Psychosophie

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In der Begegnung mit anderen Menschen können wir uns selbst und andere besser verstehen lernen. Wenn wir miteinander sprechen, begegnen sich subjektive Welten. Vielleicht entstehen daraus Einsichten, die für das je eigene Leben von Bedeutung sind.

Dienstag, 15. Dezember 2009

Celina und das Böse

Celina gehört zu den beeindruckendsten Gestalten, die mir in der Raumstation Orbital Alpha begegnet sind. Ich vermute, es wird noch eine Zeit dauern, bis ich ihre Worte so halbwegs verstanden habe. Mit 91 Jahren werde es langsam ruhiger in ihrem Leben, erzählte sie. Mehrere Weltreisen und das beständige Nachdenken über die zentralen Fragen des menschlichen Daseins hatten ihr Leben geprägt. Was ich nicht wusste war, dass es auf Orbital Alpha auch einen künstlich angelegten Garten gab. Mehrere sogar. Jener Garten, den sie mir zeigen wollte, hatte einen Teich, der wie ein Brunnen aussah - mehrere Meter tief, schätzte ich. Unten konnte man das Wasser sprudeln sehen, es wurde beständig umgewälzt.
Der Grund, warum sie sich hier öfter aufhielt, war die Möglichkeit, bis auf den Grund zu sehen. Und das schließlich war ein Grundprinzip ihres Lebens gewesen. Den Dingen auf den Grund gehen.
Der 'Trieb, überall zuhause zu sein' hatte sie 'heimatlos' gemacht - und so war sie eben auf der Station gelandet. Betrachtete es als ihre Aufgabe, ihre Erkenntnisse weiter zu geben. Oder zumindest aufzuschreiben. Die Menschen hatten sie enttäuscht - auf der Suche nach dem wahrhaft guten Leben hatte sie so viele und einander widersprechende Antworten gefunden, dass es überall und nirgends zu sein schien, das Gute. Allgegenwärtig dagegen das Böse. Und über das, was gut und was böse sei, habe sie ebenfalls sehr viele unterschiedliche Aufassungen zu hören bekommen. Das alles hatte sie eine Zeit lang so verwirrt, dass sie nicht mehr zu wissen glaubte, woran sie sich noch orientieren könnte. Sicher, kluge und weise Menschen seien ihr oft begegnet - aber alle waren auf ihre Art geprägt durch ihre Kultur, durch ihren Glauben, ihre Weltanschauung. "Das Gute oder das Böse an sich gibt es nicht", meinte sie, "es hängt alles davon ab, wie man sich selbst definiert. Für die meisten ist das gut, was ihnen nützt, und das schlecht, was ihnen nicht nützt, böse sind immer die anderen. Alle wollen die Guten sein. Und deshalb - ist das Böse in allen. Dort aber will es niemand haben - also sehen es alle woanders. Und das Schlimmste ist: der Glaube, dass man das Böse nur mit Gewalt besiegen könne, sitzt so tief, dass man damit jede Form von Gewalt rechtfertigen kann. Und wenn die Guten gewalttätig werden, dann ist plötzlich das Böse gut. Alles Schlechte aber hat auch sein Gutes und alles Gute auch sein Schlechtes."

Ihre langen weissen Haare spiegelten sich im Wasser. Meine Hoffnung, dass da noch etwas kommen würde, erfüllte sich nicht. Mit einem großen Fragezeichen wachte ich auf. Wenn es Kriege gibt, ist das Böse immer auf beiden Seiten. Aber wen interessiert das schon.


Kommentare:

  1. Alles hat zwei Seiten´, leider definiert sich Leben so. Keine Aussicht auf das Nur-Gute. Man solls aber nicht zu pessimistisch nehmen.
    Ich wünsche Dir noch schöne Adventstage und freue mich, dass Du in meinem Blog den 1001. Kommentar geschrieben hast. :))

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  2. Aha, das Licht auf meinem Blog ist wohl wieder angeknipst... Soll ich denn jetzt etwas über die Märchen aus 1001 Nacht schreiben?

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