Mittwoch, 21. Oktober 2026

Kann man Kommunikation trainieren?

Die sprechwissenschaftliche Forderung ist alt: Trainer brauchen eine Lizenz! Und das ist eben die Sprecherzieherprüfung, die es seit nunmehr beinahe 100 Jahren gibt. Nun nennen sich aber viele "Kommunikationstrainer", ohne jemals die Existenz der Sprechwissenschaft zur Kenntnis genommen zu haben, und arbeiten mit alten, im Grunde völlig überholten Modellen. Eines wird dabei häufig übersehen: Fertigkeiten kann man trainieren, Fähigkeiten nicht. Was dabei herauskommt, ist die Vermittlung von "Techniken", "Taktiken" und "Strategien". Da werden dann bestimmte Formulierungen eingeübt und im Verkauf hört man dann "sehr gerne". Oder lauter Fragen, auf die man mit "Ja" antworten soll, damit sich aus der Gesprächsaufzeichnung die Zustimmung zu einem Vertrag ableiten lässt, den man nie abschließen wollte.  Was mit solchen Trainings auf jeden Fall nicht entwickelt wird, ist Gesprächsfähigkeit. 
Mit durchtrainierten "Kommunikationsprofis" kommt man höchst selten wirklich ins Gespräch. Und in der Politik lässt sich das täglich beobachten: die Unfähigkeit, auf eine klare Frage eine klare Antwort zu geben. Es gibt Journalistinnen und Journalisten, die es wirklich drauf haben, kritische Fragen zu stellen, Schwachpunkte aufzudecken, und wer genau zuhört, kann feststellen, wie häufig dann ausschweifende, ablenkende oder beschwichtigende Pseudoantworten als Reaktion kommen. Das Redestehen (oder "logon didonai") ist nicht gerade Mode, sich irgendwie aus der Affäre ziehen, bloß nicht zugeben, dass man etwas nicht weiß, den Schein wahren, obwohl die Wahlversprechen längst gebrochen sind, das ist normal. Sich mit anderen verständigen, sich auf Frage und Antwort wirklich einlassen, das ist keine Frage der Technik, es ist eine Frage der Haltung. Natürlich kann man tausendmal betonen, man sei ja schließlich Demokrat und demokratisch gewählt - das macht aber keinen Demokraten aus einem Angehörigen einer Partei, die die Demokratie scheibchenweise abschaffen will.
Kommunikationspädagogik muss mehr sein als Training, es gilt, Räume zu schaffen, in denen sich Gesprächsfähigkeit wirklich entwickeln kann. Es ist eine Frage der Haltung, ob man mit anderen wirklich ins Gespräch kommen will, oder sie nur benutzt, um selbst gut dazustehen, anderen "ein Gespräch zu reden", ohne wirklich etwas von dem oder der anderen zu erfahren. Also, ihr lieben Trainerinnen und Trainer, hört doch bitte auf mit "Sender" und "Empfänger" - das Modell von Shannon und Weaver stammt aus dem Jahr 1948 - Menschen kommen darin nicht vor. Ein Gespräch ist etwas anderes als die Übertragung von Nachrichten oder Botschaften, es geht um den gemeinsamen Sinn. Sinn gemeinsam zu konstituieren, Sinn zu verstehen, das ist mit Technik allein nicht zu erreichen. Es braucht dazu Menschen, die sich aufeinander einlassen, sich in ihrem Anderssein stehen lassen können. Gesprächsfähigkeit braucht Spannungstoleranz, es gibt keine Gesprächsfähigkeit ohne Konfliktfähigkeit. Und das ist weitaus mehr, als tausend Techniken oder Algorithmen jemals zustande bringen werden.

Montag, 8. Juni 2026

Rheumatoide Arthritis und Depression

Juni 2026. Medical News Today veröffentlicht einen Artikel über den Zusammenhang von Rheumatoider Arthritis und Depression. Ob da vielleicht ein Zusammenhang, eine Wechselwirkung bestehen könnte. Meine spontane Reaktion aus eigenen Erfahrungen war: "ja natürlich." Es macht einfach keinen Spaß, wenn man jeden Tag Schmerzen hat. Im Artikel wird eine Zahl genannt: im Jahr 2021 wurden weltweit 17,9 Millionen Betroffene gezählt, die an rheumatoider Arthritis leiden. Studien zeigen, dass Rheumatoide Arthritis das Risiko für zahlreiche weitere Gesundheitsprobleme erhöht, eben auch Depression. Und depressive Symptome können wiederum die Rheumatoide Arthritis verstärken, vor allem dann, wenn sich die Behandlung als schwierig erweist. Durch den entzündlichen Prozess gehen die Gelenke kaputt. Osteoporose, Herzerkrankungen, Augenprobleme, Schlafstörungen, Übergewicht sind mögliche Folgen. Und dann wird im Artikel eine neue Betrachtung vorgeschlagen, die stärker von einer Wechselwirkung ausgeht - und eben nicht einfach den Schluss nahelegt, bei Schwierigkeiten immer mehr und stärkere Medikamente einzusetzen, sondern dort anzusetzen, wo sich etwas machen lässt. Bei den Lebensbedingungen, Risikofaktoren, dem Umgang mit Schmerz. 

Genau genommen ist das alles nicht neu. Wer sich längere Zeit mit dem Thema Schmerz beschäftigt, kommt an einer umfassenderen Betrachtung und dem biopsychosozialen Schmerzmodell nicht vorbei. Und dort, wo es gelingt, etwas für das Wohlbefinden zu tun, kann es durchaus sein, dass Schmerzen nachlassen, allgemein die Lebensqualität steigt. Rheumatoide Arthritis ist eine körperliche Krankheit. Bei der Behandlung die Psyche auszuklammern und die Wechselwirkungen zwischen Körper und Psyche zu ignorieren, wäre allerdings ein großer Fehler.

