Mittwoch, 21. April 2010

Wie ist das, wenn man spinnt?

- Papa, wie ist das, wenn man spinnt?
- Wie kommst du denn jetzt darauf?
- Naja, in der Schule sagen mir andere oft, ich würde spinnen. Dabei sehe ich bloss manches anders. Aber deshalb bin ich doch nicht verrückt oder?
- Na, eine andere Ansicht haben und verrückt sein, das sind wirklich zwei verschiedene Dinge...
- Wie wird man eigentlich verrückt?
- Du stellst Fragen... aber erstmal möchte ich zurückfragen. Was meinst du mit "verrückt"?
- Wenn man eben plemplem ist. Nicht mehr ganz bei Trost. Einen an der Waffel hat oder so.
- Wie ist das, wenn man einen Schnupfen hat?
- Dann ist man eben krank, aber das ist doch etwas ganz anderes!
- Das, was man mit 'plemplem' oder 'einen an der Waffel' bezeichnet ist genau genommen auch eine Form von Krankheit.
- Muss man dann ins Bett und Tee trinken?
- Au weia, jetzt wird es aber schwierig... Hör mal, der Mensch besteht nicht nur aus einem Körper, da ist ja auch etwas drin...
- Der Magen?
- Nein, ich meine im Kopf.
- Gedanken?
- Jetzt kommen wir der Sache schon näher. Viele sprechen von der "Seele" oder dem "Geist". Man kann aber auch einfach Psyche dazu sagen. Und die Psyche, zu der deine Gedanken gehören, die kann eben auch krank sein.
- Aha, und das ist dann 'plemplem'? Wenn die Psyche krank ist?
- Da gibt es sehr viele Möglichkeiten und dicke Bücher, in denen die verschiedenen Arten von 'plemplem' beschrieben sind. Sag mal, wenn dir etwas kaputt gegangen ist, dann bist du doch traurig oder?
- Ja klar...
- Hört das dann auch wieder auf? Das mit dem Traurigsein meine ich?
- Irgendwann schon... wenn ich etwas Neues bekomme...
- Wie wäre das, wenn das Traurigsein gar nicht mehr aufhören will?
- Schlimm. Ist das 'plemplem'?
- Es ist eine Möglichkeit, psychisch krank zu sein. Wenn man traurig ist und es geht einfach nicht weg. Wenn man sich nicht mehr freuen kann. Oder einfach Angst hat ohne so recht zu wissen, warum. Oder wenn man Dinge sieht, die gar nicht da sind, aber völlig davon übezeugt ist, dass sie da sind.
- Aha... heisst das, man kann ganz verschieden spinnen?
- Genau. Aber mit dem Begriff "verrückt" ist niemandem geholfen. Es ist doch keine Schande, wenn man einen Schnupfen hat oder?
- Nein, wieso auch, kann doch jedem passieren!
- Eben. Und dass die Psyche einmal krank wird, weil man mit irgendwelchen Sachen nicht fertig wird, das kann auch jedem passieren. Aber das wissen viele nicht... und deshalb gibt es auch immer wieder einmal Leute, die darüber aufklären.

Die Aufklärungsinitiative "Verrückt? Na und!" startet 2010 mit den Städten: Gelsenkirchen, Kassel, Leipzig, Lüneburg, Stuttgart.

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Künstliche Augen

Tel Aviv. Professor Yael Hanein erforscht Möglichkeiten, blinden Augen zu neuer Sehkraft zu verhelfen. Die Sehnerven werden dabei mit Elektroden versehen, die das Zellwachstum stimulieren. Im Tierversuch waren die Bemühungen bereits erfolgreich, und eines Tages wird es vielleicht möglich sein, Implantate für Menschen herzustellen. Aber das ist noch ein weiter Weg.... bis dahin können die Ergebnisse immerhin die Herstellung von Arzneimitteln anregen, die sich auf die Behandlung von empfindlichem Nervengewebe im Gehirn beziehen. Ein Millionstel Millimeter sind die Kohleröhrchen ('carbon tubes') groß und sehen aus wie Spaghetti (so steht's geschrieben, obwohl Spaghettti normalerweise nicht wie Kohle aussieht...). Diese 'Kohlespaghetti' werden dann unter Strom gesetzt... und fördern das Zellwachstum. Wie die Nervenzellen genau interagieren, kommunzieren und wachsen und zusammenarbeiten ist dabei noch mit vielen Fragen verbunden. Aber dass es eines Tages bionische Augen gibt, ist durchaus möglich.

