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Sonntag, 30. Januar 2011
druck
im steigenden druck
den ich als arbeitnehmer
in der produktion oder
im dienstleistungsbereich
erfahre
spiegelt sich
der steigende druck
den ich als kunde und konsument
von produkten und dienstleistungen
selbst ausübe
und so kommt es
dass die menschen
immer wieder
darunter leiden
sich selbst direkt
oder über umwege
ein problem
nach dem anderen
zu basteln
wir leiden an umständen
die wir nicht ändern zu können glauben
aber letzten endes
selbst geschaffen haben
Freitag, 23. April 2010
Peter Kruse: Netzwerke, Wirtschaft und Gesellschaft
Peter Kruse sprach während der re:publica 2010 über die Veränderungen, die Netzwerke in Wirtschaft und Gesellschaft auslösen. 30 Minuten, nicht ganz einfach, aber spannend.
Zentrale Themen und Denkanstöße aus dem Vortrag:
Worum geht es eigentlich bei den Debatten rund um das Internet? Welche Bedeutung haben Werte und Wertdifferenzen, die im Internet aufeinanderprallen?
Was würde es bedeuten, wenn man die Wertewelten, die unterschiedliche Gruppen von Internetnutzern vertreten, transparent machen könnte? Regeln verändern sich. Das Internet zwingt zum Umdenken. Machtverhältnisse verschieben sich und was das alles bedeutet, lässt sich noch kaum absehen. Wird die Gesellschaft neu politisiert?
*
Dienstag, 30. März 2010
Ungleicheit: ein Krebsgeschwür der Gesellschaft
Ein Artikel in der ZEIT: Interview mit dem britischen Sozialforscher Richard Wilkinson. Der Kerngedanke: Ungleichheit löst eine Menge an Problemen aus. Es gibt sehr viele Kommentare zu diesem Interview, in einem davon ist der Hinweis auf eine kritische Analyse der Theorie enthalten, dem ich dann doch einmal nachgehen wollte...
"Inequality as a Social Cancer" lautet der Titel des Artikels im Wall Street Pit, Ungleichheit also wird als 'sozialer Krebs' beschrieben. Darin wird das Buch erwähnt, das Richard Wilkinson und Kate Pickett geschrieben haben. Die zentrale Botschaft des Buches: Ungleichheit (also große Unterschiede im Einkommen) machen viele Dinge schlechter, um die wir uns Sorgen machen. 23 Staaten wurden untersucht, und dabei zeigten sich bestimmte Zusammenhänge:
Große Einkommensunterschiede führen zu...
"Inequality as a Social Cancer" lautet der Titel des Artikels im Wall Street Pit, Ungleichheit also wird als 'sozialer Krebs' beschrieben. Darin wird das Buch erwähnt, das Richard Wilkinson und Kate Pickett geschrieben haben. Die zentrale Botschaft des Buches: Ungleichheit (also große Unterschiede im Einkommen) machen viele Dinge schlechter, um die wir uns Sorgen machen. 23 Staaten wurden untersucht, und dabei zeigten sich bestimmte Zusammenhänge:
Große Einkommensunterschiede führen zu...
einer geringeren Lebenserwartung,
höherer Kindersterblichkeit,
einem größerem Ausmaß an psychischen Störungen,
mehr Fettleibigkeit,
einen höheren Anteil an Teenagerschwangerschaften,
mehr Mordfällen und
einer geringeren Aufwärtsmobilität.Soweit es sich dem Artikel entnehmen lässt, liegen Korrelationsdaten vor - damit sind Kausalaussagen streng genommen fragwürdig. Präziser ist also die Interpretation, dass zwischen sozialer Ungleichheit und vielen anderen Faktoren Zusammenhänge bestehen - und dort, wo es weniger Ungleichheit gibt, eben eine höhere Lebenserwartung, weniger Kindersterblichkeit, weniger psychische Störungen usw. auftreten.