Dienstag, 5. Mai 2026

vom hörverstehen

die ohrmuschel draussen 
die hörschnecke drin
hör- und sprachzentren 
machen den sinn 
in der amygdala müssen sie landen 
dann werden worte 
erst wirklich verstanden

Donnerstag, 12. März 2026

Der Verlust des Fragens

Wir leben in einer Welt voller Informationen. Wahre Fluten brechen über uns herein, wenn die Dämme nicht hoch genug sind. Deshalb fasse ich mich kurz. Der eine oder die andere mag die Erfahrung kennen: etwas anzusprechen und dann zu bemerken, dass niemand versteht, worum es eigentlich geht. Und niemand fragt nach. Es geht vielleicht um Dinge, die man nicht im Internet abrufen und in keinem Buch nachlesen kann. Und trotzdem: weil das Neue nicht erkannt wird, tun all so, als wüssten sie Bescheid. Hören, wirklich zuhören, das bedeutet auch, den Neuen Raum zu geben. Unbekanntes erkennen, benennen und erfragen, das ist der Weg zur Erweiterung des Horizonts. In einer Welt, in der es so unendlich viel Dummheit gibt.

Donnerstag, 7. August 2025

Niemand hört (auf) mich

Tja, das ist ein schwieriges Problem… Zunächst einmal glauben die Menschen im Alltag meist, zuhören sei ja kein Problem, das kann ja jeder. Wenn niemand hört, könnte es sein, dass eine Hörminderung vorliegt, aber das ist nur eine von vielen Möglichkeiten. Wenn Kinder nicht hören wollen, muss das nicht an einer Hörminderung liegen, es kann auch auf die Nutzung einer geheimen Röhre zurückgehen, die es möglich macht, Schallwellen schnurstracks von einem Ohr in das andere und wieder hinaus schwingen zu lassen, ohne dass dabei auch nur im Entferntesten eine Reaktion zustande kommen könnte. Weil diese geheime Röhre aber anatomisch nie entdeckt wurde, scheint es doch eine ausgeprägte Fähigkeit des Gehirns zu sein, selektiv hörend alles Unangenehme und Unerwünschte herauszufiltern. Wer sich also nicht unterhalten, also unten halten, lassen will, lernt über das nicht gehört werden Wollende hinweg zu hören. Jenes Überhören ist nicht zu unterschätzen, keinesfalls ein Beleg für Schwerhörigkeit, eher ein Ausdruck, schwer hörig zu werden, also keinesfalls alles wahrzunehmen, für wahr zu nehmen, ernst zu nehmen und dann auch noch, womöglich unhinterfragt, also ohne das zwingende Warum, auch noch einfach so zu tun. Wenn niemand auf mich hören will, dann spreche ich vielleicht zu leise, vielleicht aber gibt es Gründe, oder auch – sehr beliebt in der Generation Kopf-Runter - gerade einen zwanghaften Impuls, das Smartphone als unerschöpfliche Inspirationsquelle der nörgelnden Stimme vorzuziehen, die womöglich einen Zugang zu dem verschaffen könnte, was die nervigen Erwachsenen „Realität“ nennen. Immerhin gibt es Länder, in denen man mit systematischem Nicht-auf-andere-Hören Präsident werden kann. Der eine oder andere wird sich mit dem Spruch trösten „wer nicht hören will, muss fühlen“. Die Natur geht da andere Wege. Die bringt uns so lange ins Schwitzen, bis das Blut zu kochen beginnt. Wer hört denn auf die Natur, das Gras wachsen und das Klima stöhnen? Das Lauschen will gelernt sein.

Donnerstag, 19. Juni 2025

Was ist ein Cochlea-Implantat? Informationsquellen

 Was ist eigentlich ein Cochlea-Implantat und wie funktioniert es?

Hier einige Informationsquellen:

 Was ist ein Cochlea-Implantat?

 Ein Film dazu:

 

Informationen der Deutschen Cochlea Implantat Gesellschaft e.V.:

Informationen zum Cochlea-Implantat 

 

Noch mehr Infos.... das Fachmagazin "Schnecke":

Basiswissen zum Cochlea-Implantat 

 

 

 

Mittwoch, 18. Juni 2025

Töne im Raum - Übung zum Richtungshören

 Ich sitze am Klavier und will ein kleines Werk produzieren. Die Töne sollen sich im Raum verteilen, deshalb bitte Kopfhörer aufsetzen. Es ist nicht so zart wie Mozart, nicht erschrecken. Ich habe zwar kein Klavier und kann auch nicht spielen, aber vielleicht geht es auch so. Also... aus welcher Richtung kommen die Töne, verteilen sie sich nun im Raum?

  Kleines Klavierkonzert

Apps für Audiotherapeuten

 Eine kleine Auswahl aus dem Google Play Store:

 

  • Spectroid

  • Schallmessung

  • Sound Analyzer Basic

  • Tonale Tinnitus Therapie

  • Entspannen Wasser

  • Hörtest

  • Hearing Test (Sennheiser)

  • HVTS - Hörverstehenstest

  • Schallquelle CI - Hörtrainer   

  • Function Generator

  • Das absolute Gehör

  • Konzentrationstraining

  • Groovepad - Music & Beatmaker

  • 40 Gartenvögel und ihre Stimmen


 

Das eine mag für den einen, das andere für die andere passen, sicher nicht alles für alle.