Literatur:

   1. Asaf Shoval, Christopher Adams, Moshe David-Pur, Mark Shein, Yael Hanein and Evelyne Sernagor. Carbon nanotube electrodes for effective interfacing with retinal tissue. Frontiers in Neuroengineering, 2009; 2 DOI: 10.3389/neuro.16.004.2009
   2. Raya Sorkin, Alon Greenbaum, Moshe David-Pur, Sarit Anava, Amir Ayali, Eshel Ben-Jacob, Yael Hanein. Process entanglement as a neuronal anchorage mechanism to rough surfaces. Nanotechnology, 2009; 20 (1): 015101 DOI: 10.1088/0957-4484/20/1/015101

Quelle:

American Friends of Tel Aviv University (2010, April 21). Seeing a bionic eye on medicine's horizon. ScienceDaily. Retrieved April 21, 2010, from
http://www.sciencedaily.com/releases/2010/03/100322143221.htm

Dienstag, 20. April 2010

Manoa: African Summer

"Very relaxing after a hard days work" - so lautet ein Kommentar zum Video 'African Summer'. Entspannend, aber auch dynamisch, damit als Hintergrund für Körperübungen in der Physiotherapie oder im Sport durchaus geeignet. Oder einfach so...



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Wenn Patienten ihre Medikamente nicht nehmen wollen

Anmerkung: hier geht es um medizinische Kommunikation - für Ärztinnen und Ärzte, gleich welcher Fachrichtung...

Wenn Patienten ihre Tabletten nicht nehmen… kommen Ärzte in einen Argumentationsnotstand. Die Voraussetzung, dass ihre Autorität anerkannt ist, ärztliche Anweisungen demnach auch ausgeführt werden, ist (heute) keine Selbstverständlichkeit mehr. Die Frage ist, ob es hier wirklich um einen Argumentationsnotstand geht oder eher um ein Zeitproblem – die Vorstellung, es würde ja schließlich viel zu lange dauern, die Zusammensetzung, Wirkung und mögliche Nebenwirkungen eines Medikaments zu erläutern, geht vielleicht von einer Zeitvorstellung aus, die sich auf 5-10 Minuten bezieht. Das aber kommt auf einen Versuch an…  In 30 Sekunden lassen sich genug Informationen vermitteln, um die Bedeutung eines Medikaments zu erläutern. Wer es nicht glauben will: ausprobieren und Zeit stoppen…

Der Kerngedanke dabei ist der Verzicht auf einen akademischen Vortrag, eine bewusste Auswahl, die Beschränkung auf das Wesentliche, die Konzentration auf Aussagen, die zur Einnahme der verordneten Tabletten motivieren – Überzeugen ist die Devise, die Frage also, welche Informationen aus der Patientenperspektive wichtig sind. Ein kurze Argumentationslinie als Fünfsatz vorzubereiten – das macht zunächst Arbeit, wird aber mit einiger Übung zur Routine. Es erscheint sinnvoll, zunächst dort anzusetzen, wo die Weigerung, Medikamente einzunehmen, zu ernsthaften Problemen führt – Folgen, die Laien möglicherweise nicht bekannt sind oder die sie unterschätzen.  Der Begründungsgang ist als Gliederungsvorschlag nicht mehr als ein Entwurf:

1. Probleme: Symptome und Gefahren

Von den Problemen des Patienten auszugehen bedeutet, Probleme und Symptome zu benennen – und daran orientiert mögliche Entwicklungen zu beschreiben.  Die Vorstellung, dass Patienten ihre Beschwerden loswerden wollen und wenig Interesse an weiteren Schmerzen, Entzündungen usw. haben, ist eine recht vernünftige Ausgangsbasis.