Wilkinson und Pickett kommen zu dem Schluss, dass das Problem in reichen Staaten nicht darin besteht, dass sie nicht genug Geld haben (die Paradoxie der Aussage ist dabei ein Thema für sich, Stichwort Staatsverschuldung, Sonderthema...). Das Problem ist, dass die Einkommensunterschiede zu groß sind.
Und so denkt eben der eine darüber nach, ob er sich ein Brötchen kaufen kann, während der andere ein neues Hotel aufmacht... Nun bleibt der Autor des Artikels im Wall Street Pit (namentlich: Lane Kennworthy) aber skeptisch: kann man viele soziale Probleme lösen, wenn man einfach die Ungleichheit reduziert?
Aus methodischen und wissenschaftstheoretischen Überlegungen heraus kann ich mich dieser Skepsis direkt anschließen - denn die Schlußfolgerungen, die aus Korrelationsdaten kausale Aussagen ableitet, sind immer problematisch. Entsprechend fragt Lane Kennworthy dann auch: What's the causal link? Also: wo sind denn nun die kausalen Zusammenhänge, was ist Ursache und was Wirkung?
Überlegenswert: führt Ungleichheit im Einkommen zu einer Ungleichheit in der Gesundheitsversorgung, Bildung usw.? Als Beleg verweist er auf ein Buch von Kathryn Neckerman (wirklich mit einem 'N'!) aus dem Jahr 2004, in dem es um die deutlich größer gewordenen Einkommensunterschiede in den USA geht. Nun beziehen sich Wilkinson und Pickett ja auf Durchschnittswerte - und berücksichtigen dabei durchaus den Gedanken, dass dabei vermittelnde Faktoren im Spiel sein können.
Eine These zu diesen vermittelnden Faktoren lautet:
Ungleichheit verschärft den Konkurrenzkampf und damit Stress und Angst - und das schlagt sich in sozialer Dysfunktionalität nieder.
Sozialer Status ist also bei Ungleichheit sehr wichtig. Mit Kausalaussagen sind die beiden trotzdem vorsichtig:
"Greater inequality is likely to be accompanied by increased status competition and increased status anxiety." (Wilkinson & Pickett, zitiert nach Wall Street Pit).
Auf deutsch also: größere Ungleichheit wird von höherem Statuswettbewerb und erhöhter Statusangst begleitet.
Die eigentliche vermittelnde Variable ist Stress. Stress ordnen sie in drei zentrale Kategorien ein: niedriger Sozialstatus, fehlende Freundschaftsbeziehungen und Belastungen aus den ersten Lebensjahren. Diese Faktoren entscheiden darüber, wieviel Vertrauen man anderen Menschen entgegen bringen kann, in welchem Ausmass Ängste auftreten.
Die Aussagen über Stress und Psyche sind im Grunde nicht neu - dass die Psyche das Nervensystem und das Immunsystem beeinflusst und damit ein hohes Mass an Belastungen auch so allerlei körperliche und psychische Störungen auslösen kann, ist eine grundsätzliche Einsicht in der Psychosomatik. An dieser Stelle findet sich dann auch die Erklärung für den merkwürdig anmutenden Zusammenhang 'Ungleichheit macht fett': ein hohes Mass an Stressbelastung beeinflusst das Ernährungsverhalten und (nette Formulierung:) 'makes us put on weight in the worst places'. Also: das Fett sammelt sich an den denkbar ungünstigsten Stellen an (wo das ist, darf jede/r selbst erraten). Nach diesem Ausflug in die sozialökonomische Ökotrophologie ein kurzer Blick auf den Bildungsbereich. Lernen geschieht am besten in einer entspannten, anregenden Umgebung - starke negative Gefühle stören. Auch das ist nicht neu.