Und es muss nicht immer ein teures Abo sein.

Aufmerksamkeit im Gespräch

Aufmerksamkeit hat zunächst einmal etwas mit der Wahrnehmung zu tun. Aber es geht nicht einfach darum, die Augen aufzumachen, die Ohren aufzumachen, die ja sowieso offen sind und keine Ohrenlider haben - was für den einen oder die andere gelegentlich eher bedauerlich sein mag. Klar ist: so wie ein Computer nur einen begrenzten Arbeitsspeicher hat und nicht mehr richtig arbeiten kann, wenn es zuviel wird, ist auch die Verarbeitungskapazität des menschlichen Gehirns begrenzt. Es liegt nahe, dass die Aufmerksamkeit schwankt und deshalb auch mehr Fehler passieren können, wenn jemand abgelenkt wird. Telefonieren oder Gespräche führen während einer Autofahrt - das kann am Steuer zum Problem werden. Neu ist - dass auch das Gegenteil gilt. Zumindest belegt eine neue Studie, dass umgekehrt auch das Autofahren die sprachlichen Fähigkeiten begrenzt und einschränkt.
Man kann sich einfach dabei schwer auf ein Gespräch konzentrieren - die Fähigkeit, Sprache zu benutzen und Sprache zu verstehen, nimmt ab. Art Kramer, Professor für Sozialpsychologie in Illinois, beschreibt das sehr drastisch: "This study shows that various aspects of language go to hell when you're driving" - verschiedene Aspekte der Sprache gehen beim Autofahren zum Teufel.  In den Untersuchungen benutzte Art Kramer zusammen mit dem Psycholinguisten Gary Dell einen Fahrsimulator. Unter den 96 Versuchspersonen war die Hälfte älter als 65 Jahre, die andere Hälfte etwa 20 Jahre alt. Paarweise zugeordnet sollte eine Person eine Geschichte erzählen, die andere später wiedergeben, was sie behalten hatte. Zunächst wurde gemessen, wieviele Details erinnert werden konnten, wenn der Fahrer einfach nur im Simulator saß. In der zweiten Phase ging es simuliert durch dichten Stadtverkehr - die zweite Person saß daneben oder telefonierte mit dem Fahrer. Diejenigen, die in der Simulation durch dichten Stadtverkehr fuhren, erinnerten sich an 20 Prozent weniger Details - die Fähigkeit, Informationen aufzunehmen, zu verarbeiten und zu behalten, war also deutlich reduziert. Wer nun meint, den Jüngeren würde das nicht so gehen, täuscht sich: auch bei ihnen nahm die Fähigkeit, eine Geschichte wiederzugeben, sehr deutlich ab.

Bereits im Dezember 2008 wurde eine Studie veröffentlicht, dass Telefongespräche während einer Autofahrt die Aufmerksamkeit erheblich stören - mehr als ein direktes Gespräch. Und das gilt auch, wenn eine Freisprechanlage benutzt wurde.

Ein Zitat von Gary Dell aus der aktuellen Studie stimmt nachdenklich: "With modern technology, we're talking more and more while we are doing other things, but we may be understanding one another less and less." Übersetzt: Moderne Technologie füht dazu, dass wir mehr und mehr Gespräche führen, während wir mit anderen Dingen beschäftigt sind. Und dabei verstehen wir uns gegenseitig immer weniger.

Grund genug also, nicht nur beim Autofahren mit Gesprächen vorsichtig zu sein und vor allem im Stadtverkehr eben nicht zu telefonieren. Gespräche zu führen, wirklich gute Gespräche zu führen, das setzt eben auch die volle Aufmerksamkeit voraus. Es geht eben nicht immer nur so nebenbei.


Quellen:

University of Illinois at Urbana-Champaign (2010, January 22). Driven to distraction: New study shows driving hinders talking. ScienceDaily.

Retrieved January 24, 2010, from http://www.sciencedaily.com /releases/2010/01/100122222222.htm

American Psychological Association (2008, December 1). Drivers Distracted More By Cell Phones Than By Passengers. ScienceDaily. 

Retrieved January 24, 2010, from http://www.sciencedaily.com /releases/2008/12/081201081917.htm

s. auch: 

Wiederbelebung....

 Oje. Meinen Blog werde ich wieder aufleben lassen, das wird aber viel Arbeit machen. Alte Sachen, die unineressant geworden sind, links, die nicht mehr funktionieren und Gestaltungselemente, die durch das neue Design nicht mehr lesbar sind. Aaaaaber... es wird auch neue Inhalte geben.

Der springende Punkt


so manchem man ein liedchen singt,
doch keines jenem punkt, der springt
unbeachtet soll er leiden
und doch so mancherlei entscheiden

worauf es ankommt, macht er klar
macht einsicht möglich, wie es war,
sein könnte, sollte oder muss
beendet dann den überdruss

über die wirre vielfalt im denken
kann den blick auf das wichtige lenken

beendet die wirren im gedankensumpf
das fragen wird deutlich, nicht mehr dumpf
glocke der erkenntnis! im schädel klingt
durch den weisen punkt, der springt

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Dipl.-Psych. Rolf Grießhammer
Sprecherzieher (grad.)
Audiotherapeut DSB
Münzstraße 7
34537 Bad Wildungen
 
 


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Rolf Grießhammer (Anschrift wie oben)

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Mittwoch, 30. Oktober 2013

Fragmentierte Traumabearbeitung

Traumatische Erlebnisse scheinen für manche Psychotherapeuten ein rotes Tuch zu sein – mehrfach habe ich von Patienten erfahren, sie seien damit abgewiesen worden, in den Einzelgesprächen im Verlauf einer psychosomatischen Rehabilitation sei ihnen gesagt worden, das müssten sie wieder mit nach Hause nehmen, dafür sei hier keine Zeit.