2. Medikamente und ihre Wirkung

Nehmen wir an, der Patient hat Schmerzen. Das Medikament, das verordnet wird, nimmt die Schmerzen. Aha. Das Prinzip: den Nutzen aus der Patientenperspektive erläutern. Die genaue Zusammensetzung und Wirkungsweise ist dabei für die meisten irrelevant. Kritische Patienten werden hier nach möglichen Nebenwirkungen fragen – und vielleicht aus der Behandlung aussteigen, wenn die erwartete Wirkung nicht eintritt, wenn unerwünschte Nebenwirkungen tatsächlich eintreten. Gehen wir davon aus, dass bestimmte Wirkungen nur als Wahrscheinlichkeitsaussage bekannt sind, lässt sich kaum voraussehen, ob seltene Wirkungen in einem bestimmten Einzelfall nun wirklich auftreten oder nicht.  Die Frage ist, ob in diesen Fällen wirklich eine Rückmeldung erfolgt – oder die Einnahme der Medikamente stillschweigend oder offen verweigert wird. Wenn der Verzicht auf die Medikamente ernsthafte Probleme nach sich ziehen kann, sind Nebenwirkungen ein wichtiges Thema – die kurze Argumentationslinie sollte deshalb zumindest einen Vorschlag beinhalten, was geschehen kann, wenn unerwünschte Nebenwirkungen auftreten. Eine Rückmeldung an den Arzt ist auf jeden Fall besser als das verdeckte Absetzen.

3. Wirkungsziele und Behandlungsplan

Manche Medikamente wirken nur bei regelmäßiger Einnahme, bei anderen dauert es seine Zeit, bis sie ihre Wirkung entfalten.  Morgens die gesamte Tagesdosis einzunehmen kann gefährlich sein. Und so weiter…

Insgesamt ergibt sich ein Grundmuster aus knappen Aussagen, die in wenigen Sekunden vermittelbar sind.

Warum dieses Medikament?          
  • (Probleme des Patienten beschreiben, Symptome und Gefahren benennen)  
  • Medikament kann Symptom reduzieren/beseitigen – bei Nebenwirkungen Rückmeldung geben  
  • Medikament wirkt nur bei regelmäßiger Einnahme (Bsp.), 
deshalb: 3 x tgl…(o.ä.) (konkrete Hinweise zur Einnahme des Medikaments)

Das Muster kann und will nicht mehr sein als ein Entwurf – welche Details bei welchem Medikament wichtig und sinnvoll sind, muss sich aus der ärztlichen Praxis ergeben. 

Das Grundmuster lässt sich übrigens auch auf die Situation übertragen, in der aus medizinischer Sicht auf die Verschreibung eines Medikaments verzichtet wird. Eine solche Entscheidung kann in ihrer Rationalität intransparent bleiben, wenn sie nicht begründet wird. Eine Begründung kann individuell sein – etwa wenn substanzspezifische Allergien oder sonstige Unverträglichkeiten vorliegen, aber auch allgemein formuliert sein:  wenn Fachverbände oder Fachgesellschaften spezifische Leitlinien (etwa für die Verschreibung von Schlafmitteln) herausgeben, denken sie sich in der Regel auch etwas dabei. Aus der Patientenperspektive macht es einen Unterschied, ob ein Medikament einfach so verweigert wird oder eine fachliche Argumentation das medizinische Verantwortungsbewusstsein transparent macht.

Schlussbemerkung: dieser Text ist nicht aus der Perspektive eines praktizierenden Arztes geschrieben worden, sondern aus dem Bemühen entstanden,  ein mögliches Kommunikationsproblem einer Lösung näher zu bringen… Es kann und will nicht mehr sein als eine Anregung, die sich (so meine Hoffnung) weiter entwickeln und konkret anwenden lässt.

s. auch: Informationstherapie in der Medizin 

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Antidepressiva haben mehr Nebenwirkungen als erwartet