Der kritische Einwand, den Lane Kennworthy zum Buch von Wilkinson und Pickett vorbringt, bezieht sich auf die Frage, wie stark der Zusammenhang zwischen Ungleichheit und Konkurrenzdenken denn nun wirklich ist. Bezogen auf die USA führt er hier die optimistische Einschätzung der Amerikaner an, aufwärtsmobil sein zu können. Anders formuliert: soziale Ungleichheit ist als Problem weniger gravierend, wenn es Möglichkeiten gibt, durch sozialen Aufstieg den unteren Einkommensregionen zu entkommen. Das nun ist durchaus eine handfeste These, die wiederum für die Vorstellung spricht, dass viele Faktoren im Spiel sind und eine einfache Aussage über Ursache und Wirkung nicht so ganz - zumindest nicht durchgängig - stimmen kann.
Provisorisch möchte ich den Zusammenhang (unter Berücksichtigung des Einwands von Kennworthy) einmal neu formulieren:
Soziale Ungleichheit ist die Wurzel vieler Probleme. Besonders problematisch aber wird es, wenn es für die Angehörigen im Niedrig(st)lohnsektor keine Möglichkeit gibt, sich (bezogen auf Status und Einkommen) zu verbessern. Weiter oben ist es aber auch schwer: wer ein Wedekinggehalt bezieht, Außenminister oder Papst geworden ist, hat wirklich nicht mehr viele Möglichkeiten, sich beruflich zu verbessern...
Weitere Einwände beziehen sich auf die einzelnen Zusammenhänge, zwischen Ungleichheit und Lebenserwartung etwa - und sie folgen immer wieder der Frage, wie groß und wie eindeutig die Korrelationen wirklich sind. Bezieht man sich etwa auf die Daten der Luxemburger Einkommensstudie, läßt sich der Zusammenhang zwischen Einkommen und Lebenserwartung nicht bestätigen. Und der Grund liegt eben darin, dass hier einige Länder nicht berücksichtigt sind - damit ist aber auch die These widerlegt, dass große Einkommensunterschiede in allen Ländern zu einer geringeren Lebenserwartung führen. Längssschnittstudien zeigen außerdem, dass in manchen Ländern soziale Ungleichheit und die Lebenserwartung gleichzeitig gestiegen sind. Im Vergleichszeitraum zwischen 1980 und 2005 gilt das für die meisten europäischen Länder - und auch für die USA.
Wenn es zu einem bestimmten Zeitpunkt im Vergleich verschiedener Länder einen Zusammenhang zwischen Ungleichheit und Aspekten der Lebensqualität gibt - dann müsste sich doch dieser Zusammenhang auch innerhalb eines Landes zeigen, wenn man einen längeren Zeitraum betrachtet. Dieser Einwand ist bedenkenswert, denn er macht die Prognose (Ungleichheit abbauen und damit viele andere Probleme ebenfalls lösen oder zumindest entschärfen) sehr fragwürdig.
Es wäre schön, wenn es so einfach wäre - "I wish it were that simple", schreibt Kennworthy. Leider muss ich ihm da zustimmen. Als Theorie möchte ich den Ansatz von Wilkinson & Pickett nicht verwerfen, auch wenn einzelne Hypothesen mehr als wackelig sind. Aber die Vorstellung 'jetzt bauen wir mal die soziale Ungleichheit ab, dann wird sich schon manches andere auch richten' ist dann doch zu naiv.
So einfach ist es eben nicht. Trotz allem - man kann sich ja auch darin irren, dass man sich irrt. Vielleicht ist am postulierten Zusammenhang ja doch mehr dran, als sich im Moment erkennen lässt.
Bleibt noch zu erwähnen, dass es eine von Wilkinson und Pickett gegründete Stiftung "Gleichheit" gibt - dort lassen sich auch Hintergrundinformationen in englischer Sprache als PDF-Dateien herunterladen.
Literatur:
Richard Wilkinson & Kate Prickett (2010). Gleichheit ist Glück. Warum gerechte Gesellschaften für uns alle besser sind.
