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nicht so... sondern so...

Einfach. Praktisch. Zur Erinnerung. Der Zusammenhang: in der Problemlösegruppe tauchte die Frage auf, wie sich im Alltag Veränderungen gestalten lassen. Tja, da ist mir so manches klar geworden, aber wie setze ich das im Alltag um? Die alten Muster, die gewohnten Zusammenhänge, die sind schließlich noch da. Das ist ein Grundproblem, das in der stationären und auch in der ambulanten Psychotherapie immer wieder auftritt. Das Muster "nicht so... sondern so..." ist eine einfache Erinnerungshilfe, eine einfache Tabelle. Die erste Spalte nimmt als Stichwort oder einfache Formulierung die Dinge auf, die nicht mehr sein sollen, persönlich formuliert: das, was ich nicht mehr (tun) möchte. Und dann kommt auf der rechten Seite (der rechen Spalte) das hin, was ich stattdessen (tun) möchte. Zum Beispiel...: da stellt einer fest, dass er Konflikten gerne aus dem Weg geht. Und was nun stattdessen? Alle Konflikte austragen? Auch mal die eigenen Rechte in Anspruch nehmen? Auch mal sagen: das passt mir nicht? Die Antworten sind persönlich und es dauert vielleicht seine Zeit, eine passende Formulierung zu finden. Oder: statt "mich selbst immer wieder überfordern" eben so: "meine Grenzen respektieren und zum Ausdruck bringen, wenn ich etwas nicht (mehr) schaffe". Oder statt "es allen Recht machen wollen" eben so: "abwägen, was wichtig ist und Ansprüche verschiedener Menschen ausbalancieren".
Und so weiter. Die Liste kann sehr lang werden, vielleicht ist es empfehlenswert, die wichtigsten Punkte herauszufiltern. Und dann auszuprobieren, was sich davon wirklich umsetzen lässt. Das dauert vielleicht seine Zeit, nicht alles wird sofort gelingen.
Das Wichtigste ist die schlichte Erkenntnis, dass es eine Menge Dinge gibt, die auch irgendwie anders gehen. Und wenn das Andere sich dann als besser, gesünder herausstellt, lohnt es sich, das Neue auch beizubehalten. Oder die Liste zu überarbeiten.
Es ist nicht nötig, alte Muster, die sich als schädlich, unpassend oder unbrauchbar erwiesen haben, für immer und alle Zeit weiter zu nutzen. Es geht auch anders. Eben nicht so (wie bisher), sondern so (wie es besser ist).



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Lösungsorientierung und Ressourcen

Über Ressourcen nachzudenken, das hatte ich mir vorgenommen. Früher oder später muss hier auch die lösungsorientierte Kurztherapie zur Sprache kommen. Sie gehört zwar nicht zu den anerkannten Therapieverfahren, aber grundsätzliche Gedankengänge lassen sich auch in verhaltenstherapeutische Konzepte integrieren. Im Grunde auch in tiefenpsychologische Ansätze, dort aber würde der Begriff Ressourcenorientierung besser passen. Und jener Begriff (Ressourcenorientierung) taucht, oh Wunder, seit einigen Jahren auch in der Verhaltenstherapie auf. Aber dazu an anderer Stelle mehr...
Lösungsorientierung. Es hat etwas Konstruktives, bildet ein Gegengewicht zur typischen Defizitorientierung in der Psychotherapie. Es scheint, als seien Probleme wichtig, Kritik nötig, als müsse man Diagnostik verstehen als Problemanalyse. Diagnosesysteme wie das ICD-10 wimmeln nur so von vielen Dingen, die defizitär, eingeschränkt, gestört und sonst was sind. Und - ob nun durch freie Assoziation, die Analyse von Grundkonflikten nach der Operationalisierten Psychodynamischen Diagnostik (oder auch der älteren Strukturdiagnostik), mit der Verhaltensanalyse oder dem Bemühen um die Erkenntnis dysfunktionaler (maladaptiver) Schemata... immer geht es um das, was fehlt, nicht geht, schwierig oder krank ist. Es geht um Probleme, und dabei treten Lösungsansätze, die vielleicht schon vorhanden sind, sich andeuten oder bereits gären, leicht in den Hintergrund. In der Medizin gibt es eine ähnliche Gegenbewegung zur Pathogenese: die Salutogenese als Ansatz, mehr die Gesundheit in den Mittelpunkt zu stellen.
Man kann nach Problemen fragen oder Lösungen suchen, den Blick auf das Gestörte oder Kranke richten oder danach fragen, was Gesundheit ist und wie sie sich fördern lässt. Andere beurteilen und kritisieren, ihnen Vorwürfe machen, weil sie dieses oder jenes falsch machen - oder nach Potentialen fragen, die sich fördern lassen. Auch auf der internationalen Ebene (bezogen auf die Frage des Klimawandels) gab es natürlich viele Mängel zu entdecken... und jede Menge Ansatzpunkte für Kritik. Lösungsorientiert zu denken, das führt auch auf dieser Ebene schneller zur Frage nach Ressourcen - erneuerbare Energien, Wind und Wasser zum Beispiel. Auf unterschiedlichen Ebenen zeigen sich ähnliche Muster und es scheint, als sei hier wie da wesentlich mehr gewonnen, wenn man nach Lösungen sucht als sich beständig nur um die Problematik zu bemühen und zu dem Schluss zu kommen, dass doch alles ganz furchtbar ist. Oder werden wird. Zumal der Klimawandel und die globale Erwärmung im Moment nun wirklich nicht zum Wetter passt. so als würde die Erde erstmal eiskalt zurück schlagen wollen, bevor sie uns ordentlich einheizt...

