arbeitsplatzes.

Zunächst die Faktoren, die hier eine Rolle spielen:
  • Anforderungen des Arbeitsplatzes
  • Entscheidungsfreiräume
  • Gehalt
  • menschliche Wertschätzung
  • beruflicher Status
  • Aufstiegschancen
  • Arbeitsplatzsicherheit
  • ausbildungsadäquate Beschäftigung

Hohe Anforderungen müssen nicht zu psychischen Störungen führen - problematisch wird es vor allem dort, wo ein hohes Mass an Verantwortung mit geringen Entscheidungsmöglichkeiten verunden ist. Ein psychologisch gesundes Konzept verbindet ein hohes Mass an Verantwortung mit entsprechenden Entscheidungsbefugnissen. Noch einfacher formuliert: wer Verantwortung tragen soll, muss auch entscheiden können und entscheiden dürfen.
Das Modell der "Verausgabung" zielt auf ein Ungleichgewicht ab, das im Kern darin besteht, viel zu geben (oder geben zu sollen), aber wenig dafür zu bekommen. Wer hier weiter denkt, stößt auf Bedingungen des Arbeitsvertrages, aber auch auf die Frage nach Umgangsformen und Führungsstilen. 

Eine hohe Gefährdung der psychischen Gesundheit ist vor allem dort zu erwarten, wo
- das Gehalt zu gering ist bzw. der Qualifikation nicht entspricht
- der Arbeitsplatz unsicher ist und damit beständig Arbeitsplatzverlust droht
- den Mitarbeitern wenig Wertschätzung entgegen gebracht wird
- berufliche Tätigkeiten nicht angemessen sind, d.h. der Ausbildung nicht entsprechen
- organisatorische Ungerechtigkeiten vorliegen
- soziale Unterstützung von Kollegen und Vorgesetzten fehlt.

Welche Faktoren in welchem Ausmass wirksam sind, läßt sich schwer eindeutig sagen. Klar ist: es gibt Ansatzpunkte genug, Arbeitsplätze unter die Lupe zu nehmen und der Frage nachzugehen, wo sich etwas verändern lässt. Vorausgesetzt, Arbeitnehmer werden als Menschen wahrgenommen, die nicht nur ein Recht auf körperliche Unversehrtheit, sondern auch einen Anspruch auf psychische Gesundheit haben.

Aus dem Bericht geht deutlich hervor, dass Arbeitslosigkeit die psychische Gesundheit belastet. Außerdem widersprechen die Ergebnisse der Metaanalyse von Paul & Moser (2006) dem Vorurteil, Arbeitslose wären einfach 'zu faul zum Arbeiten'.

Arbeit kann krank machen, Arbeitslosigkeit erst recht. Ob es 'schlimmer geworden' ist, läßt sich nicht so ohne weiteres sagen. Psychische Gesundheit ist auf jeden Fall eine Frage der Arbeitsbedingungen bzw. der Erwerbssituation. Die Schlußfolgerung, dass es vor allem darum gehen muss, Arbeitsbedingungen zu verbessern, ist trotzdem fragwürdig, denn es spielen eben auch persönliche und private Einflussfaktoren eine Rolle.

Fest steht: die Anzahl der Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund psychischer Störungen ist in den Jahren 2000 bis 2008 gestiegen - und das kann und sollte Anlass sein, etwas mehr über reale Arbeitsbedingungen nachzudenken.


Quelle:

Bericht der Psychotherapeutenkammer, 23.März 2010, PDF-Datei mit 24 Seiten

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Kann man Kommunikation trainieren?

Die sprechwissenschaftliche Forderung ist alt: Trainer brauchen eine Lizenz! Und das ist eben die Sprecherzieherprüfung, die es seit nunmehr...

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