Donnerstag, 11. März 2010

Missbrauch, Glaube und Glaubwürdigkeit

Die Berichte über Misshandlungen in kirchlichen Einrichtungen geht nun schon seit Wochen durch die Medien... Der Focus veröffentlichte heute einen Artikel über Kirchenaustritte aus Protest gegen den Missbrauchsskandal. Zu lesen gibt es zu diesem Thema eine Menge - und dabei lässt sich auch die Frage aufwerfen, wie glaubwürdig der Glaube heute noch ist. Aber zuvor scheint es sinnvoll, zu klären, was denn nun eigentlich Glaubwürdigkeit bedeutet. Behaupte ich: "Ich weiß alles und habe für alle Fragen auf der Welt eine Antwort."Dann wird mir das kaum jemand abnehmen. Behaupte ich: "In den nächsten Wochen wird es in Europa bestimmt wärmer", dann sieht das schon anders aus, denn es naht der Frühling. Die erste These zum Thema Glaubwürdigkeit bezieht sich auf Erfahrungen - das, was den eigenen Erfahrungen entspricht, glauben wir eher als das, was der eigenen Erfahrung entgegen steht, sich damit nicht in Einklang bringen lässt. Damit ist das Problem der Glaubwürdigkeit aber noch nicht erschöpfend geklärt. Denn die Krise der Glaubwürdigkeit rund um die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche bezieht sich zunächst auf die Glaubwürdigkeit der Gläubigen, von denen man "so etwas" einfach nicht erwartet. Glaubwürdigkeit hat hier etwas mit der Frage zu tun, ob die eigene Lehre auch gelebt wird - oder das Verhalten dazu geradezu im Widerspruch steht.
Wenn man sich die Kommentare zum Focusartikel ansieht, zeigt sich eine gewisse Bandbreite der Auffassungen:
  • manche nehmen die Missbrauchsfälle als Anlass, aus der Kirche auszutreten
  • manche stellen die katholische Kirche als Institution insgesamt in Frage
  • manche appellieren an die Entwicklung einer eigenen Lebensphilosophie
  • manche koppeln den Glauben von der Kirche ab
  • manche verweisen auf die "guten Projekte" der Kirche und sehen auch das Wertvolle an der Kirche durch die Missbrauchsfälle in Frage gestellt
  • manche plädieren für eine Welt ohne Religionen und betrachten die Kirche als unsinnige Organisation.
Dabei fällt auf, dass die Frage der Glaubwürdigkeit von einzelnen Personen meist recht automatisch auf die katholische Kirche, Kirche überhaupt, den Papst und Religionen allgemein übertragen wird. Zu Recht?
Zunächst einmal ist Pädophilie eine psychische Störung im Sinne des ICD (der internationalen Klassifikation psychischer Störungen, die neben dem DSM und dem ICF am weitesten verbreitet ist). F65.4, genauer beschrieben. Als Störung der Sexualpräferenz ist die Pädophilie damit dem Kapitel über 'Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen' zugeordnet. Aus einer psychologischen Perspektive stellt sich also neben der Frage, wie angemessene Unterstützung für die Opfer aussehen kann, das Problem unerkannter Störungen, die nicht die Frage nach Schuld und Vergebung, sondern eher die Frage nach einer angemessenen Therapie aufwerfen.

Gelegentlich findet sich in den Artikeln auch der Hinweis, dass es Missbrauch schließlich nicht nur in der katholischen Kirche gibt. Und das ist auch richtig - die Schlußfolgerung, dass alle Katholiken pädophil sind, ist genauso falsch wie die These, dass alle Pädophilen in der katholischen Kirche sind. Andererseits gilt aber auch: der katholische Glaube ist keine Garantie dafür, dass die Psyche vollständig gesund ist. Psychische Störungen können eben auch bei Gläubigen auftreten. Mir geht es hier nicht darum, die Kirche in Schutz zu nehmen - die These ist einfach, dass es hier um zwei verschiedene Dinge geht.

Ein ähnliches Problem betrifft Margot Käßmann: wenn sie in einer Predigt den Satz "nichts ist gut in Afghanistan" ausspricht, hat sie damit keine politische Rede als offizielle Vertreterin der evangelischen Kirche gehalten. Das Pech, mit 1,5 Promille am Steuer erwischt zu werden ist wiederum eine andere Ebene - weil diese verschiedenen Ebenen, Rollen und Rollensegmente aber meist im Zusammenhang gesehen werden, steht automatisch auch die Glaubwürdigkeit der gesamten Person und der Institution zur Diskussion.