Wenn in Deutschland der Begriff 'Kurztherapie' fällt, dann sind damit 25 oder 40 Sitzungen gemeint. Aus ursprünglich sechs Sitzungen wurden in der systemischen Kurztherapie schließlich nur noch fünf. Fünf Sitzungen - allerdings mit einem recht aufwendigen Rahmen. Vor allem aber: mit einem sehr stark konzentrierten Blick. Das funktioniert nicht immer, nicht bei allen Störungen, aber der Kern, die Grundgedanken - die lassen sich immer wieder als Orientierungsmarke heranziehen, wenn die Analyse einer bestimmten Problematik sehr umfangreich und beinahe uferlos wird. Man kann lange Zeit in der Vergangenheit suchen und Vieles dabei finden - und man kann Dutzende von Verhaltensanalysen anfertigen, um immer wieder neue Probleme zu entdecken.

Und nun... eine einfache Frage aus der Kurztherapie:

Nehmen wir an, das Problem wäre gelöst, was wäre dann anders?
 
Die Frage ist sehr allgemein gehalten - es ist völlig unklar, um welches Problem es sich handelt, es ist unklar, ob der Fragende überhaupt eine Ahnung davon hat, worum es sich handelt. Man kann eine solche Frage auch dann stellen, wenn das Problem irgendwie peinlich oder sehr kompliziert ist. Vielleicht würde es viele Stunden dauern, um das Problem überhaupt zu verstehen, auch nur annähernd zu erfassen, was alles wie und warum und wie lange schon damit zusammen hängt, welche Rolle dieser oder jener in der Geschichte damit zu tun hatte und überhaupt...
Lassen wir das Problem einmal beiseite. Wäre es gelöst, wäre etwas anders. Und das, was anders wäre... gibt vielleicht einen Hinweis auf einen Weg. Dass mit einer solchen einfachen Frage schon alles fertig und parat 'auf dem Tisch liegt', will ich nicht behaupten.
Aber es scheint, als würde sich so manches verändern, wenn mehr Energie auf die Frage gelenkt würde, wie eine Lösung aussehen könnte. Und überhaupt... woher wissen wir eigentlich, dass zuerst das Problem und dann die Lösung kommt?


Literatur:

Steve de Shazer (1995). Der Dreh. Überraschende Wendungen und Lösungen in der Kurzzeittherapie. 4. Auflage. Heidelberg: Carl-Auer-Systeme-Verlag.



s. auch:

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Probleme gemeinsam lösen

Wie kann man Probleme gemeinsam lösen? Geht das überhaupt? Als erster Denkanstoss zur eigenen Kommunikationsbiographie kann die Frage dienen, in welcher Situation solche Erfahrungen möglich waren und wie dort das Gespräch verlaufen ist. Lautet die Antwort "das kenne ich überhaupt nicht, bisher haben mir nur andere gesagt, was ich tun soll" oder: "bisher musste ich meine Probleme immer allein lösen, ich habe nie jemand gefunden, mit dem ich sie hätte besprechen können", fehlt etwas.
Etwas bescheidener gefragt: wo habe ich die Erfahrung gemacht, dass mich ein Gespräch einen Schritt weiterbringt? Dort ist vielleicht "mehr" zu finden. Und ich denke, es lohnt sich, einmal darüber nachzudenken, was das ist, das sich dort finden lässt.