Quellen:
DIe Mittelklasse irrt - Interview mit Richard Wilkinson. DIE ZEIT, Abruf am 30.03.2010.
Lane Kennworthy. Inequality as a Social Cancer. Wall Street Pit, Abruf am 30.03.2010.
Die Aussagen über Stress und Psyche sind im Grunde nicht neu - dass die Psyche das Nervensystem und das Immunsystem beeinflusst und damit ein hohes Mass an Belastungen auch so allerlei körperliche und psychische Störungen auslösen kann, ist eine grundsätzliche Einsicht in der Psychosomatik. An dieser Stelle findet sich dann auch die Erklärung für den merkwürdig anmutenden Zusammenhang 'Ungleichheit macht fett': ein hohes Mass an Stressbelastung beeinflusst das Ernährungsverhalten und (nette Formulierung:) 'makes us put on weight in the worst places'. Also: das Fett sammelt sich an den denkbar ungünstigsten Stellen an (wo das ist, darf jede/r selbst erraten). Nach diesem Ausflug in die sozialökonomische Ökotrophologie ein kurzer Blick auf den Bildungsbereich. Lernen geschieht am besten in einer entspannten, anregenden Umgebung - starke negative Gefühle stören. Auch das ist nicht neu.
Der kritische Einwand, den Lane Kennworthy zum Buch von Wilkinson und Pickett vorbringt, bezieht sich auf die Frage, wie stark der Zusammenhang zwischen Ungleichheit und Konkurrenzdenken denn nun wirklich ist. Bezogen auf die USA führt er hier die optimistische Einschätzung der Amerikaner an, aufwärtsmobil sein zu können. Anders formuliert: soziale Ungleichheit ist als Problem weniger gravierend, wenn es Möglichkeiten gibt, durch sozialen Aufstieg den unteren Einkommensregionen zu entkommen. Das nun ist durchaus eine handfeste These, die wiederum für die Vorstellung spricht, dass viele Faktoren im Spiel sind und eine einfache Aussage über Ursache und Wirkung nicht so ganz - zumindest nicht durchgängig - stimmen kann.
Provisorisch möchte ich den Zusammenhang (unter Berücksichtigung des Einwands von Kennworthy) einmal neu formulieren:
Soziale Ungleichheit ist die Wurzel vieler Probleme. Besonders problematisch aber wird es, wenn es für die Angehörigen im Niedrig(st)lohnsektor keine Möglichkeit gibt, sich (bezogen auf Status und Einkommen) zu verbessern. Weiter oben ist es aber auch schwer: wer ein Wedekinggehalt bezieht, Außenminister oder Papst geworden ist, hat wirklich nicht mehr viele Möglichkeiten, sich beruflich zu verbessern...
Weitere Einwände beziehen sich auf die einzelnen Zusammenhänge, zwischen Ungleichheit und Lebenserwartung etwa - und sie folgen immer wieder der Frage, wie groß und wie eindeutig die Korrelationen wirklich sind. Bezieht man sich etwa auf die Daten der Luxemburger Einkommensstudie, läßt sich der Zusammenhang zwischen Einkommen und Lebenserwartung nicht bestätigen. Und der Grund liegt eben darin, dass hier einige Länder nicht berücksichtigt sind - damit ist aber auch die These widerlegt, dass große Einkommensunterschiede in allen Ländern zu einer geringeren Lebenserwartung führen. Längssschnittstudien zeigen außerdem, dass in manchen Ländern soziale Ungleichheit und die Lebenserwartung gleichzeitig gestiegen sind. Im Vergleichszeitraum zwischen 1980 und 2005 gilt das für die meisten europäischen Länder - und auch für die USA.
Wenn es zu einem bestimmten Zeitpunkt im Vergleich verschiedener Länder einen Zusammenhang zwischen Ungleichheit und Aspekten der Lebensqualität gibt - dann müsste sich doch dieser Zusammenhang auch innerhalb eines Landes zeigen, wenn man einen längeren Zeitraum betrachtet. Dieser Einwand ist bedenkenswert, denn er macht die Prognose (Ungleichheit abbauen und damit viele andere Probleme ebenfalls lösen oder zumindest entschärfen) sehr fragwürdig.