Was mir sinnvoll erscheint ist also die Trennung verschiedener Aspekte, die zwar oft zusammen hängen, sich aber auf unterschiedliche Verantwortlichkeiten beziehen.
  1. Ein Aspekt ist die Frage des Strafrechts - und die Beobachtung, dass von Priester oft eben Entschuldigungen ausgesprochen werden, als sei es damit getan. 
  2. Pädophilie als Folge des Zölibats zu betrachten ist fragwürdig - dann nämlich dürfte die Störung außerhalb der katholischen Kirche nicht auftreten.
  3. Der Papst kann nicht für die Taten seiner Gläubigen verantwortlich sein - hier stellt sich eher die Frage, wie die katholische Kirche als Institution und Arbeitgeber mit straffälligen Mitarbeitern umgeht. Und - ob sie offen und ehrlich für Aufklärung sorgt.
  4. Die Vorstellung, dass Priester automatisch auch moralisch integre und ethisch handelnde Menschen sind, lässt sich wohl recht eindeutig als widerlegt ansehen.

Zusammengefasst: die Glaubwürdigkeit einer Person, die Glaubwürdigkeit einer Institution (die Kirche ist hier nur ein Beispiel) und die Glaubwürdigkeit des Glaubens sind verschiedene Dinge.

So betrachtet ist es verwirrend, wie oft solche Angelegenheiten mit Rücktritten beantwortet werden. Welches Problem wird dadurch denn wirklich gelöst? Die Odenwaldschule am Bodensee: die Betroffenheit der Leiterin deutet die Übernahme der Verantwortung an, als sei sie selbst es gewesen - die Frage ist aber, ob sie überhaupt eine Chance hatte, etwas darüber zu erfahren, was früher in den privaten Wohnungen einzelner Lehrer vor sich ging. Um Verzeihung bitten, Lehrer entlassen - solche Äußerungen tauchen öfter auf. Dass es hier auch um eine psychische Störung geht, die behandlungsbedürftig ist, fällt regelmäßig unter den Tisch. Noch schwieriger ist die Frage der Prävention - an wen wendet sich denn ein Lehrer oder ein Priester, der pädophile Neigungen an sich entdeckt? Wann sorgen Einrichtungen wie Schulen, Internate und Heime endlich für eine Anlaufstelle, bei der betroffene Kinder angstfrei von dem erzählen können, was sie erlebt haben? Wie glaubwürdig ist eine Gesellschaft, die den Opfern jahrzehntelanges Schweigen auferlegt, weil es hier um ein hochgradig schambesetztes Thema geht? Auf politischer Ebene kann man natürlich über einen Entschädigungsfonds nachdenken. Aber auch hier wird gern 'monetär' gedacht (Ablasshandel?) - und die Frage, wie die Betroffenen mit der ganzen Angelegenheit fertig werden, wird schnell beiseite geschoben. Die Glaubwürdigkeit des Glaubens ist genauso fragwürdig geworden wie die Glaubwürdigkeit der kirchlichen Institutionen - vielleicht aber auch als solche deutlicher ins Bewusstsein gerückt. Denn so manches, was offiziell als Glaubensinhalt noch vertreten wird - im Ernst: wer glaubt das denn wirklich? Der Papst ist unfehlbar, wenn er ex cathedra spricht? Und Maria ist Jungfrau geblieben, obwohl sie ein Kind zur Welt brachte? Ein Priester kann psychisch krank sein und eine Bischöfin das Bedürfnis entwickeln, im Vollrausch einmal so manches zu vergessen, was sie aktuell beschäftigt und belastet. Glaubende sind eben auch nur Menschen - es irrt der Mensch, so lang er strebt. auch dann, wenn er im Glauben lebt. Und wer glaubt, der Glaube mache aus einem Menschen automatisch einen Heiligen, täuscht sich eben. Die Frage ist, ob der Sinn des Glaubens verloren gehen muss, wenn man den Glauben an bestimmte Glaubensinhalte verliert - oder nie besessen hat. Die Frage ist, ob der Sinn des Glaubens verloren gehen muss, wenn man den Glauben an die Glaubwürdigkeit der Kirche, ihrer Vertreter oder ihrer Institutionen verloren hat. Eines aber scheint mir sicher: dort, wo Kirche und Religion an Bedeutung verlieren, bleibt nur ein Weg übrig: selber denken. Wer sich dabei kritisch an die eigene Nase fasst, wird früher oder später erkennen, dass die je eigene Glaubwürdigkeit umso schwerer zu erreichen ist, je höher man die Ansprüche an sich selbst in den Himmel schraubt. Also, ganz ehrlich: die Unfehlbarkeit nehme ich nicht für mich in Anspruch. Das wenigstens ist, hoffe ich, eine glaubwürdige Aussage.



Zum Abschluss möchte ich noch auf eine Website verweisen, die sich umfassend mit dem Tabuthema sexueller Missbrauch beschäftigt: www.missbrauch-opfer.info.
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Mittwoch, 10. März 2010

Macht Alkohol die Frauen dick?