Wenn bei Depressionen Medikamente verschrieben werden, erwarten die Ärzte natürlich, dass sie auch genommen werden. Viele Patienten setzen die Medikamente aber selbst ab - meist aufgrund der unangenehmen Nebenwirkungen. Mark Zimmerman, Direktor im Rhode Island Hospital (USA), ging deshalb mit seinen Kollegen der Frage nach, wie häufig solche Nebenwirkungen tatsächlich auftreten. 300 Patienten wurden befragt, die Nebenwirkungen wurden mit einem Fragebogen erfasst (einer angepassten Variante des TSES, der Toronto Side Effects Scale). Nebenwirkungen zeigten sich dabei 20mal häufiger als in den Aufzeichnungen der behandelnden Ärzte. Selbst die Einschränkung auf "häufige" oder "besonders lästige" Nebenwirkungen zeigte eine zwei- bis dreimal höhere Häufigkeit als die Ärzte vermutet hatten.
Die Schlußfolgerung der Autoren lautet, dass die Nebenwirkungen durch die Ärzteschaft also nur sehr unzureichend erfasst werden - die meisten der angegebenen Nebenwirkungen waren ihnen nicht bekannt. Häufig werde nach sexuellen Funktionsstörungen gefragt, andere Beschwerden aber vernachlässigt.  An manche Nebenwirkungen hatten sich die Patienten nach eigenen Angaben eben gewöhnt - und sie deshalb von sich aus überhaupt nicht angesprochen. Zimmerman kritisiert aber auch die unvollständige Information seitens der Ärzte an die Patienten, die zuwenig über mögliche Nebenwirkungen erfahren würden. Und dann eben aus eigenem Entschluss Medikamente zu früh absetzen. Sein Vorschlag ist deshalb, einen Fragebogen zu den tatsächlichen Nebenwirkungen häufiger einzusetzen, um die medikamentöse Behandlung von Depressionen zu verbessern.

Literatur:
Mark Zimmerman et al. Underrecognition of Clinically Significant Side Effects in Depressed Outpatients. Journal of Clinical Psychiatry, 2010;71(4):484%u2013490 DOI: 10.4088/JCP.08m04978blu

Quelle: 
Lifespan (2010, April 19). Depression medication: Patients report 20 times more side effects than recorded in charts, study finds. ScienceDaily. 
Retrieved April 20, 2010, from http://www.sciencedaily.com /releases/2010/04/100419151112.htm


Montag, 19. April 2010

Tod im Blumentopf

regen fiel gleich nach dem sturm
in der erde kriecht der wurm
doch martha hatte es im kopf:
ein pflänzchen für den blumentopf

ausgegraben mit den wurzeln
muss der wurm gen eimer purzeln
kundige erahnen schon:
das nächste war ein topf aus ton

es lässt sich wohl nicht ganz vermeiden
am pflänzchen etwas abzuschneiden
also nehme ich mal besser,
denkt sich martha: küchenmesser

schnippelt, schneidet eins zwei drei
dabei auch den wurm entzwei
martha kratzt sich dann am kopf
ein grabstein für den blumentopf

kam als zugabe hinein
der wurm soll nicht vergessen sein...

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Allemand aussi? Nachtrag zur 'Minus-Ossi-Geschichte'

'Minus Ossi'... da musste gerichtlich festgestellt werden, dass Ostdeutsche kein eigener Volksstamm sind. Nochmal ganz deutlich: "Ossi" ist keine ethnische Herkunftsbezeichnung (s. dazu u.a. den Artikel in der ZEIT: Lasst und ostdeutsch sein!). Auf die Eingabe der Stichorte "Ossi minus" gibt Google etwa 51.800 Ergebnisse an... das scheint die Menschen wirklich zu bewegen. Also stöbern wir einmal... "Ossis sind auch nur Deutsche" titelt der Tagesspiegel und erwähnt dabei einen Aspekt aus dem Gerichtsurteil, dass es sich hier nicht um eine rassistische Diskriminierung handle. Ja wirklich, es ging also nicht nur  um die Frage, ob "Ossis" eine eigene Ethnie sind, sondern auch darum, ob sie gar eine eigene Rasse darstellen. Und das ist nun wirkklich abstrus, denn die Rassenlehre ist schon längst überholt, logisch konsequent deshalb die Forderung, den Begriff "Rasse" aus dem Grundgesetz zu streichen. Es kommt ja noch toller: die Klägerin sagte "Im Herzen bin ich Schwäbin" - da müsste sie dann doch eigentlich "Schwossi" heißen? Oder "Schwabossine"? Dass sich die Schwaben mit den Auswärtigen gelgentlich schwer tun, ist Realität (sagt ein gebürtiger Schwabe), aber das betrifft nicht nur die "Ossis", sondern auch andere "Reigschmeckte". Und der Effekt selbst - Vorurteile und Abneigungen gegen "Fremde" (auch innerhalb Deutschlands) tritt auch in anderen Regionen auf. Trotz allem haben sich die Deutschen 'zum Fressen gern', was schon der Umstand beweist, dass so mancher Münchner Hamburger isst, während auch die Freiburger sich gelegentlich auf Frankfurter Würstchen stürzen. Qualifikationsrelevant in Stuttgart ist eher die Frage nach den Maultaschenkenntnissen, die im Film der ARD Mediathek empirisch belegt sind....