Es wäre schön, wenn es so einfach wäre - "I wish it were that simple", schreibt Kennworthy. Leider muss ich ihm da zustimmen. Als Theorie möchte ich den Ansatz von Wilkinson & Pickett nicht verwerfen, auch wenn einzelne Hypothesen mehr als wackelig sind. Aber die Vorstellung 'jetzt bauen wir mal die soziale Ungleichheit ab, dann wird sich schon manches andere auch richten' ist dann doch zu naiv.
So einfach ist es eben nicht. Trotz allem - man kann sich ja auch darin irren, dass man sich irrt. Vielleicht ist am postulierten Zusammenhang ja doch mehr dran, als sich im Moment erkennen lässt.
Bleibt noch zu erwähnen, dass es eine von Wilkinson und Pickett gegründete Stiftung "Gleichheit" gibt - dort lassen sich auch Hintergrundinformationen in englischer Sprache als PDF-Dateien herunterladen.
Literatur:
Richard Wilkinson & Kate Prickett (2010). Gleichheit ist Glück. Warum gerechte Gesellschaften für uns alle besser sind.
Quellen:
DIe Mittelklasse irrt - Interview mit Richard Wilkinson. DIE ZEIT, Abruf am 30.03.2010.
Lane Kennworthy. Inequality as a Social Cancer. Wall Street Pit, Abruf am 30.03.2010.
Dienstag, 15. September 2009
Internationaler Tag der Demokratie
Der 15. September ist der Internationale Tag der Demokratie.
Was es mit diesem Tag auf sich hat, ist wohl nicht allzu bekannt, deshalb möchte ich die Grundgedanken aus den Seiten der UN ins Deutsche übersetzen. Etwas vereinfacht. Dafür aber auch kommentiert. Am 8.November des Jahres 2007 wurde er ausgerufen - das heisst, es gab ihn erst ein einziges Mal. Und heute, am 15. September 2009, gibt es ihn also zum zweiten Mal. Er wurde nicht eigens dafür erfunden, kurz vor der Bundestagswahl über Demokratie nachzudenken, aber nachdem es in diesem Jahr nun einmal so ist, bietet sich der Tag wohl doch dafür an. Es soll ja eine Einladung sein, nicht nur für die Mitgliedsländer der UN, sondern für alle Organisationen, ob sie nun in irgendeiner Form an der Regierung beteiligt sind oder nicht, über den Zustand der Demokratie auf der Welt nachzudenken, Bilanz zu ziehen gewissermassen.
Was ist Demokratie eigentlich?
"Democracy is as much a process as a goal..."
Demokratie ist ein Prozess und ein Ziel. Nun könnte man sagen, das Ziel ist erreicht, sobald ein Staat eine demokratische Verfassung hat. Und Kritiker können einwenden, dass Verfassung und Verfassungswirklichkeit schließlich zwei Paar Stiefel sind. Das Zitat geht noch weiter:
"Democracy is as much a process as a goal and only with the full participation of and support by the international community, the national governing bodies, civil society and individuals, can the ideal of democracy be made into a reality to be enjoyed by everyone, everywhere."
Participation: von Partizipation zu sprechen ist zwar eine Übersetzung, erläutert aber auch nicht sehr viel mehr. Begriffe wie "Teilhabe" oder "Mitwirkung" bringen wohl deutlicher zum Ausdruck, worum es hier geht. Eben um mehr als nur eine Verfassung auf dem Papier. Es geht um das, was tatsächlich gelebt wird. Im Zitat wird aufgezählt, wer da alles mitwirken soll:
- die internationale Gemeinschaft,
- nationale Regierungen
- die Zivilgesellschaft und
- Individuen, ich möchte einmal übersetzen: jeder Einzelne.