Nüchtern betrachtet haben alkoholische Getränke natürlich auch Kalorien. Möglich wäre es also schon, dass Alkohol dick macht. So eindeutig sind die Forschungsergebnisse aber nicht, dass man daraus ableiten könnte, Alkohol sei ein Risikofaktor für Übergewicht.
In Boston ist Lu Wang mit seinen Mitarbeitern dieser Frage nachgegangen. 19200 normalgewichtige Frauen im Alter ab 39 Jahren wurden untersucht. Das Normalgewicht wurde dabei über den BMI (body mass index, ein Mass, das inzwischen als Orientierungsmarke fragwürdig geworden ist) definiert. Die Werte bewegten sich zwischen 18,5 und 25. In der ersten Befragung wollten die Forscher wissen, wieviel Alkohol die Damen denn täglich so trinken.
 
  • 7,346 (38,2 Prozent) tranken gar keinen Alkohol,
  • 6,312 (32,8 Prozent) tranken weniger als 5 Gramm,
  • 3,865 (20,1 Prozent) zwischen 5 und 15 Gramm; 
  • 1,129 (5,9 Prozent) 15-30 Gramm
  • 568 (3 Prozent) 30 Gramm pro Tag und mehr.

In den 13 Jahren danach nahmen die Frauen im Durschschnitt zu - wurden also schwerer.

Sind nun die Vieltrinkerinnern besonders dick und fett geworden? 
Die Alkoholabstinenten dagegen rank und schlank geblieben?

Das Ergebnis: die Frauen, die gar keinen Alkohol tranken, nahmen am meisten zu, die Gewichtszunahme fiel umso geringer aus, je mehr Alkohol getrunken wurde.

  • 7,942 (41,3 Prozent) wurden übergewichtig (BMI 25 oder höher), 
  • 732 (3,8 Prozent) davon adipös (BMI 30 oder höher).

Im Vergleich zu den Frauen, die überhaupt keinen Alkohol getrunken hatten, sank die Wahrscheinlichkeit, übergewichtig zu werden, bei den Frauen, die geringe Mengen Alkohol zu sich nahmen - das geringste Risiko zeigte sich bei einer Menge von 15 bis 30 Gramm, dort war es 30 Prozent niedriger als bei den Abstinenten. Die Menge enspricht in etwa einem Glas Wein (mit 250 ml, als ein 'Viertele', kein 'Schoppen'!) pro Tag.

Dieser umgekehrte Zusammenhang zeigte sich bei verschiedenen Formen des Alkohols - bei Rotwein waren die Daten am deutlichsten. Die Schlußfolgerung liegt also nahe, dass geringe Mengen Alkohol durchaus gesund sein und Übergewicht vorbeugen können. Durchaus korrekt weisen die Autoren aber auch darauf hin, dass Alkohol mit medizinischen und psychischen Problemen verbunden sein kann. Ob Alkohol nun empfehlenswert ist oder nicht, kann nur im Einzelfall unter Berücksichtigung der individuellen Situation beurteilt werden. Verhaltensmuster, psychische, körperliche und genetische Faktoren spielen bei der Wirkung von Alkohol ebenfalls eine Rolle.

Literatur:
 
Wang et al. Alcohol Consumption, Weight Gain, and Risk of Becoming Overweight in Middle-aged and Older Women. Archives of Internal Medicine, 2010; 170 (5): 453 DOI: 10.1001/archinternmed.2009.527

Quelle:

 
JAMA and Archives Journals (2010, March 9). Women who drink moderately appear to gain less weight than nondrinkers. ScienceDaily. Retrieved March 10, 2010, from http://www.sciencedaily.com /releases/2010/03/100308132032.htm



Dienstag, 9. März 2010

Nachtrag zum Weltfrauentag

Soso, die Frauen suchen also Mr. Perfect. Das folgende Video berichtet über alles, was zu ihm gehört. Dem Mister Perfect, den es zumindest nicht überall gibt....



Weltbewegendes scheint sich nicht getan zu haben. Der Begriff Gleichberechtigung wanderte mal wieder durchs Hirn und fand erneut die Bewertung 'unpassend', weil es nicht darum gehen kann, überall gleiche Rechte zu fordern. Gleichstellung passt da schon eher, Chancengleichheit kommt so manchem Anliegen auch näher als der Begriff Gleichberechtigung. Oder Gerechtigkeit. Vielleicht auch - Symmetrie. Etwas unbehaglich an der Umfrage oben: ist es sinnvoll, dass Frauen sich über Männer definieren? Die Frage lässt sich auch umdrehen: ist es sinnvoll, dass Männer sich über Frauen definieren? Was ist aus den Klischees geworden, wie weit ist der Prozess des 'ex manus capere' denn wirklich foirtgeschritten? Wie steht es um die Gerechtigkeit auf der Welt? Und - wie ausgeprägt ist die kritische Distanz zu vorgegebenen Rollenmustern wirklich?