Ein Fall für das Gericht? Vielleicht auch ein Fall für den kritischen Griff an die eigene (deutsche) Nase: das Schubladendenken ist nun einmal eine typisch deutsche Angelegenheit, schließlich muss ja alles seine Ordnung haben und wo kämen wir denn hin...? Leider zeigen die Erkenntnisse der Sozialpsychologie, dass das Thema Vorurteile ein allgemeinmenschliches Problem ist - wir brauchen Kategorien, um die Welt zu ordnen, da wird eben gebündelt, was irgendwie zusammenzupassen scheint... und es entstehen Muster, Stereotype, Klischees. Bilder, mit denen nicht nur "Ossis" oder "Wessis" oft genug Unrecht getan wird. Im Extremfall entstehen eben auch feindselige Ideologien, die in Resten immer noch vorhanden sind. Grund genug also, ab und zu auf die Problematik der Vorurteile und ihrer Konsequenzen aufmerksam zu machen. Dass ein leer gewordener Begriff wie "Rasse" überhaupt noch verwendet wird (und das gilt nicht nur in Deutschland, sondern auch im englischsprachigen Raum, insbesondere den USA) spricht dafür, dass die ideologische Loslösung vom Schubladendenken noch nicht besonders weit gediehen ist...
Fakt ist... dass Kulturen sich in vielen Bereichen und an vielen Orten der Welt vermischen, reine Kategorien also eine ziemlich künstliche Angelegenheit sind. Diskriminierung ist Realität - und bezieht sich auf eine breite Palette von Merkmalen, die Anlass für ablehnende Reaktionen sein können. Frage also: was sehen wir zuerst, Menschen in ihrer Individualität oder die Schubladen?

Nüchtern betrachtet zeigt das Beispiel aber auch, dass der Riss, der durch das deutsche Volk geht, noch lange nicht zusammengewachsen ist. Da hilft es auch nichts, wenn man Linsen mit Spätzle kochen kann.

Energie erfahren: Kinderumweltprojekt

Über eine Pressemitteilung bin ich auf ein Umweltprojekt aufmerksam geworden, das bei Kindern das Verständnis für Nachhaltigkeit und erneuerbare Energien am Beispiel der Windenergie wecken soll.

Das folgende Video zeigt, wie so etwas aussehen kann:

Sonntag, 18. April 2010

Energieautonomie

Erneuerbare Energie: eine Lösung für die Probleme des Klimawandels? Eine Perspektive, die zuwenig beachtet, zuwenig gefördert wird? Wäre es möglich, die gesamte Energieversorgung auf erneuerbare Energien umzustellen? Der Dokumentarfilm "Die 4. Revolution: Energieautonomie" läuft in Österreich und in Deutschland inzwischen in den Kinos. Hier der Trailer...



ARD-Filmtipp: die 4. Revolution
Freie Energie für alle (Interview mit dem Regisseur Carl A. Fechner)

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Samstag, 17. April 2010

Klimaschutz: neue Argumente oder neue Polemik?

"Zwei Grad und nicht mehr" - so lautet der Titel eines Artikels in der ZEIT, der sich mit den Angriffen auf den Klimaschutz auseinandersetzt. Die Autoren sitzen im Wissenschaftlichen Beirat Globale Umweltveränderungen und verteidigen das Zwei-Grad-Ziel, das im Copenhagen Accord zumindest als Leitlinie aufgenommen ist. Das Anliegen meiner Analyse bezieht sich die Argumentationsstrukturen: wo also sind Thesen und Schlußfolgerungen rund um das Thema begründet und an welchen Stellen tritt die Polemik in den Vordergrund?