Solche Erfahrungen machen die ganze Angelegenheit oft noch unangenehmer – wenn sich jemand nach vielen Jahren oder Jahrzehnten endlich dazu durchgerungen hat, von schlimmen Erlebnissen zu berichten, dann sollten sie nicht auch noch die Erfahrung machen, dass niemand darauf eingehen will.

Natürlich gibt es spezielle Zusatzausbildungen für die Traumatherapie, natürlich macht es Sinn, nach Psychotherapeuten zu suchen, die sich darauf in besonderer Weise spezialisiert haben. Aber auch ohne den Anspruch, in die Aufarbeitung tief und umfassend einzusteigen, lässt sich einiges tun, um Wege aufzuzeigen, Entlastung zu ermöglichen und vor allem die Erfahrung des Alleinbleibenmüssens mit unangenehmen Erfahrungen zu korrigieren.

Eben das ist gemeint mit dem Ansatz fragmentierter Traumabearbeitung. Gewalterfahrungen, Missbrauch, Misshandlung, schlimme Unfälle usw. lassen sich nicht in 5 Minuten aufarbeiten, Traumafolgestörungen nicht mit einem einzigen Zauberspruch aus der Welt schaffen. Gerade dann, wenn ein Erlebnis überwältigend, niederschmetternd, überfordernd oder unerträglich war, lässt es sich nicht ‚als Ganzes’ erfassen. Wer dem Prinzip ‚Erinnern und Durcharbeiten’ folgt und dabei solche Situationen untersucht, wird immer wieder neue Aspekte entdecken können. Möglichst viel aufzudecken und dann die Traumatisierten damit allein zu lassen, das ist das Schlimmste, was man ihnen antun kann. Schrittweise vorzugehen und dabei immer mehr Fähigkeiten zu aktualisieren und weiter zu entwickeln dagegen eine sehr wirksame und hilfreiche Methode.

Die Frage, wann ein Trauma hinreichen ‚bearbeitet’ oder ‚aufgearbeitet’ ist, lässt sich nicht so leicht beantworten. Traumafolgestörungen sind gute Kriterien dafür: wenn flashbacks, Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen, Albträume usw. nachlassen, scheint die Aufarbeitung gelungen. Es kann aber auch bedeuten, dass das traumatische Erlebnis erneut weit weggeschoben, analytisch gesprochen massiv verdrängt wird. Vielleicht ist das ja auch sinnvoll und damit komme ich zu einer differenzierteren Betrachtung dessen, was als Verdrängung bezeichnet und oft als unangemessen bzw. krankhaft eingeordnet wird.

Die Psyche verfügt über Schutzmechanismen.

Wenn eine Situation unerträglich ist, kann ich mich aus ihr befreien – selbst dann, wenn ich mich kaum bewegen kann. In meiner Phantasie bin ich dann ganz woanders, gar nicht da, das Schlimme betrifft mich nicht, hat mit mir nichts zu tun. Ich bin woanders, ich bin ein anderer, das was mir widerfährt, bin ich nicht.

Vielleicht dauert es dann Jahre oder Jahrzehnte, bis das Erlebnis sich wieder meldet, gewissermaßen ‚Hallo’ sagt und nun endlich mal bearbeitet werden möchte. Wie ein Brief, zeitgemäßer vielleicht: eine E-Mail, die immer noch nicht beantwortet wurde, sich aber auch irgendwie nicht löschen lässt.

Beantworten ist dann auch: zu erkennen, „das war ich wirklich, das ist mir passiert“. Sich an das Schreckliche herantasten, um schrittweise zu verstehen, was da eigentlich geschehen ist, wie es geschehen konnte, all die Fragen zu beantworten, die quälend sein können, Fragen nach dem Warum, warum gerade ich, warum gerade mir so etwas passieren musste.

Fragmente sind Splitter, Erlebnisaspekte, Gefühlsqualitäten wie Entsetzen, Schuld, Angst, Scham, Misstrauen, Unsicherheit und Verzweiflung. Wenn alles auf einmal mit aller Wucht ins Bewusstsein strömen würde, könnte die emotionale Überschwemmung alles zunichte machten, was an konstruktiver Aufarbeitung angeregt wird.

Nehme ich dagegen ein einzelnes Fragment heraus, wird die komplizierte Geschichte leichter handhabbar. Gehe ich davon aus, dass ein dicker Brocken darin besteht, in der Vergangenheit hängenzubleiben, ist allein die Fähigkeit, auf der Zeitachse wieder zurück in die Gegenwart zu finden, eine große Hilfe.

So, liebes Trauma, ich komme mal zu Besuch, aber ich sage es gleich: wenn es mir zuviel wird, dann gehe ich wieder. Es ist eine bildhaft-symbolische Betrachtung, die Schutzmechanismen entwickelt gegenüber der Gefahr, von einem traumatischen Erlebnis gewissermaßen gefangen zu werden. Äußerungen wie „ich muss immer daran denken“ zeigen, dass solche spontan ins Bewusstsein dringenden quälenden Erinnerungen durchaus zwanghaft wirken können. Sich befreien heißt dann, entscheiden können, ob ich mich erinnern will oder nicht. Sprachanalytisch betrachtet: ‚ich erinnere mich’ ist eine reflexive Formulierung, ich tue da etwas mit mir, sage ich dagegen ‚ich erinnere etwas’ kommt ein Objektbezug zum Ausdruck.

Sich aufdrängende Erinnerungen sind mit dem Erlebnis von Unkontrollierbarkeit verbunden.