Traditionen und Klischees... sie wirken immer noch, keine Frage. Vorbilder im positiven und negativen Sinn... bestimmen sicherlich auch heute noch die Vorstellungen von dem, was männlich oder weiblich ist. Und - bei allen Unterschieden bleibt die Frage des allgemein Menschlichen offen, die schließlich die Grundlage des gegenseitigen Verständnisses bildet. Das kämpferische Element, Bestandteil des klassich männlichen Kriegermythos, das gibt es bei Frauen auch. Und - das fürsorgliche Element, Bestandteil des klassisch weiblichen Mutterbildes, das gibt es bei Männern auch.

Afghanistan: nur 18 Prozent der jungen Frauen können lesen und schreiben - 40 Prozent der Mädchen besuchen die Grundschule, bei den Jungen sind es 66 Prozent (Quelle: UNICEF).

Global gesehen... gibt es viele Beispiele für Benachteiligungen, Ungerechtigkeiten, Mängel, Probleme und Defizite. Also möge keiner sagen, das Thema sei im Grunde erledigt und so ein Tag nicht nötig.

99 Jahre ist der Tag alt. Ja wirklich... Wenn es eine Päpstin gäbe, würde sie dann wohl am Frauentag ausgerechnet der Waschmaschine gedenken?

"Die deutsche Politik hat sich immer stärker um die Familie als um die Selbstständigkeit der Frau gekümmert. Der Grund für diese Einseitigkeit sieht sie (Barbara Vinken) im bis heute ungebrochenen Mythos der Mütterlichkeit." (Auszug aus der Ankündigung einer Podiumsdiskussion am Weltfrauentag an der Ludwig-Maximilians-Universität München)

Was singt man dazu? Mama!

Dienstag, 2. März 2010

Sprache, Wissenschaft und Erkenntnis

Denken ist nicht nur sprachliches Denken, aber Wissenschaft teilt sich über die Sprache mit. Nicht ausschließlich, denn Symbole, Zeichen, Formeln, Grafiken, Bilder und Gegenstände können ebenfalls in diesem Prozess eine Rolle spielen, wenn es um die Darstellung von Erkenntnissen geht. Was sich mit Worten nicht oder schlecht ausdrücken lässt, weil es eine umfangreiche Beschreibung erfordern würde, kann mit einem Bild deutlicher werden.
Die Sprache hat aber noch eine andere Bedeutung - als Bemühen, etwas zur Sprache zu bringen, wird Wissenschaft immer wieder zu einem Prozess, in dem neue Themen auftauchen, neue Begriffe bislang Unsagbares zum Gegenstand wissenschaftlicher und alltäglicher Forschung und Kommunikation machen. Der Sinn eines sprechenden Knochens lässt sich dem neuzeitlichen Catweazle nur erläutern, wenn man den Begriff "Telefon" kennt. Der Kerngedanke ist leicht zu verstehen. Wissenschaft kann, soll und muss sich auch um die Sprache bemühen.

Dabei stehen manche Wissenschaften vor einem besonderen Problem. In der Welt der Bits und Bytes hat man sich daran gewöhnt, dass immer wieder neue Begriffe auftauchen, die bislang unbekannt waren. Wer sie nicht kennt, steht also vor der Wahl, entweder nicht mitreden zu können, oder eben nachzufragen bzw. nachzuschlagen, was sich hinter diesem Begriff verbirgt. Auf die Idee, einen Begriff zu ergoogeln, den man doch kennt und mit einer bestimmten Bedeutung verbindet, kommen dagegen nur wenige.

Geht es um Psychologie, um einen Gegenstand, der wir doch schließlich alle selbst sind, scheint so manches unmittelbar verständlich oder auch unsinnig, das in Begriffen der Alltagssprache irgendwie unmittelbar Zugängliches oder Erfahrbares in ungewohnte Zusammenhänge stellt. Leicht wird dabei übersehen, dass ein bestimmter Begriff in einer Fachsprache eine ganz andere Bedeutung haben kann, schlimmer noch, dass dieser Begriff innerhalb eines Faches oft mit unterschiedlichen Bedeutungen verwendet wird.

Diese potentielle Missverständlichkeit lässt sich mit einem skeptischen Blick auf Wittgenstein durch die Untersuchung der Sprache sicher nicht ein für allemal aus der Welt schaffen, aber entschärfen, reduzieren, klären. Einfach indem Begriffe geklärt, klar definiert und entweder als Konsens in den Kanon der Wissenschaft aufgenommen oder in seiner Bedeutungsvielfalt transparent gemacht wird. So einfach ist es nicht zu bestimmen, in welche Richtung die Entwicklung gehen sollte - eine eindeutige Definition erleichtert zwar so manches.
Eine neue Bedeutungskomponente kann aber auch ein Erkenntnisfortschritt bedeuten und sei es auch nur als anregende Frage, die Denkbewegungen und Forschungsansätze auszulösen vermag.