Manchmal genügt ein kleiner Impuls, eine Idee, eine Anregung, um einen Problemlöseprozess in Gang zu bringen, am Laufen zu halten oder einen kleinen Schritt weiterzubringen. Impulse also können wertvoll sein, aber das ist nur ein Teil vom Ganzen.

Das Grundkonzept, das ich hier vorstellen möchte, beruht auf zwei Ansätzen. Zum einen auf der Denkpsychologie, die so allerlei nützliche Modelle liefert. Zum anderen auf dem Klärungsgespräch, das für Problemlöseprozesse eine sehr gute Grundlage liefert.
Anwendung kann und soll die Idee gemeinsamer Problemlösung vor allem dort finden, wo es um komplexe Probleme geht - ganz einfach deshalb, weil in solchen Situationen die Gruppe dem Einzelnen immer überlegen ist.

Probleme zu lösen als Aspekt der Lebensgestaltung ist zunächst eine individuelle Angelegenheit.

Das Denkmodell PISCO lässt sich aber auch als Strukturmodell für ein Problemgespräch nutzen. Es stammt von Edward de Bono und ist dargestellt in seinem Buch "Denkschule".

P steht für "Purpose", in der deutschen Übersetzung also "Zweck". Man kann auch sagen: "Ziel".

Zusammen mit den Prinzipien des Klärungsgesprächs, insbesondere mit dem Gedanken, den Gesprächsprozess offen zu halten, bieten sich hier öffnende Fragen an:

Worin besteht eigentlich das Problem? Was ist das Ziel? Was wollen wir erreichen?

An dieser Stelle geht es nicht um Vorschläge, schon gar nicht um Lösungen - es geht einfach um die Frage, wie sich ein Problem definieren lässt, was das Problematische am Problem ist und für wen. Das alle Beteiligten dieselbe Problemwahrnehmung haben, ist keinesfalls selbstverständlich. Einen bestimmten Sachverhalt als ein "Problem" zu sehen bedeutet nicht, dass es für alle anderen auch eines ist. Ein Problemgespräch zu gestalten bedeutet auch nicht, eine Lösung parat zu haben oder für andere eine Lösung zu liefern - gerade in pädagogischen und therapeutischen Zusammenhängen ist es wesentlich wertvoller, den Prozess im Auge zu behalten und Möglichkeiten zu schaffen, wie andere ihre Lösungen selbst finden können. Geht es dagegen um eine gemeinsame Problemsituation, ist die Wahrscheinlichkeit, dass gefundene Lösungen akzeptiert, getragen und umgesetzt werden, wesentlich höher, wenn sie eben nicht einseitig vorgegeben, sondern gemeinsam erarbeitet wurden.
Prozessorientiert gedacht geht es hier um die Klärung der Problemwahrnehmung, die Verständigung über verschiedene Sichtweisen und das Bemühen, eine gemeinsame Problemdefinition und Zielsetzung zu finden. Das wird vielleicht nicht immer gelingen - eine vorläufige Definition, eine grobe Problembeschreibung kann aber für den Anfang genügen.

I steht ursprünglich für "Input", also Eingabe, passender finde ich die Bezeichnung: Information.

Zum Klärungsgespräch gehört auch das Zusammentragen von Informationen, Sichtweisen und Perspektiven. In der Sprecherziehung wird das Klärungsgespräch auch als "Puzzle" bezeichnet - im günstigen Fall ergibt sich aus unterschiedlichen Bausteinen ein sinnvolles Ganzes. Dabei kann es sich allerdings auch zeigen, dass ein bestimmtes Problem mit den vorliegenden Informationen nicht gelöst werden kann. Als Leitfrage für Prozesse gemeinsamer Problemlösung kann deshalb die zielorientierte Informationssuche gelten:

Wo können wir Informationen finden, die uns helfen, das Problemfeld besser zu erfassen und uns einer Lösung näher bringen können?

