Donnerstag, 15. April 2010

Können Schmerzen angenehm sein?

Können Schmerzen angenehm sein? Eine neue Studie scheint diesen Schluß nahezulegen. Genauer gesagt: chronischer Schmerz verändert die Wahrnehmung akuten Schmerzempfindens. Noch genauer: das Gehirn reagiert anders. Die Studie, um die es geht, ist im Journal "Neuron" erschienen und beschreibt die veränderte Reaktion neuronaler Schaltkreise bei chronischen Schmerzen. Wie das alles genau funktioniert, das liegt teilweise noch im Dunkeln - zunächst einmal ist Schmerz eine subjektive Empfindung, was sich dabei auf der physiologischen Ebene abspielt, ist nicht so ganz klar. Das Forscherteam um Dr. A. Vania Apkarian (Northwestern University Feinberg School of Medicine in Chicago) benutzte die Magnetresonanztomographie, um die Hirnaktivität bei akuten und chronischen Schmerzen zu untersuchen. Mit 'chronischen Schmerzen' sind dabei Rückenschmerzen gemeint, die 'akuten Schmerzen' sind im Original als 'acute noxious themal stimuli' bezeichnet - 'noxious' heißt wörtlich 'schädlich', 'thermal stimuli' sind Temperaturreize, und da der Begriff 'thermal' meist für Hitze verwendet wird, tippe ich auf Hitzereize - also etwa die Berührung mit einem sehr heißen Gegenstand. Die Schmerzwahrnehmung und die Hirnregionen, die in den beiden Gruppen aktiviert wurden, waren nahezu identisch - aber es gab einen deutlichen Unterschied in der Region des Nucleus accumbens. Und das ist nun das Seltsame: bei den Patienten mit chronischen Rückenschmerzen löste akuter Schmerz einen Rückgang der Aktivitäten im Nuclues accumbens aus. Akuter Schmerz reduziert also den chronischen - und wirkt kurzfristig angenehmer als der chronische Schmerz. Die Forscher interpretieren das Ergebnis als einen dysfunktionalen Lernprozess bei chronischen Schmerzpatienten.

Kommentar: dieser etwas merkwürdige Effekt lässt sich verhaltensanalytisch gut erklären - wer keine chronischen Schmerzen hat, empfindet nachlassenden Schmerz natürlich als Erleichterung (ein unangenehmer Reiz fällt weg). Bei chronischen Schmerzen tritt mit dem Rückgang des akuten unangenehmen Reizes aber der noch unangenehmere chronische Schmerz in den Vordergrund - also 'tut es weh, wenn der Schmerz nachlässt". Ob sich dieser Befund schmerztherapeutisch umsetzen lässt, ist allerdings die Frage - auch wenn akute Schmerzen kurzfristig ablenken und 'angenehm' sind... scheint mir diese 'Methode' nicht besonders menschlich oder hilfreich zu sein...

vgl. dazu eine weitere Übersetzung der Studie: Wenn Schmerzen von Schmerzen ablenken

Literatur:
Marwan N. Baliki, Paul Y. Geha, Howard L. Fields, A. Vania Apkarian. Predicting Value of Pain and Analgesia: Nucleus Accumbens Response to Noxious Stimuli Changes in the Presence of Chronic Pain. Neuron, Volume 66, Issue 1, 149-160, 15 April 2010 DOI: 10.1016/j.neuron.2010.03.002

Quelle:
Cell Press (2010, April 15). Hurts so good: Chronic pain changes brain response to acute pain. ScienceDaily. Retrieved April 15, 2010, from http://www.sciencedaily.com­/releases/2010/04/100414122637.htm