Erkenntnis mag sich anbahnen auf einer Ebene, die noch nicht die Worte und Formulierungen kennt, die einen Sachverhalt beschreiben - aber erst in der Sprache findet sie den Ort, von dem aus sie sich mitteilen kann. Und dort erst lässt sich - vielleicht - klären, ob das, was sich Erkenntnis nennt, Gültigkeit für sich in Anspruch nehmen darf, korrigiert, modifiziert oder falsifiziert der Sammlung bekannter Irrtümer zuzuordnen ist.

Wirklich fruchtbar im Sinne des Erkennens wird Wissenschaft nicht dort, wo sie etwas feststellt und darauf beharrt - sondern dort, wo sie Fragen aufwirft, zum Mitdenken und Weiterdenken einlädt.

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Theorien sind vorläufig: Karl Raimund Popper

Die nano-Sendung über Karl Raimund Popper ist zwar kurz - erklärt aber in 6 Minuten Grundzüge seines Denkens und kann auch ohne ein wissenschaftliches Studium das Prinzip der Falsifikation verständlich machen. Damit dürfte besser verständlich werden, warum wissenschaftlich denkende Menschen bestimmten Ansätzen, Denkmustern, Ideologien und Glaubensvorstellungen ablehnend gegenüber stehen. Die Sendung greift auch seine Schrift "Die offene Gesellschaft und ihre Feinde" auf - und gibt einen Einblick in die politische Bedeutung des Kritischen Rationalismus.






Zur Kritik an Wittgensteins Tractatus logico-philosophicus

Die Welt ist alles, was der Fall ist
wenn es der Fall ist, das die Welt ist
dann ist im Falle, dass die Welt ist
eben das Sein der Welt auch der Fall


Wie kann aber der Fall, dass die Welt ist,
als Aussage über die Welt
Bestandteil dessen sein, worüber etwas ausgesagt ist
wenn die Welt doch alles ist, was der Fall ist?


Der Sachverhalt ist eine Verbindung von Gegenständen.
Ludwig Wittgenstein und Raimund Popper mochten sich wohl nicht besonders... das ist ein Sachverhalt. Eine Verbindung hat es wohl gegeben... aber ob die beiden wohl glücklich gewesen, hätte man sie beide als Gegenstände bezeichnet?


Dass die Sonne morgen aufgehen wird, ist eine Hypothese; und das heißt: wir wissen nicht, ob sie aufgehen wird.
Okay, vielleicht geht sie ja nicht auf... trotzdem, so aus Erfahrung, möchte ich die Hypothese wagen: es ist verflixt wahrscheinlich, dass sie morgen aufgeht. Wenn nicht, bleibt es eben dunkel. Aber selbst dann wäre meine Hypothese nicht falsifiziert... aber nein, das war jetzt Popper...


Die Welt ist unabhängig von meinem Willen.
Wenn sich das alle Politiker zu Herzen nehmen würden... würde keiner mehr etwas tun.
Also bitte: falls es jemandem in den Sinn kommen sollte, den Müll nach unten zu tragen oder ein Bild an der Wand aufzuhängen, dann hat das keinen Sinn, so etwas zu wollen. Die Welt ist unabhängig davon.


Wenn sich eine Frage überhaupt stellen lässt, so kann sie auch beantwortet werden.
Ich stelle eine Frage, habe aber keine Antwort. Andere auch nicht. Alle sagen: "keine Ahnung". Eine Antwort ist das schon, aber beantwortet ist die Frage dann eben doch nicht. Im Prinzip könnte ich eine Frage stellen und sie an Ludwig Wittgenstein richten. Aber ich fürchte, er wird mir nicht antworten.


Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.
Manche Menschen haben schlimme Dinge erlebt und es fällt ihnen schwer, darüber zu sprechen. Aber sie können etwas darüber schreiben. Schweigen im Sinne von 'sich nicht äußern' müssen sie also nicht.


Tut mir aufrichtig leid... da gibt es viele Fragwürdigkeiten und Schwachpunkte. Dass sich Probleme auflösen, wenn man nur die Sprache zerpflückt... schön wär's.


Andere Leute haben sich viel ausführlicher und fundierter mit Ludwig Wittgenstein beschäftigt. An dieser Stelle möchte ich auf Peter Möller verweisen. Links zu seinen Texten begrüßt er (so steht's auf seiner Seite), also füge ich hier den Link zu seiner Kritik an Wittgenstein ein.


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Montag, 1. März 2010

Die Sprache und das Sein


Da fragt man sich, wie kann das sein?
Ist Sprache schon Beleg fürs Sein?
Kann Sprache auch was andres sein?
Kann das, was ist, auch anders sein?

Das Sein der Sprache ist schon da
denn ohne Sprache wär das Sein nicht da
das Sein könnt' sprachlos gar nicht sein...
aber es könnt' auch anders sein!