Alles, was in irgendeiner Weise dazu dient, Selbstkontrolle zu entwickeln, hilft auch, diesen unangenehmen Aspekt traumatischer Erlebnisse zu reduzieren. Das Fragment „ich bin hilflos und kann nichts tun“ bekommt durch die Erfahrung zunehmender Selbstkontrolle eine andere Akzentuierung, verliert an Bedeutung. Das, was in einer Situation hilft, Einfluss zu nehmen, sich nicht hilflos zu fühlen, lässt sich vielleicht auch in einer anderen Situation einsetzen.

Wenn ich eine Situation erinnere, also bewusst wieder wachrufe, erkenne, dass ich damals vielleicht hilflos war, heute aber, jetzt gerade nicht hilflos bin, dann ist die Erinnerung nicht mehr so schlimm. Gleichzeitig wird damit eine Brücke geschlagen, die aus der Vergangenheit wieder in die Gegenwart zurückführt.

Damit sind natürlich noch lange nicht alle Fragmente beschrieben, die bei traumatischen Erlebnissen relevant sind. Aber ich hoffe, es ist deutlich geworden, dass auch Verhaltenstherapeuten, die vielleicht mit der Aufarbeitung vergangener Erfahrungen ‚gar nichts am Hut haben’, durchaus etwas tun können, um die Traumabearbeitung vorzubereiten.

Dann müssen die Betroffenen nicht noch länger damit allein bleiben. Vielleicht hilft ein kleiner Schritt in einem kleinen Fragment nur ein kleines Stück weiter.

Aber das ist doch schon etwas.

                                                                                                                                                              ***

Donnerstag, 31. Januar 2013

Schmerzdistanzierung


Schmerzen zu erleben kann sehr unangenehm und belastend sein. Vielleicht ist von außen nichts zu erkennen, es scheint für andere vielleicht alles in Ordnung. Der Spruch ‚geteiltes Leid ist halbes Leid’ ist nicht erfahrbar, wenn das persönliche Erleben von Schmerz eben nicht geteilt, nicht mitgeteilt werden kann.

Vielleicht bleibe ich manchmal allein mit meinem Schmerz, mit meinem Schmerz allein. Es kann angenehm und tröstlich sein, Verständnis zu erfahren.  Spätestens dann, wenn einmal niemand da ist, der meinen Schmerz versteht, ist es umso wichtiger, dass ich selbst fürsorglich mit mir umgehen kann. Vieles spricht dafür, dass das Ankämpfen gegen den Schmerz die Sache nur noch schlimmer macht, das Annehmen von Schmerz bedeutet aber auch nicht Passivität oder Resignation.

Das Bemühen um Abstand, um Distanz kann mir helfen, nüchterner mit meinem Schmerz umzugehen, mich weniger einfangen zu lassen, ihm seine Macht zu nehmen. Ich habe Schmerzen, aber ich „bin“ nicht meine Schmerzen. Mein Körper gibt mir Signale, dass da etwas nicht in Ordnung sei. Vielleicht sind diese Signale aber auch trügerisch, entstanden in meinem Kopf, ohne wirkliche Bedeutung, ohne Botschaft.

Sachlich und distanziert kann ich meinen Schmerz fragen, was er mir mitteilen möchte. Soll ich mich wirklich um einen bestimmten Körperteil kümmern oder habe ich schon alles getan, was mir möglich war? Soll ich meinem Schmerz viel Raum lassen oder ist es an der Zeit, mich anderen Dingen zuzuwenden, weil ich längst verstanden habe, was mir mein Körper mitteilen wollte?

Ich will nicht passiv werden und in eine Schonhaltung verfallen, die mir nicht weiterhilft.
Ich will mich nicht überanstrengen und damit neue Schmerzen auslösen.

Achtsam mit mir umzugehen bedeutet, sorgfältig zu beobachten, welches Maß an Anstrengung, welche Form und welche Intensität an Bewegung für mich angemessen und mit minimaler Anstrengung möglich sind.  Mein Schmerz kann mir ein Wegweiser sein, der mir zeigt, wie ich am besten mit mir selbst umgehen kann.

Wenn ich meinen Schmerz wahrnehmen kann, bin ich von meinem Schmerz getrennt. Beobachten und beschreiben, verstehen und aus der Distanz überlegen, wie ich jetzt am besten reagiere… wo auch immer die Ursache für meine Schmerzen liegen mag, ich kann mein Schmerzerleben in jedem Fall selbst beeinflussen. Vielleicht genügt dazu eine kleine Bewegung…

…meiner Gedanken…
…meiner inneren Bilder…
…meiner Muskeln…
…meiner Gefühle…

Für den Fall, dass mein Schmerz sich auf die Reise macht und verschwinden will,
lasse ich ihn ziehen.

***

Sonntag, 18. November 2012

Rad ab? Vorurteile gegen Psychologen


Summary: In einer empirischen Studie wurden weit verbreitete Vorurteile und ihre Kovarianz mit dysfunktionalen Prozessen in der Psychotherapie untersucht. Aus mehr als dreihundert digitalisierten Therapieprotokollen wurden außerdem die relevantesten Vorurteile extrahiert und in 1587 Supervisionsstunden bis zum Erbrechen reflektiert. Es ist A. Schnurz und B. Piepegal ein wichtiges Anliegen, die Auflösung der Vorurteile voranzutreiben und die noch ungeklärten Fragen zu beantworten.

Stimmt es, dass Psychologen alle ein Rad ab haben?