Mit der Informationssammlung allein ist es aber nicht getan: das Strukturieren, Ordnen, Bewerten und Auswählen von Informationen führt in den Bereich des Informationsmanagements hinein.
Problemlösungen werden nicht allein dadurch besser, dass immer mehr Informationen zur Verfügung stehen - die Kunst und die Schwierigkeit besteht darin, relevante Informationen herauszufiltern, Schwerpunkte zu setzen und sich nicht zu sehr in Details zu verlieren, die nebensächlich oder irrelevant sind.

S steht für "Solution", also Lösung. Treffender scheint mir die Bezeichnung "Lösungsansätze"

Es gibt also ein Problem und es liegen Informationen vor, die das Problem betreffen. Ansätze sind vielleicht schon erkennbar, zeichnen sich durch Beweglichkeit aus. Der Begriff Beweglichkeit ist sehr wichtig - alles, was nicht beweglich ist, also nicht verändert werden kann, gehört zu den Rahmenbedingungen, die akzeptiert werden müssen - Lösungen lassen sich nur dort finden, wo sich etwas in Bewegung bringen und realisieren lässt. In den meisten Fällen gibt es mehrere Lösungen für ein bestimmtes Problem. Welche davon die Beste ist, lässt sich vielleicht nicht sofort erkennen. Wichtig ist vor allem, dass Ideen im Gespräch nicht zu früh beseite geschoben werden, sondern die Chance haben, sich zu entwickeln und zu entfalten.
Wenn die Zeit drängt, kann auch eine vorläufige Lösung tauglich sein - technische Entwicklungen etwa zeichnen sich häufig durch Lösungen aus, die nach und nach verbessert werden.

C steht für "Choice", also Wahl oder Entscheidung.

Während Informationssuche und das Bemühen um Lösungsansätze den Prozess öffnet, zielt der Prozess der Entscheidungsfindung auf einen Abschluss hin. Beraten kann man im Grunde endlos, es wird immer neue Informationen geben, die Anlass für ein neues Überdenken, kritisches Hinterfragen, neue Ansätze und spezifische Details geben können. Der kritische Faktor dabei ist die Zeit - Entscheidungen zu treffen verkürzt den Prozess, gelingt leichter, wenn akzeptiert wird, dass eine Lösung, die einigermaßen tragfähig ist, besser ist als ein endloser Prozess der Lösungssuche.

O steht für "Operate", also Handeln.

Die beste Lösung taugt nichts, wenn sie nicht realisiert wird. Individuelle Problemlöseprozesse unterscheiden sich dabei grundsätzlich von Methoden gemeinsamer Problemlösung. Die allgemeine Formulierung des Gesprächs als Verständigungshandlung "mit dem Ziel gemeinsamen Handelns" braucht im Einzelfall eine Differenzierung - denn Lösungen müssen nicht bedeuten, dass alle zusammen gemeinsam etwas tun. Möglich ist auch eine Aufgabenverteilung, eine Veränderung auf organisatorischer Ebene, ein Beschluss, oder das Handeln einer einzelnen Person.
Leitfrage also: wer soll was tun?

Soweit also das Grundmodell. Ob es sich in allen Situationen auf alle nur erdenklichen Probleme anwenden lässt, ist zweifelhaft. Als Orientierungshilfe, die sich bei Bedarf situativ anpassen lässt, steckt es immerhin einen Rahmen ab, in dem zentrale Elemente konstruktiver Prozesse beschrieben werden. Betrachtet man komplexe Problemlösungen als einen zielgerichteten und rückmeldegesteuerten Prozess, werden die einzelnen Phasen mehrfach auftreten - aus den Beobachtungen ergeben sich Hinweise darauf, ob die realisierten Handlungen "etwas gebracht haben", Korrekturen, Veränderungen, neue Ziele oder neue Informationen legen unter Umständen einen neuen Durchgang nahe. Anhand solcher Modelle lässt sich auch erkennen, wo etwas schief gehen kann:

  • Sind die Ziele unklar, fehlt die Grundlage für sinnvolle Entscheidungen, der Prozess läuft "irgendwo hin" und landet vielleicht an einer Stelle, die nicht erwünscht ist
  • Fehlen wichtige Informationen, bleiben Entscheidungen "in der Luft hängen" und können bestenfalls zufällig zu brauchbaren Ergebnissen führen
  • Bleiben Möglichkeiten ausgeklammert oder werden zu früh bestimmte Ansätze fokussiert, lassen sich zwar Lösungen finden - aber nicht unbedingt die beste
  • Werden notwendige Voraussetzung für die Realisierung bestimmter Handlungen übersehen, entsteht vielleicht ein "toller Plan", der aber letzten Endes doch nichts verändert.