Ist ohne Sprache denn nur Nichts?
Verborgen bloss nur mangels Lichts?
So steh ich sprachlos vor dem Sein
am Ende des Gedichts


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Wissenschaft, Wittgenstein und Popper

Wer sich in irgendeiner Form mit irgendeiner Wissenschaft beschäftigt, wird früher oder später auch bei der Frage landen, was Wissenschaft denn nun eigentlich ist. Und dabei auch auf Sir Karl Raimund Popper stoßen - ebenso auf die Bedeutung der Sprache, und damit auch auf Ludwig Wittgenstein.

Das folgende Video zeigt einen kurzen Einblick in die Kontroverse, die unterschiedlichen Standpunkte, die die beiden Philosophen vertreten haben.


So richtig verstehen kann man wohl nicht sehr viel, wenn man nur diesen Ausschnitt betrachtet. Ich möchte deshalb versuchen, einige Grundgedanken der Sprachphilosophie und des Kritischen Rationalismus zu skizzieren.

Ludwig Wittgenstein wurde 1889 in Wien geboren, sein wichtigstes Werk ist der Tractatus logico-philsophicus, veröffentlicht im Jahr 1921.
"Die Welt ist alles, was der Fall ist" - so beginnt das Werk, Tatsachen und Sachverhalte sind sprachlich formulierte Gedanken. "Das logische Bild der Tatsachen ist der Gedanke." - Die Welt wird als Wirklichkeit beschrieben, aber entscheidend ist die Sprache, in der sich die Welt und damit die Wirklichkeit abbildet. Wenn man also die Frage stellt, ob etwas "stimmt", "richtig ist" oder "wahr", dann muss man die Sprache untersuchen, die Begriffe, in denen eine Aussage formuliert ist. Der Schlußsatz im Tractatus: "Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen."

Karl Raimund Popper wurde 1902 in Wien geboren, sein erkenntnistheoretisches Hauptwerk ist die Logik der Forschung, veröffentlicht im Jahr 1934. Ein wichtiger Grundgedanke des Kritischen Rationalismus besteht darin, dass eine Theorie scheitern können muss - sie muss also so formuliert sein, dass man sie prinzipiell widerlegen kann. Leitidee ist aber auch, dass objektive Erkenntnis möglich ist - und empirische Forschung die entscheidende Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnis darstellt.

Das war, extrem knapp und verkürzt, ein Schlaglicht auf zwei sehr gegensätzliche Positionen - mit dem Hinweis, dass der Kritische Raionalismus in den Naturwissenschaften, aber auch in der Politik in Deutschland eine große Rolle spielt, müsste es möglich sein, einer Antwort auf die Frage, was Wissenschaft ist und wie sie sich heute darstellt, einen entscheidenden Schritt näher zu kommen.

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Klimaforschung: Kontrolle oder Transparenz?

Die Fakten in aller Kürze: die UNO will ein unabhängiges Expertengremium einsetzen, das die Arbeit des Klimarates kontrollieren soll. Die Frage 'Kontrolle oder Transparenz?' zielt dabei auf das grundsätzliche Verständnis von Wissenschaft ab und markiert eine spontane Reaktion auf die Meldung. Ist Kontrolle überhaupt nötig, wenn die Forschung transparent ist?
Zunächst einmal erscheint mir die Aufklärung und die Intention, einen kritischen Blick auf die Arbeit des IPCC zu werfen, konsequent und angemessen. Im Prinzip aber dürfte Kontrolle nicht nötig sein - wenn das System Wissenschaft wirklich funktioniert. Dann nämlich würde sich die Fachwelt selbst kontrollieren, deutlich markieren, was eine Vermutung, eine Hypothese, Theorie oder ein gut bestätigter empirischer Zusammenhang ist. Prognosen sind eben Schätzungen, die von einem bestimmten Modell ausgehen - und dort, wo man nachmessen, überprüfen, Klimamodelle analysieren und Schwachstellen problematisieren kann, lassen sich auch fragwürdige und unsichere Schlußfolgerungen schnell erkennen. Sollte man meinen....

So manche Theorie, die auf wackeligen Beinen steht, kann im Alltag durchaus brauchbar sein. Klimaforschung beschäftigt sich aber mit Fragestellungen, die politisch relevant sind und die gesamte Menschheit betreffen. Dort also ist Transparenz und Sorgfalt dringend geboten - die Möglichkeit, die Ergebnisse der Klimaforschung in Frage zu stellen, sie damit als fragwürdig vom Tisch zu wischen war (so meine Einschätzung) ein wesentlich größeres Problem während der Klimakonferenz als Yvo de Boer, den ich persönlich nun überhaupt nicht für das klägliche Ergebnis verantwortlich machen kann. Wenn Politiker miteinander vernünftige Entscheidungen treffen wollen , sollen und müssen, weil es um elementare globale Probleme geht, dann brauchen sie Fakten.
Politiker, die nicht selbst in der Klimaforschung tätig sind, müssen sich unbedingt darauf verlassen können, dass das, was man ihnen präsentiert, auch wirklich Hand und Fuss hat.