Zunächst die Fragestellungen:

War die Klimakonferenz ein Fehlschlag oder doch ein Schritt in die richtige Richtung?
Ist der Bericht des Weltklimarats IPCC falsch?
Gibt es den Klimawandel überhaupt?
Ist die Hockeyschlägerkurve widerlegt?
Ist der Einwand, Klimawandel habe es schließlich auch in früheren Zeiten gegeben, berechtigt?
Müssen wir mit Klimafolgeschäden aufgrund der fortschreitenden globalen Erwärmung rechnen?
Sind Klimaschutzmaßnahmen wichtig - oder ist auch eine Anpassung an ein verändertes Klima möglich?
Was ist Risikomanagement und wie sollte es aussehen?

Die entscheidende Frage betrifft zunächst den Klimawandel überhaupt - genauer betrachtet sind es hier zwei Fragen, die unterschiedlich beantwortet werden: ob es ihn gibt und wenn ja, ob er 'menschengemacht', also Folge der Kohlendioxidemissionen ist.
Das Problem, das Wurzel und Grundlage vieler polemischer Äusserungen ist, liegt im Bericht des Weltklimarates, der zumindest eine Fehlprognose enthalt: dass der Himalaya bis 2035 eisfrei ist, gilt inzwischen als widerlegt. Die Verteidiger des Zwei-Grad-Ziels (namentlich Prof. Hans Joachim Schellnhuber, Institut für Klimafolgenforschung in Potsdam, Prof. Claus Leggewie, Kulturwissenschaftliches Institut Essen, Professorin Renate Schubert, Institut für Umweltentscheidungen Zürich) räumen Fehler im Bericht des IPCC ein, aber sie seien 'an einer Hand abzählbar'. Die Schwierigkeit im Problemfeld liegt darin, dass wissenschaftliche, politische und technologische Fragestellungen miteinander verbunden werden - was einerseits der Bedeutung des Themas gerecht wird, andererseits aber auch eine breite Angriffsfläche für mehr oder weniger unsachliche Argumentationslinien, Zweifel und Bedenken liefert.
Es ist mühsam, herauszufiltern, was denn nun (noch) stimmt und was nicht - es ist der Sache aber auch nicht dienlich, wenn aufgrund einzelner Fehler der gesamte Bericht des IPCC verworfen wird. Eine Aussage aus dem ZEIT-Artikel möchte ich deshalb unterstreichen:

"Es ist wünschenswert, dass die Forschung zum Klimawandel und die Berichterstattung des IPCC darüber auf immer neue Prüfstände kommen."

Forschung wird in der Regel sowieso ständig überprüft - lässt sich aber auch leicht in Frage stellen, wenn politische oder finanzielle Interessen unterstellt werden, die gewisse Ergebnistendenzen nahelegen. Und die Berichterstattung lässt sich überprüfen, wenn die zugrundeliegenden Forschungsergebnisse transparent gemacht werden und damit nachvollziehbar sind. Bei alledem scheint das Problem weniger in der Klimaforschung selbst, sondern in der Art und dem konkreten Vollzug der Wissenschaftskommunikation zu liegen. Um in diesem komplizierten Geflecht etwas mehr Klarheit zu schaffen, scheint es mir sinnvoll, verschiedene Bereiche und Fragestellungen voneinander zu trennen:

1. Es gibt es empirische Daten, die messbar und darstellbar sind.
2. Es gibt Prognosen, die Wahrscheinlichkeitsaussagen zum Ausdruck bringen - und davon abhängen, welches Modell zugrunde gelegt wird.
3. Es gibt Ziele, die sich aus der Forschung selbst nicht ableiten lassen.
4. Politische Entscheidungen lassen sich vor dem Hintergrund bestimmter Ziele beurteilen.
5. Wünschenswerte technologische Entwicklungen hängen in ihrer Beurteilung ebenfalls von formulierten Zielen ab.