Für die Entwicklung der Problemlösefähigkeiten in einer Gruppe ist die Rolle des Vorgesetzten genauso hinderlich wie die Parteinahme für eine bestimmte Position bzw, einen bestimmten Lösungsansatz. Beginnt das Gespräch mit der Prämisse, dass die Lösung im Grunde schon klar ist, die wichtigsten Entscheidungen schon getroffen sind, entsteht nicht mehr als ein Scheingespräch.
Die Grundregel des Klärungsgesprächs "sich gegenseitig ernst nehmen - als Person und in der Sache" fördert die Haltung, gemeinsam nach der Lösung für ein Problem zu suchen. Und dabei persönliche Konflikte zurückzustellen. Prozessdirektivität als handlungsleitendes Prinzip für eine Person, die das Gespräch leitet, bedeutet, sich inhaltlich zurückzuhalten, eigene Ideen und Vorstellungen zurückzuhalten und stattdessen zu beobachten, in welcher Phase sich die Gruppe befindet und vor allem durch öffnende Fragen (möglichst jeweils nur eine) den Prozess zu steuern.
Am Ende des Prozesses (bzw. eines vorher definierten Zeitabschnitts) sind Methoden der Integration, Zusammenfassung und Verständigungssicherung sinnvoll.


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Literatur:
DeBONO, E. (1995). Denkschule. München: Orbis Verlag.
GEISSNER, H. (1986). 2. Auflage. Sprecherziehung. Didaktik und Methodik der mündlichen Kommunikation. Frankfurt am Main: Scriptor.

Klärungsziele und Klärungsfragen

Für Klärungsprozesse sind Fragen sehr nützlich. Elemente des Klärungsgesprächs finden sich in vielen unterschiedlichen Alltagssituationen und zeigen sich nicht nur im direkten Gespräch, sondern auch in inneren (also: Denk-)Prozessen, die oft so stark automatisiert ablaufen, dass sie kaum bewusst werden. Klärungsziele und Klärungsfragen sind nicht nur in Sozialberufen von Bedeutung, auch in gewerblichen und technischen Aufgabenfeldern, in der Verwaltung, im Finanzwesen usw. sind sie unverzichtbar. Die folgende Zusammenstellung von Klärungszielen und Klärungsfragen erhebt nicht den Anspruch, für alle Bereiche vollständig und präzise genug zu sein. Sie beruht eher auf dem dumpfen Verdacht, dass so manches Problem leichter gelöst werden könnte (oder gar nicht aufgetreten wäre), wenn mehr und gründlicher geklärt würde. Professionalität zeigt sich auch in der Sorgfalt, mit der Klärungsprozesse gestaltet werden.
Wer zufriedene Kunden haben will, sollte unbedingt klären, was sie brauchen. Wer ein Auto reparieren will, sollte klären, was nicht funktioniert und warum es nicht funktioniert. Wer in einem bestimmten Bereich helfen, beraten, bilden oder therapeutisch arbeiten will, sollte klären, worin der Bedarf an Beratung, Bildung, Unterstützung usw. besteht. In vielen Berufsbereichen sind bewusst gestaltete, systematische Klärungsprozesse ein fester Bestandteil der Ausbildung und des beruflichen Alltags - Polizisten klären einen Unfallhergang, Versicherungskaufleute klären den Versicherungsbedarf, Lehrende fragen (manchmal) nach den Interessen ihrer Schüler, Methoden, Untersuchungen und diagnostische Verfahren werden eingesetzt, um Probleme zu klären. Nur im Privatleben, da scheinen die Muster gelegentlich zu fehlen… Lassen sich Konfliktfähigkeit und Beziehungsfähigkeit durch einen bewussteren Umgang mit Klärungsprozessen entwickeln? Was geschieht, wenn wir mehr und sorgfältiger klären?
Die Idee ist also, nicht nur das Klären zu entwickeln, sondern auch zu klären, WAS geklärt werden soll… und was in welcher Situation vielleicht besser geklärt werden sollte.