Schnurz & Piepegal: „gelegentlich ja“. Vor allem, wenn ein Reifen platt ist, neigen Psychologen in ähnlicher Weise wie andere Akademiker, Nicht-Akademiker und Möchtegern-Akademiker dazu, das entsprechende Rad zu Reparaturzwecken zu entfernen. Empirische Studien haben gezeigt, dass sich Fahrzeuge mit plattem Reifen signifikant langsamer bewegen und die Funktionalität selbiger Gegenstände am besten durch das Dissoziieren des runden Teils vom Rest des Fahrzeugs wieder hergestellt werden kann. Also: „Rad ab, wenn es sein muss“ (Schnurz & Piepegal, a.a.O, S.197).

Haben alle Psychologen einen Hammer?

„Diese Hypothese konnten wir nicht bestätigen“, aber das ist A.Schnurz & B.Piepegal folgend nur eine Seite. Denn manche haben tatsächlich einen Hammer und rationalisieren die Anwendung dieses Werkzeugs mit der Kognition, die Fähigkeit unter Beweis stellen zu wollen, trotz des akademischen Hintergrunds einen Nagel in die Wand schlagen zu können. In der Tat zeigte ein nicht unerheblicher Teil der untersuchten Therapeutenbüros an der Wand hängende Bilder. Die Schlussfolgerungen sind A.Schnurz und B.Piepegal klar: dort musste jemand sein, der einen Hammer hat. Oder zumindest jemanden kennt, der einen Hammer hat.

Stimmt es, dass Psychologen nicht mehr alle Tassen im Schrank haben?

Diese Frage ließ sich in der empirischen Studie aus der Beobachtung von 537 Therapeutenbüros über einen Zeitraum von 2 Wochen ganz klar beantworten. Schnurz und Piepegal: „Ja, das stimmt, weil sie eine davon zum Kaffeetrinken brauchen.“ Bei Teetrinkern gilt die Kausalität in analoger Weise.

Mit einer multivariaten Varianzanalyse konnten die Autoren Zusammenhänge zwischen Art und Ausmaß der Vorurteile auf Patientenseite sowie konstruktiven bzw. dysfunktionalen Prozessen in der Psychotherapie ermitteln. Das Vorurteil „Rad ab“ reduzierte signifikant die Therapiemotivation bei Patienten, die Angst vor dem Autofahren hatten. Widersprüchliche Ergebnisse ergaben sich beim zweiten Vorurteil: bei manchen Patienten wirkte sich die Anwesenheit eines Hammers nicht auf den therapeutischen Prozess aus, bei Abwesenheit könnte ja schließlich der Nachbar gefragt werden. Patientinnen neigten eher dazu, die Beine beim Anblick eines Therapeutenhämmerchens übereinander zu schlagen und die Überprüfung des Kniesehnenreflexes zu erwarten. Bezüglich des dritten Vorurteils zeigten sich ebenfalls keine Effekte, sofern den Psychologen eine gewisse Privatsphäre zugestanden wurde. Wenn Besenkammer und Küchenschrank tabu sind, wird die Anzahl der sich dort befindlichen Schachteln, Schrauben und Tassen nach A.Schnurz und B.Piepegal irrelevant.

Literatur:

SCHNURZ & PIEPEGAL (2012). Rad ab? Vorurteile gegen Psychologen und ihre Kovarianz mit dysfunktionalen Prozessen in der Psychotherapie. Berlin, Ouagadudu, Los Angeles: Sure Camp Press.

***

Samstag, 27. Oktober 2012

Blood Police (Leukozytentango)

Blood Police (Leukozytentango) by mejaro

Zur Visualisierung der Aktivierung weisser Blutkörperchen bei zu geringer Leukozytenzahl. Ob es etwas bringt... keine Ahnung. Aber versuchen kann man es ja mal, die Blutpolizei zu unterstützen, wenn mit den Leukozyten etwas nicht stimmt. Den Dingern wird immerhin wohl ziemlich selten ein Stück gewidmet.

***

Sonntag, 30. September 2012

Das Schema Bitterkeit


Es fehlt in der Sammlung von Youngs Schematherapie: das Schema Bitterkeit. Es gibt Berührungspunkte zu anderen Schemata wie Misstrauen, Anspruchshaltung oder auch Unzulänglichkeit. Das Schema Bitterkeit beschreibt aber etwas Anderes, verdient meiner Ansicht nach eine eigenständige Betrachtung.

Es kann mit Misserfolgen zu tun haben, aber die Abgrenzung zum Schema Unzulänglichkeit ist, dass es nicht vorrangig um internale Attributionsmuster geht. Misserfolge nicht auf das eigene Versagen zurückzuführen ist nicht ein Lösungsansatz, sondern gerade das Problem. Es ist, vorläufig rein hypothetisch formuliert, ein Schema das häufiger bei älteren Menschen auftaucht, sagen wir, Menschen, die über einen längeren Zeitraum viele schlechte Erfahrungen gemacht haben, und dabei klar erkennen, dass sie kaum anders hätten handeln können. Schlaue Therapeutenstrategien, die auf neue Versuche, Veränderungen, neues Glück oder Ähnliches setzen, greifen ins Leere. Dem Prinzip Hoffnung alle Ehre, aber mal im Ernst: wer nach Jahrzehnten beruflicher Tätigkeit seine Stelle verliert, weil die Firma eben zumacht, weil die Jungmanager eben Geld sparen wollen und die "Alten" eben zu teuer sind oder weil die Knochen eben nicht mehr mitmachen - hat eben keine rosigen Aussichten. Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, einer Gesellschaft, die auf viele Dinge keine Rücksicht nimmt. Das zu erkennen ist bitter. Ist das Bittere dann schon krank oder muss noch mehr dazu kommen, bis die Diagnose "Verbitterungsstörung" gerechtfertigt ist?