Zurück zum Gletscher: die Prognose war falsch. Das bedeutet natürlich nicht, dass sämtliche empirische Daten, auf die sich der Bericht des IPCC bezieht, ebenfalls falsch sind. Wer die Ebenen nicht sauber voneinander trennt, kann aber zu dem Schluß kommen, dass die Klimaforschung eben "nicht stimmt" - und dann liegt das Problem in der Glaubwürdigkeit eines Forschungsbereiches, der sich in die Politik einmischt, aber stellenweise eben doch auf wackeligen Beinen steht. Prognose bedeutet eben: "wir wissen es nicht, wir machen eine Aussage über die Wahrscheinlichkeit, mit der bestimmte Ereignisse unter bestimmten Voraussetzungen auftreten werden". Aus diesen Prognosen wiederum lassen sich Ziele ableiten - wenn sich die Grundlagen nicht verändert haben, ist es logisch, dass die Zielvorstellung "maximal 2 Grad" ebenso konstant bleibt. Streng genommen ist es aber keine wissenschaftliche Aussage - sie kann also nicht empirisch belegt werden, sondern ist begründbar mit Bezug auf empirische Forschung, rational vor dem Hintergrund des aktuellen Forschungsstands - und potentiell revisionsbedürftig, wenn sich neue Erkenntnisse zeigen.

Neue Argumente scheint es im Moment nicht zu geben, die Sachlage ist und bleibt kompliziert. Skeptiker gibt es immer noch und die These, dass es den Klimawandel überhaupt nicht gibt, scheint in manchen Köpfen recht stabil zu sein. Die Frage ist, ob sich dahinter rationale Einsicht verbirgt oder ein Igeleffekt, soll heißen: "die ganze Geschichte ist zu kompliziert und beängstigend, also denken wir besser nicht darüber nach". Polemik hilft an dieser Stelle nicht weiter - eher schon das Bemühen um Glaubwürdigkeit und der kritische Blick auf die Darstellung eines komplexen Problems. Wie schwierig es ist, einen globalen Konsens zu finden, der die Bemühungen der ganzen Welt auf ein einziges Ziel ausrichtet, das hat die Konferenz in Kopenhagen deutlich gezeigt. Trotz alledem sind Überlegungen zum Umweltschutz und Klimaschutz nicht unsinnig geworden. Die Frage ist, ob eine neue Diskussion über Sinn und Unsinn des Zwei-Grad-Zieles eine sinnvolle Entwicklung auslösen kann. Vielleicht würde es mehr bringen, Teilprobleme abzugrenzen, einzelne Fragen zu bearbeiten und zu klären, Ansätzen nachzugehen, die an irgend einer Stelle etwas Konstruktives bewirken.

Aus den Kommentaren zum Artikel in der ZEIT habe ich einen Link herausgefischt, den ich hier noch einfügen möchte: "Wo Wüsten Hokuspokus sind" lautet der Titel in der Süddeutschen. Darin geht es um gezielte Aktionen gegen die Glaubwürdigkeit der Klimaforschung - aus wirtschaftlichen Interessen heraus. Es bleibt also nichts anderes übrig, als immer wieder neu nach der Wahrheit zu fragen - und zu berücksichtigen, dass immer wieder gern Sachverhalte so dargestellt werden, dass sie den eigenen Interessen möglichst nicht im Wege stehen. Etwas mehr Sachlichkeit und Vernunft würde dem Klima der Klimadiskussionen sicher gut tun.

s. auch:

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Freitag, 16. April 2010

Netzneutralität: was ist das eigentlich?

Wie ist das eigentlich mit den Bits im Netz? Sind alle gleich schnell, also alle Bits gleich oder sind manche etwas gleicher als andere? Netzneutralität hat etwas damit zu tun, ob und wie Daten transportiert werden, wie schnell sie transportiert werden und ob das, was da transportiert wird, kontrolliert, beschleunigt, abgebremst oder komplett blockiert wird. Dass all das auch etwas mit Meinungsfreiheit zu tun hat, dürfte nicht allzu schwer zu verstehen sein. Das Video zur ZDF-Sendung, die sich mit diesem Thema beschäftigt, ist schon beinahe ein Jahr alt - stellt aber eine gute Einführung in das Thema dar. Geeignet also für alle, die einfach einmal verstehen wollen, was mit dem Begriff 'Netzneutralität' gemeint ist.





s. dazu: Internet-Flatrates am Ende? (Welt Online, 16.04.2010)

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Kann man Kommunikation trainieren?

Die sprechwissenschaftliche Forderung ist alt: Trainer brauchen eine Lizenz! Und das ist eben die Sprecherzieherprüfung, die es seit nunmehr...

Oft gelesen