Psychosophie

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In der Begegnung mit anderen Menschen können wir uns selbst und andere besser verstehen lernen. Wenn wir miteinander sprechen, begegnen sich subjektive Welten. Vielleicht entstehen daraus Einsichten, die für das je eigene Leben von Bedeutung sind.

Freitag, 21. Mai 2010

Musik macht stark, schlau und beruhigt

'Eine Sonate täglich, 30 Minuten lang': so lautete die Dosierung des Medikaments "Mozart" für frühgeborene Babies, deren Entwicklung gefördert werden sollte. Dr. Dror Mandel und Dr. Ronit Lubetzky (Tel Aviv) stellten dabei fest, dass Mozart das Wachstum förderte - die Babies wurden ruhiger, verbrauchten weniger Energie, nahmen deshalb schneller zu und wurden stärker. Mozart wirkt also beruhigend auf Neugeborene, aber die musikpsychologische Forschung interessiert sich noch für ganz andere Fragen: macht Mozart denn auch schlau?
An der Universität gingen Jakob Pietschnig, Martin Voracek und Anton K. Formann dieser Frage nach. Vorausgegangen war eine Studie aus dem Jahr 1993, in der Frances H. Rauscher (Unversity of Califonia) bei Studenten höhere geistige Fähigkeiten bei Studenten beobachtet hatte, die zuvor Mozarts Sonate für zwei Klaviere (KV 448) gehört hatten. Fünf Jahre später wurde deshalb in Georgia ein Gesetz erlassen, das jeder Mutter eines Neugeborenen eine CD mit klassischer Musik zubilligte. In Florida wurde ein Gesetz verabschiedet, das in jeder Kinderkrippe mindestens eine Stunde klassischer Musik pro Tag vorsah. So ganz überzeugt war die Fachwelt allerdings nicht davon, dass Mozart (die Musik wohlgemerkt, nicht die Mozartkugeln!) wirklich schlau macht... Replikationsstudien wollte es nicht so recht gelingen, den Effekt erneut nachzuweisen. An der Uni in Wien wurden deshalb 40 Studien mit einer Metaanalyse untersucht, um herauszufinden, ob es diesen 'Mozarteffekt' denn nun wirklich gibt. Bestätigen konnten sie die Forscher ihn nicht - und bezeichen den Mozarteffekt als eine Legende, das Hören allein macht nicht schlauer.
Aber gut für das Herz soll es sein.... Ob das nun wieder stimmt, untersuchten J.Bradt und C.Dileo in Philadelphia. Nach der Sichtung von 23 Studien mit insgesamt 1.461 Patienten, die sich nach einem Herzinfarkt in einer Klinik befanden. Nur zwei davon bezogen sich direkt auf die Wirkung von Musiktherapie, die meisten untersuchten einfach den Effekt von Musik-CDs. Herzschlag und Blutdruck gehen zurück, Ängste lassen sich reduzieren, die Stimmung lässt sich verbessern. Insgesamt ist die Formulierung eher vorsichtig: "music listening may be beneficial for heart diesease patients" - Musik zu hören kann für Herzpatienten heilsam sein. Dass sich dabei auch begleitende Depressionen lindern lassen, lässt sich nicht bestätigen. Offen bliebt dabei, welche Art von Musik, welcher Stil wirksam ist und wo die Möglichkeiten einer spezifischen Musiktherapie liegen.
Was macht denn nun Musik angenehm, welche Elemente sind es, die darüber entscheiden, ob Musik 'gefällt', 'gut klingt' oder als schrecklicher Missklang empfunden wird? Josh McDermott et. al. befragten in Minnesota 250 Studenten nach ihren Höreindrücken, varrierten dabei Klänge, harmonische und disharmonische Frequenzen. Harmonische Klänge werden meist als angenehmer empfunden - und das vor allem von jenen, die selbst ein Instrument zu spielen gelernt haben. Ob diese Ergebnisse in anderen Kulturen genauso aussehen, bezweifeln die Forscher - die naheliegende Annahme besagt, dass das Angenehme in der Musik eben auch eine Frage der Hörgewohnheiten ist. Dort also, wo andere Klänge und Rhythmen stärker verbreitet sind, wird auch eine andere Art von Musik als angenehm empfunden. Unterschiede und Vielfalt sind nicht die Ausnahme, sondern die Regel.

Musik bleibt also immer auch Geschmackssache, kann sehr angenehme Wirkungen haben, beruhigen und besänftigen, ist aber auch kein Wundermittel, das alle Probleme löst und Genialität aus dem Kopfhörer zaubert. Eine persönliche Frage also, der sich nachzugehen lohnt: was gefällt mir persönlich? Was tut mir gut, wirkt auf mich angenehm, anregend oder entspannend? Dabei muss es nicht immer Mozart sein. Aber es kann. Womöglich wird der eine oder die andere dabei doch schlauer?


Literatur:

Bradt J, Dileo C. Music for stress and anxiety reduction in coronary heart disease patients. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2009, Issue 2. Art. No.: CD006577 DOI: 0.1002/14651858.CD006577.pub2

Josh H. McDermott, Andriana J. Lehr, and Andrew J. Oxenham. Individual Differences Reveal the Basis of Consonance. Current Biology, 2010; DOI: 10.1016/j.cub.2010.04.019

Jakob Pietschnig, Martin Voracek, Anton K. Formann. Mozart effect-Shmozart effect: A meta-analysis. Intelligence, 2010; 38 (3): 314 DOI: 10.1016/j.intell.2010.03.001

Frances H. Rauscher, Gordon L. Shaw, Catherine N. Ky. Music and spatial task performance. Nature, 1993; 365 (6447): 611 DOI: 10.1038/365611a0

Quellen:

American Friends of Tel Aviv University (2010, January 8). Mozart therapy: A sonata a day keeps the doctor away. ScienceDaily. Retrieved May 21, 2010, from http://www.sciencedaily.com/releases/2010/01/100107132551.htm

University of Vienna (2010, May 10). Mozart's music does not make you smarter, study finds. ScienceDaily. Retrieved May 21, 2010, from 

Wiley - Blackwell (2009, April 16). Music Reduces Stress In Heart Disease Patients. ScienceDaily. Retrieved May 21, 2010, from 

Cell Press (2010, May 20). What makes music sound so sweet (or not). ScienceDaily. Retrieved May 21, 2010, from 

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