Bitterkeit als Schema einzuordnen ist etwas weniger dramatisch, weniger stigmatisierend, vermag doch der Begriff Verbitterungsstörung das Bittere noch bitterer machen, indem dem Elend auch noch das Etikett zugefügt wird, "einen an der Klatsche" zu haben. Dabei habe ich vor allem jene Altersgruppen vor Augen, für die körperliche Krankheiten die einzigen sind, die 'man haben darf, ohne gleich als bekloppt zu gelten'. Psychotherapie, das ist eben 'neumodisches Zeugs und dass die Psychologischen Psychotherapeuten keine Ärzte sind, das ist ja merkwürdig, sind das denn keine Psychiater? Gibt' s denn da nicht auch gleich Medikamente und ist nicht eh alles erblich und liegt in der Familie?'

Nein, so ist es nicht gemeint. Das Nachdenken über das Schema Bitterkeit ist natürlich verbunden mit der Frage nach angemessenen therapeutischen Strategien. Und dabei denke ich zuerst an das Annehmen des Bitteren am Bitteren. Vielleicht ist es ja nicht mehr so bitter, wenn man es akzeptieren kann, sich 'mit dem Schicksal versöhnt hat', Abstand gewinnen kann von den vielen Vorgaben, Ansprüchen und Forderungen, wie die Dinge zu sein hätten, wie Menschen zu sein hätten und so fort.

Alles hat einmal ein Ende, das ist bitter. Da werden Leute angegriffen wegen eines Videos, mit dem sie nichts zu tun haben, das ist bitter. Bitter ist nicht nur manche Schokolade, bitter ist die Vergänglichkeit, Zerbrechlichkeit aller Menschen und allem, was sie jemals geschaffen haben (und noch schaffen werden?). Bitter ist der Tod.

Das Schema Bitterkeit ist ein Bewertungsmuster für bestimmte Aspekte der Realität. Wer Bitterkeit empfindet, traurig oder niedergeschlagen auf so manches schicksalhafte Ereignis reagiert, zeigt etwas, das nachvollziehbar, verständlich ist. Das Bittere als bitter zu empfinden ist aber auch eine Bewertung. Und wenn die Bewertung das eigentlich Bittere ist, dann lässt sich das Bittere auch verwandeln. Es läuft dann doch immer wieder darauf hinaus, die Dinge eben so zu akzeptieren, wie sie sind. Das ist schwer. Und dass es schwer ist, ist vielleicht auch bitter.

Vielleicht sollten wir das unseren Kindern sagen: erwarte nicht, das alles leicht wird oder alles gelingt. Aber achte dabei auf die Art, wie du die Dinge bewertest. Denn diese Bewertungen könnten ungesund sein.

*

Wirkt Psychotherapie auch übers Telefon?


Die Schwelle zur Psychotherapie ist hoch - in Deutschland warten viele monatelang auf einen Therapieplatz, aber das ist nicht das einzige Problem. Die Angst vor der Therapie, die Befürchtung gesehen zu werden, die Schwierigkeit, gerade in ländlichen Regionen dort hin zu kommen, wo es Psychologische Psychotherapeuten gibt, hält zudem noch mehr Menschen davon ab, überhaupt einen Therapieplatz zu suchen. Wenn das alles auch per Telefon ginge, es hätte Vorteile, allen Bedenken, die da sein mögen zum Trotz. Vorteile und Nachteile lassen sich diskutieren, eine Frage ist dabei zentral: wirkt Psychotherapie denn überhaupt übers Telefon?
Immerhin fehlt der extraverbale Bereich, die Möglichkeit, Verhalten direkt zu beobachten, es fehlt der direkte Kontakt in einem gemeinsamen Raum.

In Cambridge wurde diese Frage untersucht: 39.000 Paiteten wurden dabei befragt, das ist eine beträchtliche Anzahl. Der Vergleich bezog sich auf Kognitive Therapie - in der einen Gruppe im direkten Kontakt, in der anderen übers Telefon. Für die meisten zeigten sich beide Varianten in gleicher Weise wirksam, ausgenommen ist dabei eine abgrenzbare Gruppe mit ernsthafteren Problemen.

Die Autoren weisen darauf hin, dass Psychotherapie per Telefon auch jenen zugänglich ist, die aufgrund von Transportproblemen, beruflichen Verpflichtungen, körperlichen Einschränkungen oder anderer Probleme gar nicht in der Lage wären, eine psychotherapeutische Praxis aufzusuchen. Außerdem waren die Kosten in der Studie für die Psychotherapie per Telefon deutlich geringer (im Originaltext sind 36,2% Kostenersparnis angegeben, die Zahl bezieht sich auf den Osten Englands).

Dem Wunsch der University of Cambridge, bei Bezugnahme auf diese Studie einen Link auf die ensprechende Seite zu setzen, komme ich gern nach:



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Dienstag, 25. September 2012

Gleitflug 7 (überm Dom)

An diesem Stück bastle ich seit Monaten immer wieder herum... eine neue Bassmelodie musste her und das Geläut am Anfang könnte, sollte und dürfte die Vorstellung wecken, über einen Dom zu fliegen. Ansonsten stelle ich immer wieder fest, wie irrsinnig schwierig es ist, ein bestimmtes Klangbild auch wirklich umzusetzen...