Ein anderer Aspekt ist die Darstellung wissenschaftlicher Forschungsergebnisse in der Öffentlichkeit - vielleicht ist es dringend nötig, so manches Prinzip näher zu erläutern. Dazu gehört auch die Auffassung, dass eine Theorie nicht aufgrund einer einzelnen Untersuchung einfach so ad acta gelegt werden sollte - wenn also Teilergebnisse aus dem Bericht des IPCC nicht mehr haltbar sind, bedeutet das nicht, dass alles andere ebenfalls falsch ist.
Es ist kein schlechtes, sondern ein gutes Zeichen, wenn neuere Ergebnisse eine Revision oder Korrektur der Schlußfolgerungen nahe legen. Wissenschaft ist eben ein Prozess - und das mag Verwirrung stiften, weil dabei der Eindruck entsteht, die Experten würden sich immer wieder selbst widersprechen und damit nur von einer vagen Vermutung zur nächsten eilen.

Was dabei herauskommen kann, hat Florian Freistetter in seinem Beitrag über ein Video gezeigt - wer nicht versteht, wie Wissenschaft funktioniert, erklärt das Ganze einfach für 'dumm'.
Dass Wissenschaft immer wieder neue Erkenntnisse liefert, ist übrigens nicht nur eine persönliche Meinung des eben erwähnten Astronomen - es ist eine Tatsache. Es ist ein Beleg dafür, dass Wissenschaft eben gerade nicht dogmatisch ist, sondern permanent hinterfragt werden kann, darf und auch wird. Es gibt aber auch typische Konventionen, die nicht jede Form der Kritik als wissenschaftlich relevant gelten lassen. Typisch für die empirischen Wissenschaften ist eben die Frage nach einem Beleg, wenn ein bestimmtes Ergebnis angezweifelt wird. Es ist nicht angemessen, der Wissenschaft vorzuwerfen, dass sie keine Antwort auf Fragen gibt, die sie nicht gestellt hat.

Wissenschaft stellt nach modernem Verständnis eben keinen Wahrheitsanspruch, keine Anspruch darauf, Aussagen zu liefern, die ab sofort ein für allemal gültig sind. Eine Aussage der Form "so ist es" signalisiert grundsätzlich einen Mangel an wissenschaftlichem Denken. Für jene, die sich wirklich intensiv mit einem bestimmten Gebiet auseinander setzen ist eher die Haltung typisch "nachdem, was wir bisher wissen, scheint es so zu sein...".

Es ist ein Irrtum, zu glauben, dass dabei nie etwas Handfestes herauskommen könnte. Aber es dauert eben seine Zeit, bis sich eine Theorie durchsetzt und als allgemein (sagen wir bescheidener: in der Fachwelt) anerkannt gilt.

Es gibt noch zwei Problemfelder, die in der Öffentlichkeit für Verwirrung sorgen können - das eine ist die Abgrenzung der empirischen Forschung zur Philosophie, das andere die Abgrenzung zur Politik. Als Heidegger sagte "die Wissenschaft denkt nicht", wollte er damit nicht sagen, dass Wissenschaftler alle dumm sind und über nichts nachdenken. Aber es ist eben ein Unterschied, ob man sich hinsetzt und über das Sein, die Wahrheit oder etwas anderes nachdenkt - oder empirische Forschung betreibt, beobachtet, Messungen durchführt und die Ergebnisse darstellt.
In der Psychologie stellt die empirische Forschung nicht den Anspruch, das Wesen des Menschen zu erforschen oder eine Aussage über das Sein oder den Sinn des Seins machen zu können. Wenn ein Physiker wie Harald Lesch darüber nachdenkt, was sich wohl hinter, über oder außerhalb des Universums befindet, dann philosophiert er eben. Als Wissenschaftler kann er aber dazu keine Aussage machen. Ebenso lassen sich aus der Klimaforschung zwar Schlußfolgerungen ableiten, was politisch sinnvoll wäre - das wissenschaftliche Denken allein genügt aber nicht, um im Zusammenhang vernünftige Entscheidungen zu treffen.

Damit will ich nicht zum Ausdruck bringen, dass Wissenschaftler nicht philosophieren oder eine politische Meinung haben dürften. Zur Transparenz gehört aber auch, hier sorgfältig trennen zu können. Vielleicht also ist es nötig, die Ebenen und Bereiche wieder zu trennen, die durcheinander geraten sind.

Transparenz ist auch ein Kommunikationsproblem - und es lohnt sich sicher, über Wissenschaftskommunikation, mögliche Missverständnisse, Verzerrungen und falsche Schlußfolgerungen immer wieder und sehr gründlich nachzudenken.