Demokratie, so der Text der UN, ist ein Ideal, das nur durch das Zusammenwirken vieler Einzelner Realtität werden kann, damit "jeder, überall" in den Genuss kommt, von ihr zu profitieren.
Die Frage, "wieviel davon" wirklich Realität geworden ist, wo und wie in welchem Zusammenhang tatsächlich Mitbestimmung, Partizipation, Teilhabe möglich ist, kann jede und jeder für sich beantworten. Dort zumindest, wo es Menschen gibt, die "nichts zu sagen haben", die schweigen, verstummt sind oder zum Schweigen gebracht wurden, Orte, an denen andere Meinungen nicht erlaubt, nicht geduldet sind, dort sind die Orte, an denen Demokratie nicht existiert.
Was es mit diesem Tag auf sich hat, ist wohl nicht allzu bekannt, deshalb möchte ich die Grundgedanken aus den Seiten der UN ins Deutsche übersetzen. Etwas vereinfacht. Dafür aber auch kommentiert. Am 8.November des Jahres 2007 wurde er ausgerufen - das heisst, es gab ihn erst ein einziges Mal. Und heute, am 15. September 2009, gibt es ihn also zum zweiten Mal. Er wurde nicht eigens dafür erfunden, kurz vor der Bundestagswahl über Demokratie nachzudenken, aber nachdem es in diesem Jahr nun einmal so ist, bietet sich der Tag wohl doch dafür an. Es soll ja eine Einladung sein, nicht nur für die Mitgliedsländer der UN, sondern für alle Organisationen, ob sie nun in irgendeiner Form an der Regierung beteiligt sind oder nicht, über den Zustand der Demokratie auf der Welt nachzudenken, Bilanz zu ziehen gewissermassen.
Was ist Demokratie eigentlich?
"Democracy is as much a process as a goal..."
Demokratie ist ein Prozess und ein Ziel. Nun könnte man sagen, das Ziel ist erreicht, sobald ein Staat eine demokratische Verfassung hat. Und Kritiker können einwenden, dass Verfassung und Verfassungswirklichkeit schließlich zwei Paar Stiefel sind. Das Zitat geht noch weiter:
"Democracy is as much a process as a goal and only with the full participation of and support by the international community, the national governing bodies, civil society and individuals, can the ideal of democracy be made into a reality to be enjoyed by everyone, everywhere."
Participation: von Partizipation zu sprechen ist zwar eine Übersetzung, erläutert aber auch nicht sehr viel mehr. Begriffe wie "Teilhabe" oder "Mitwirkung" bringen wohl deutlicher zum Ausdruck, worum es hier geht. Eben um mehr als nur eine Verfassung auf dem Papier. Es geht um das, was tatsächlich gelebt wird. Im Zitat wird aufgezählt, wer da alles mitwirken soll:
- die internationale Gemeinschaft,
- nationale Regierungen
- die Zivilgesellschaft und
- Individuen, ich möchte einmal übersetzen: jeder Einzelne.
Demokratie, so der Text der UN, ist ein Ideal, das nur durch das Zusammenwirken vieler Einzelner Realtität werden kann, damit "jeder, überall" in den Genuss kommt, von ihr zu profitieren.
Die Frage, "wieviel davon" wirklich Realität geworden ist, wo und wie in welchem Zusammenhang tatsächlich Mitbestimmung, Partizipation, Teilhabe möglich ist, kann jede und jeder für sich beantworten. Dort zumindest, wo es Menschen gibt, die "nichts zu sagen haben", die schweigen, verstummt sind oder zum Schweigen gebracht wurden, Orte, an denen andere Meinungen nicht erlaubt, nicht geduldet sind, dort sind die Orte, an denen Demokratie nicht existiert.
Mittwoch, 22. Juli 2009
Was machen die anderen?