Gleitflug 7 (überm Dom) by mejaro

Montag, 23. Juli 2012

Selbstfürsorge: Affirmationen


Vorbemerkung: Depression. Burnout. Immer wieder stelle ich fest, dass manche Menschen wenig selbstfürsorglich sind. Sie kümmern sich um andere, um die Arbeit, vergessen sich selbst dabei. Das hat was, aber für mich persönlich ist mir längst klar geworden: wenn ich für andere da sein will, muss ich mich auch um mich selbst kümmern. Für jene, die sich selbst zu oft vergessen, wo es wichtig wäre, nicht egoistisch, aber eben selbstfürsorglich zu sein, habe ich diesen geschrieben. Er gibt Anstöße zum Nachdenken, aber auch für Gespräche.

Ich bin mir dessen bewusst, dass mein  Erleben und Handeln von äußeren und inneren Faktoren beeinflusst wird. In der Welt und in mir selbst können unterschiedliche Kräfte in unterschiedliche Richtungen wirken. Daraus werden sich immer wieder Konflikte ergeben. Leben und Lernen, Wachsen und Reifen bedeutet stets: sich mit Konflikten auseinander setzen, vermitteln, balancieren, nach Lösungen suchen und Entscheidungen treffen.
Bei alledem sorge ich für mich selbst, wie eine erwachsene Person für ein Kind, wie eine erwachsene Person, die sich der vielfältigen Verantwortlichkeiten und Regelungen in der Gesellschaft bewusst ist. Selbstfürsorge ist auch Selbstkontrolle. Wenn ich mich selbst nicht kontrolliere, können Kräfte in mir wirksam werden, die mich in unerwünschte oder gefährliche Richtungen lenken. Meine Gefühle sind Wegweiser, sie machen mich auch Besonderheiten, angenehme und unangenehme, schützende und gefährliche Aspekte des Lebens aufmerksam.
Für mich sorgen bedeutet auch, meine eigenen Bedürfnisse, meine Neigungen und Präferenzen, meine Interessen und Wünsche, Motive und Ziele immer klarer zu erkennen und zu entwickeln. Für mich sorgen bedeutet, mich selbst zu ermutigen und auf konstruktive, entwicklungsfördernde Prozesse zu achten.
Wenn mir etwas fehlt, bemühe ich mich darum, das zu bekommen, was ich brauche. So wie es mir entspricht und wie es für mich akzeptabel ist.  Ständig bewege ich mich zwischen Anpassung und Abgrenzung, zwischen Kontaktaufnahme und Rückzug.
Auf irgendeine Weise bin ich immer so wie alle Menschen. Auf irgendeine Weise bin ich so wie viele Menschen. Auf irgendeine Weise bin ich so wie niemand sonst auf der Welt, anders als alle, die jemals gelebt haben und anders als alle, die jemals leben werden. Diese Einmaligkeit und Unverwechselbarkeit macht das Besondere meines Lebens aus.
Alles was ich tue und alles, was ich lasse, hinterlässt Spuren. Dort, wo ich für mich selbst sorge, zeige ich mehr oder weniger erkennbar für andere, dass Menschen wertvoll sind, Respekt und Achtung verdienen.
Gerade dann, wenn ich Wertschätzung von anderen schmerzlich vermisse, ist es besonders wichtig, dass ich selbst achtsam und wertschätzend mit mir selbst umgehe.
Wenn ich ehrlich mit mir selbst und zu mir selbst bin, werde ich so manches erkennen, das mir nicht gefällt. Ich kann nicht einfach so ganz anders sein. Aber ich kann mich um Veränderungen bemühen und früher oder später für das eine oder andere Problem eine Lösung finden.
Wenn mir bewusst ist, wie lange es manchmal gedauert hat, bis in der Geschichte der Menschheit Lösungen für schwierige Probleme gefunden wurden, muss ich nicht von mir fordern, morgen ein literarisches Meisterwerk zu schreiben, übermorgen eine Sinfonie zu komponieren und am dritten Tag eine wissenschaftliche Theorie zu entwickeln, die die Relativitätstheorie in den Schatten stellt. Bei dem, was ich mir selbst abverlange, berücksichtige ich stets meine Fähigkeiten, mein Wissen und meine Erfahrung.
Etwas Neues zu tun kann bedeuten, dass ich beim ersten Versuch scheitere oder Schwachpunkte erkenne, also mit den Ergebnissen noch nicht zufrieden bin. Ich kann mich fragen, ob ich mir die metaphorische Latte zu hoch gehängt habe oder einfach noch mehr üben muss. Wenn mir etwas nicht gelingt, das Ergebnis aber wichtig ist, versuche ich etwas anderes. Probleme kann ich schrittweise angehen und verschiedene Möglichkeiten abwägen. Um meine Problemlöseprozesse optimal zu gestalten brauche ich Geduld mit mir selbst.
Wenn ich erkenne, dass Veränderungen viel Zeit und Mühe kosten können, kann ich auch nachsichtiger mit mir selbst und anderen umgehen. Ein Grashalm oder eine Blume wachsen nicht schneller, wenn ich sie unter Druck setze. Fürsorglich wie ein Gärtner achte ich auf Licht und Wasser - das Notwendige, das ich brauche, die Förderung die ich brauche, um wachsen zu können.
So wlll ich Gärtner sein für das, was in mir selbst wachsen will, Zeit und Geduld, aber auch Schutz und Fürsorge braucht.
Zeit und Geduld werde ich auch brauchen, um zu erkennen, was all das für mich persönlich bedeuten kann und wie ich diese Selbstfürsorge für mich in meinem Leben lebendig werden lassen kann.

Kann man Kommunikation trainieren?

Die sprechwissenschaftliche Forderung ist alt: Trainer brauchen eine Lizenz! Und das ist eben die Sprecherzieherprüfung, die es seit nunmehr...

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