  • Klärung eines Problems (WAS ist FÜR WEN in WELCHER Situation ein Problem (und WARUM), WORIN besteht das Problem genau, WELCHE ART von Problem ist es, WELCHE Ansätze gibt es, das Problem zu lösen, WIE könnte eine Lösung aussehen, die realisierbar und (FÜR WEN?) akzeptabel ist?...)
  • Klärung eines Sachverhalts (WAS ist und WIE es ist…)
  • Klärung eines Ablaufs (WAS (in welcher Reihenfolge) geschehen ist…)
  • Klärung kausaler Zusammenhänge (WARUM bestimmte Dinge geschehen, welche Ursache welche Wirkung hat oder haben kann…)
  • Klärung von Sinnzusammenhängen (WIE welche Dinge in WELCHEM ZUSAMMENHANG verstanden werden können, WAS WOMIT zusammen hängt…)
  • Klärung subjektiven Erlebens (WIE eine bestimmte Situation erlebt wird, welche Bedeutung welche Aspekte haben, welche Gefühle und Gedanken damit verbunden sind…)
  • Klärung von Zielen und Absichten (WER WAS in welcher Situation WIE gemeint hat, WOZU bestimmte Aussagen gemacht wurden, WAS damit erreicht werden soll…)
  • Klärung einer Konfliktsituation (WELCHE ASPEKTE in WELCHER Situation nicht oder scheinbar nicht zusammen passen…)
  • Klärung von Standpunkten (WER in WELCHER FRAGE welche Auffassung vertritt und wie (und ob überhaupt) diese Auffassung begründet ist…)
  • Klärung von Rollen und Rollensegmenten (WER in welcher Rolle und welchem Rollensegment WEM in welcher Rolle und welchem Rollensegment begegnet und welche Probleme sich möglicherweise daraus ergeben…)
  • Klärung des Interventionsrechts (WER lässt sich VON WEM in welcher Situation, welcher ROLLE und welchem Rollensegment etwas sagen?)
  • Klärung von Beziehungen (WER sich VON WEM WAS wünscht, welche Erwartungen an wen in welchem Bereich mit welchem Anspruch gestellt werden…)
  • Klärung juristischer, formaler und organisatorischer Zusammenhänge (WELCHE Gesetze, Regelungen, Vorschriften, Verantwortlichkeiten, Entscheidungsbefugnisse, formale Vorgaben und organisatorische Rahmenbedingungen sind bei WELCHER Fragestellung zu beachten?)
  • Klärung von Konsequenzen (kurzfristige und langfristige, wahrscheinliche und mögliche, erwünschte und unerwünschte Folgen von Entscheidungen, Massnahmen oder Handlungen)

Ein extremes Beispiel soll verdeutlichen, welche Folgen es haben kann, wenn auch nur an einer Stelle zuwenig geklärt wird. In einer chemischen Fabrik gab es eine Explosion, eine ganze Halle brannte ab. An mehreren Stellen waren Schilder aufgehängt, das Rauchen war verboten. Dennoch warf einer eine Zigarette in ein „Wasserbecken“. Auf die Idee, dass die Flüssigkeit vielleicht brennbar und explosiv sein könnte, war er nicht gekommen… Inzwischen ist die Frage natürlich „geklärt“. Wie sagte Vince Ebert? Denken lohnt sich!
Klären, meine ich, lohnt sich auch.

Wenn die Lösung das Problem ist…

(aus der reihe „therapoesie“,
in memoriam paul watzlawick)

die lösung eines problems
kann das problem sein
das die lösung
des problems
verhindert

sich von der lösung
zu lösen
die das problem nicht löst
löst die verbindung
zwischen dem problem
von dem man sich nicht lösen kann

und der lösung
die keine ist

völlig losgelöst
bleibt nur die frage

wie erreiche ich,
was ich will?
und wenn nicht so
wie ich bisher dachte
wie dann?


P.S.: der LINK führt zu einem Vortrag, den Paul Watzlawick 1987 gehalten hat… mit demselben Titel. In diesem Vortrag werden Grundfragen problematischer Problemlösungen angesprochen – unter anderem die Bedeutung des Denkrahmens, der die Lösung eines Problems verhindern kann.

Kann man Kommunikation trainieren?

Die sprechwissenschaftliche Forderung ist alt: Trainer brauchen eine Lizenz! Und das ist eben die Sprecherzieherprüfung, die es seit nunmehr...

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