Quellen:
Uno lässt Klimarat künftig kontrollieren (Spiegel, 26.02.2020, Abruf am 01.03.2010)

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Frühlingskatapult

wer heute einen grashalm findet
der weiß, dass bald der winter schwindet
und ist der halm dann saftig grün
wird bald dir auch was andres blühn!

wer träge bleibt, ist selber schuld
die schreck im heu - übt katapult


Miniscule - Catapult from Bluebird on Vimeo.

Sonntag, 28. Februar 2010

Analyse politischer Rationalität: Helmut Schmidt zur Nahostpolitik

(ZEIT Video mit Matthias Naß)

Altbundeskanzler Helmut Schmidt diskutierte am 25.02.2010 mit Fritz Stern über die Nahostpolitik der USA - und problematisiert dabei die Rationalität der Interventionen in verschiedenen Ländern. Die erste Aussage lässt sich leicht missverstehen, die genaue Formulierung scheint mir deshalb sehr wichtig: Deutschland hat nicht mehr Verantwortung für Israel als alle anderen Länder auch. (Helmut Schmidt). Im weiteren Verlauf des Gesprächs geht es gezielter um die Verantwortung für die Sicherheit des Staates Israel - und hier schreibt er nun Deutschland eine besondere Veranwortung zu. Auf Nachfrage nimmt er Stellung zur Nahostpolitik der USA - sie nehme ihre Verantwortung für Israel in unzureichender Weise wahr. Fritz Stern teilt die Skepsis darüber, ob die Politik der USA immer sinnvoll gewesen sei, drückt es aber nicht so pointiert aus wie Helmut Schmidt, der die 'ewige Intervention' in Staaten, die als Feinde Israels gelten, als Gefährdung der israelischen Sicherheit betrachtet.
"Humanitäre Interventionen": ist der Eingriff in die inneren Angelegenheiten eines Staates legitim? Ist er überhaupt legitim und wenn ja, unter welchen Bedingungen?
Im Kern gehen Helmut Schmidt und Fritz Stern hier von denselben Grundgedanken aus - die völkerrechtliche Legitimation für eine Intervention ergibt sich aus dem Beschluss des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen.

Kleiner Exkurs: was steht eigentlich zu diesem Thema in der Charta der Vereinten Nationen? Im Satz 4 des Artikels 2 heißt es (Zitat):
Alle Mitglieder unterlassen in ihren internationalen Beziehungen jede gegen die territoriale Unversehrtheit oder die politische Unabhängigkeit eines Staates gerichtete oder sonst mit den Zielen der Vereinten Nationen unvereinbare Androhung oder Anwendung von Gewalt.
Quelle: Regionales Informationszentrum der Vereinten Nationen in Westeuropa

Die Zahl der humanitären militärischen Interventionen (Frage nebenbei: ist das nicht ein Widerspruch in sich?) hat in den letzten 20 Jahren erheblich zugenommen.

Hintergrundinformationen an dieser Stelle liefert der Bericht über Politische und friedensbildende Missionen der Vereinten Nationen (31.Dezember 2009) sowie die Zusammenstellung der Friedenssicherungseinsätze der UN seit 1948  - aus diesem Dokument gehen insgesamt 63 Einsätze hervor.

Diese Zunahme der Interventionen in den letzten Jahrzehnten beschreibt Helmut Schmidt als zunehmende Bereitschaft, einzugreifen - und erwähnt dabei die Schwäche der Sowjetunion.Vertieft wird dieser Punkt im Gespräch nicht - Mattias Naß kommt auf die aktuelle politische Diskussion in Deutschland über Afghanistan zu sprechen.
Die Position, die Helmut Schmidt dazu vertritt, betont einerseits den Sinn zu Beginn der Intervention - stellt aber die Rationalität in der Gegenwart in Frage. Der Krieg in Afghanistan ist nicht zu gewinnen.
Im weiteren Verlauf des Gesprächs geht es um die Frage, was Politiker aus der Geschichte lernen können, warum sich die Große Depression der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts nicht wiederholt hat und wie sich die USA und China in der Zukunft wohl in die Richtung eines Sozialstaates bewegen werden.

Offen bleibt dabei, was mit dem Begriff "unzureichend" denn genau gemeint war und wie eine "zureichende" oder "hinreichende" Politik der USA aussehen könnte, sollte oder müsste.

Aus den teilweise wohl bewusst vorsichtigen Formulierungen lässt sich aber eine Tendenz erkennen, die den Sinn der Intervention in Afghanistan deutlich in Frage stellt - weil das Ziel, sofern man es überhaupt als sinnvoll und legitim betrachtet, nicht erreichbar ist. Hat sich die Nahostpolitik selbst in eine Sackgasse hineinmanövriert, nichts anderes bewirkt als die Verschärfung der Konflikte mit den islamischen Staaten?

Quelle: Die ZEIT.

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Kann man Kommunikation trainieren?

Die sprechwissenschaftliche Forderung ist alt: Trainer brauchen eine Lizenz! Und das ist eben die Sprecherzieherprüfung, die es seit nunmehr...

Oft gelesen