Psychosophie

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In der Begegnung mit anderen Menschen können wir uns selbst und andere besser verstehen lernen. Wenn wir miteinander sprechen, begegnen sich subjektive Welten. Vielleicht entstehen daraus Einsichten, die für das je eigene Leben von Bedeutung sind.

Sonntag, 24. Januar 2010

Aufmerksamkeit im Gespräch

Aufmerksamkeit hat zunächst einmal etwas mit der Wahrnehmung zu tun. Aber es geht nicht einfach darum, die Augen aufzumachen, die Ohren aufzumachen, die ja sowieso offen sind und keine Ohrenlider haben - was für den einen oder die andere gelegentlich eher bedauerlich sein mag. Klar ist: so wie ein Computer nur einen begrenzten Arbeitsspeicher hat und nicht mehr richtig arbeiten kann, wenn es zuviel wird, ist auch die Verarbeitungskapazität des menschlichen Gehirns begrenzt. Es liegt nahe, dass die Aufmerksamkeit schwankt und deshalb auch mehr Fehler passieren können, wenn jemand abgelenkt wird. Telefonieren oder Gespräche führen während einer Autofahrt - das kann am Steuer zum Problem werden. Neu ist - dass auch das Gegenteil gilt. Zumindest belegt eine neue Studie, dass umgekehrt auch das Autofahren die sprachlichen Fähigkeiten begrenzt und einschränkt.
Man kann sich einfach dabei schwer auf ein Gespräch konzentrieren - die Fähigkeit, Sprache zu benutzen und Sprache zu verstehen, nimmt ab. Art Kramer, Professor für Sozialpsychologie in Illinois, beschreibt das sehr drastisch: "This study shows that various aspects of language go to hell when you're driving" - verschiedene Aspekte der Sprache gehen beim Autofahren zum Teufel.  In den Untersuchungen benutzte Art Kramer zusammen mit dem Psycholinguisten Gary Dell einen Fahrsimulator. Unter den 96 Versuchspersonen war die Hälfte älter als 65 Jahre, die andere Hälfte etwa 20 Jahre alt. Paarweise zugeordnet sollte eine Person eine Geschichte erzählen, die andere später wiedergeben, was sie behalten hatte. Zunächst wurde gemessen, wieviele Details erinnert werden konnten, wenn der Fahrer einfach nur im Simulator saß. In der zweiten Phase ging es simuliert durch dichten Stadtverkehr - die zweite Person saß daneben oder telefonierte mit dem Fahrer. Diejenigen, die in der Simulation durch dichten Stadtverkehr fuhren, erinnerten sich an 20 Prozent weniger Details - die Fähigkeit, Informationen aufzunehmen, zu verarbeiten und zu behalten, war also deutlich reduziert. Wer nun meint, den Jüngeren würde das nicht so gehen, täuscht sich: auch bei ihnen nahm die Fähigkeit, eine Geschichte wiederzugeben, sehr deutlich ab.

Bereits im Dezember 2008 wurde eine Studie veröffentlicht, dass Telefongespräche während einer Autofahrt die Aufmerksamkeit erheblich stören - mehr als ein direktes Gespräch. Und das gilt auch, wenn eine Freisprechanlage benutzt wurde.

Ein Zitat von Gary Dell aus der aktuellen Studie stimmt nachdenklich: "With modern technology, we're talking more and more while we are doing other things, but we may be understanding one another less and less." Übersetzt: Moderne Technologie füht dazu, dass wir mehr und mehr Gespräche führen, während wir mit anderen Dingen beschäftigt sind. Und dabei verstehen wir uns gegenseitig immer weniger.

Grund genug also, nicht nur beim Autofahren mit Gesprächen vorsichtig zu sein und vor allem im Stadtverkehr eben nicht zu telefonieren. Gespräche zu führen, wirklich gute Gespräche zu führen, das setzt eben auch die volle Aufmerksamkeit voraus. Es geht eben nicht immer nur so nebenbei.


Quellen:

University of Illinois at Urbana-Champaign (2010, January 22). Driven to distraction: New study shows driving hinders talking. ScienceDaily.

Retrieved January 24, 2010, from http://www.sciencedaily.com /releases/2010/01/100122222222.htm

American Psychological Association (2008, December 1). Drivers Distracted More By Cell Phones Than By Passengers. ScienceDaily. 

Retrieved January 24, 2010, from http://www.sciencedaily.com /releases/2008/12/081201081917.htm

s. auch: 

Kommentare:

  1. Hallo! Da war aber keiner von meiner Mutter ihren Geschwistern dabei, denn sonst wäre die Studie unter Garantie anders ausgefallen. Meine Mutter hat 13 Geschwister und wenn die alle auf einem Haufen sind, dann redet jeder mit jedem und hört auch jedem zu! Hört sich sehr anstrengend an, ist es auch für jemanden, der das so nicht kennt, aber das Kuriose an der Sache ist, daß die trotzdem alles mitbekommen und sich auch auf das, was sie selber sagen noch konzentrieren können.
    Aber ich glaube, so was funktioniert nur, wenn man das von klein auf gelernt hat! ;-)) LG monisha

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  2. Auch Hallo!
    Die Studie wurde in Illinois durchgeführt, da waren die 13 Geschwister wohl nicht dabei... die Zusammenhänge sind auch recht vielfältig - in der Untersuchung ging es ja um das Nacherzählen von Geschichten und die Leute kannten sich nicht. Übung, Gewohnheit, aber auch die Frage, wie gut man sich gegenseitig kennt, das sind alles Faktoren, die ebenfalls eine Rolle spielen. LG Rolf

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