Im Zusammenhang der Frage nach dem Sinn oder Unsinn von Blogs wollte ich einmal wissen, wie gross denn das Interesse an den Lebenskonzepten anderer Menschen ist. Dazu gibt es eine Umfrage bei Statista, in der genau dieses Thema untersucht wurde. 19210 Personen ab 14 Jahre wurden dazu befragt, die Erhebung fand im Frühjahr und Sommer 2006 statt.
Mit einem Durchschnittswert von 3,8 liegen die Frauen gegenüber dem Wert von 3,5 bei Männern vorn: das Interesse an dem, was andere aus ihrem Leben machen, ist größer. Die Skala wurde von 1 bis 6 gestaltet, zusammenfassend ergibt sich also ein durchschnittliches Interesse von "eher ja".
Ein leichter Trend zeigt sich dabei in Abhängigkeit vom Haushaltseinkommen - Leute, die wenig Geld haben, interessieren sich auch weniger für das, was andere aus ihrem Leben machen.
Zum Vergleich: die Frage "Merken Sie in manchen Lebensbereichen, dass andere sich nach Ihnen richten" zeigt im Vergleich der Geschlechter den gegenläufigen Trend. Männer haben eher den Eindruck, "Orientierungsmarke" zu sein als Frauen.
Auch hier gibt es einen einkommensabhängigen Trend, der etwas deutlicher ausfällt als bei der ersten Frage.
Die Zahlen möchte ich einmal so stehen lassen - welche Schlussfolgerungen sich daraus ableiten lassen, soll als Denkanstoss offen bleiben. Insgesamt aber lässt sich die Frage, ob und inwieweit die eigene Lebensgestaltung an den Vergleich mit anderen gebunden ist, selbst als Bestandteil des Lebensentwurfs betrachten. Irgendwo zwischen den Polen "ich tue das, was ich für richtig halte, was andere machen ist mir gleichgültig" und "ich orientiere mich an dem, was andere tun" wird sich wohl jeder und jede finden können. An wem man sich dabei orientiert, ob es um Interesse oder Angleichung geht und in welcher Frage welcher Grad an Autonomie sinnvoll ist - das ist ein weites Feld.
s. auch:
Interessen im Gespräch
Mit einem Durchschnittswert von 3,8 liegen die Frauen gegenüber dem Wert von 3,5 bei Männern vorn: das Interesse an dem, was andere aus ihrem Leben machen, ist größer. Die Skala wurde von 1 bis 6 gestaltet, zusammenfassend ergibt sich also ein durchschnittliches Interesse von "eher ja".
Ein leichter Trend zeigt sich dabei in Abhängigkeit vom Haushaltseinkommen - Leute, die wenig Geld haben, interessieren sich auch weniger für das, was andere aus ihrem Leben machen.
Zum Vergleich: die Frage "Merken Sie in manchen Lebensbereichen, dass andere sich nach Ihnen richten" zeigt im Vergleich der Geschlechter den gegenläufigen Trend. Männer haben eher den Eindruck, "Orientierungsmarke" zu sein als Frauen.
Auch hier gibt es einen einkommensabhängigen Trend, der etwas deutlicher ausfällt als bei der ersten Frage.
Die Zahlen möchte ich einmal so stehen lassen - welche Schlussfolgerungen sich daraus ableiten lassen, soll als Denkanstoss offen bleiben. Insgesamt aber lässt sich die Frage, ob und inwieweit die eigene Lebensgestaltung an den Vergleich mit anderen gebunden ist, selbst als Bestandteil des Lebensentwurfs betrachten. Irgendwo zwischen den Polen "ich tue das, was ich für richtig halte, was andere machen ist mir gleichgültig" und "ich orientiere mich an dem, was andere tun" wird sich wohl jeder und jede finden können. An wem man sich dabei orientiert, ob es um Interesse oder Angleichung geht und in welcher Frage welcher Grad an Autonomie sinnvoll ist - das ist ein weites Feld.
s. auch:
Interessen im Gespräch
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