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Mittwoch, 14. April 2010

Spencer Johnson, Entscheidungen und Psychosen

Die Fahrt im Space Elevator hatte ich kaum wahrgenommen, noch bevor ich ein Bild davon entwickelt hatte, in welcher Ecke der Raumstation Orbital Alpha ich denn diesmal gelandet war, reichte mir jemand einen Zettel. Zettel? Wie altmodisch, dachte ich noch.
"Ja oder nein?", stand darauf. "Spencer Johnson?", kam meine spontane Reaktion. "Ja, genau." Aha, dachte ich halbwach dämmernd, wenn ich von so etwas träume und mir Spencer Johnson begegnet, dann stehen wohl Entscheidungen in meinem Leben an. Soso... Wollte er mich zu einer Wanderung einladen? Es wurde eher ein Spaziergang daraus, rund um den Orbitalring, der die Raumstation kreisförmig umschloss. Der Blick in den Weltraum war faszinierend, so weit über den Wolken in die Ferne blicken zu können, das hatte schon seinen Reiz. Ins Gespräch vertieft über Höhen und Tiefen, beweglichen Käse, Veränderungen und Entscheidungen stellte er mir unerwartet eine Frage. "Was stellen Sie sich unter einer Psychose vor? Und jetzt bitte keinen Lehrbuchvortrag...". Da überlegte ich dann eine Weile...
"Psychose ist ein unvollständiger Bezug zur Realität", antwortete ich schließlich.
Spencer Johnson war erstaunt. "Kein 'gestört', kein 'verrückt'?", wollte er wissen. Nein, die Wahl des Wortes 'unvollständig' war bewusst gewählt, so etwas fällt mir eben nur im Traum ein... "Stellen Sie sich vor, Sie haben eine Idee. Wollen ein Buch schreiben über Entscheidungen, kommen auf die Idee, eine Wanderung als Rahmen zu wählen, schreiben ein paar Zeilen, zwei oder drei Seiten. Welche Impulse kommen Ihnen in den Sinn, wenn Sie einen Schritt zurücktreten und sich sagen, 'das Werk ist unvollständig'?" - "Weiter schreiben natürlich, inzwischen ist das Buch ja längst fertig", sagt er. Richtig, das Buch ist längst fertig... wie so manches andere auch. "Was wäre gewesen, wenn jemand den Entwurf als 'verrückt' oder 'gestört' bezeichnet hätte?" - "Nichts, ich hätte mich höchstens darüber geärgert", meinte er und rätselte wohl, worauf ich hinaus wollte.
"Im Grunde geht es um eine einfache Strategie - der Weg aus der Psychose ist die Suche nach der Realität. Das hat auch etwas mit Entscheidungen zu tun. Und so ähnlich, wie man seinen Verstand und sein Herz befragen kann, wenn es um Entscheidungen geht, kann man auch Fragen stellen, um den Bezug zur Realität zu vervollständigen. Was ist für mich real? Was ist für andere real? Wie kann ich mich mit anderen über das verständigen, was real ist?" - "Das klingt beinahe so, als würden Sie Psychosen nicht besonders ernst nehmen... So einfach ist es nun wirklich nicht", wandte er ein. "Schließlich flüchten manche gerade deshalb in die Psychose, weil sie die Realität nicht aushalten können". Trotz allem stimmte er mir zu, dass auch das mit Entscheidungen zu tun hatte... auch wenn sie nicht unbedingt sehr bewusst getroffen waren. So. als würde sich die Psychose langsam heranschleichen, aus einer vagen Idee eine feste Überzeugung basteln... Ich dachte an Birdy:


Klar, fliegen zu können wie ein Vogel, das wäre eine feine Sache. Im Traum ist das ja auch kein Problem. Die Bälle, die sein Freund schließlich anschleppt, um ihn in die Realität zurück zu bringen, haben dagegen etwas Handfestes. Zum Anfassen.
Beim Aufwachen sortierte ich erstmal... begegnet bin ich Spencer Johnson nie, aber sein Buch "Ja oder nein" gibt es wirklich. Den Film "Birdy" auch. Es hat schon was, wenn man zwischen Realität, Fantasie und Traum klar und deutlich unterscheiden kann.

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Macht Mobbing verrückt?

Kinder, die in der Schule mehrere Jahre lang gemobbt wurden, entwickeln mit einer viermal höheren Wahrscheinlichkeit psychotische Symptome.
 Das ist das Ergebnis einer Studie, die Dieter Wolke, Professor für Entwicklungspsychologie in Warwick, durchgeführt hat. Die Datenbasis ist dabei beachtlich: 6.437 Kinder wurden von Geburt an bis zum 13. Lebensjahr beobachtet, getestet und befragt, die Eltern waren ebenfalls in die Studie mit einbezogen. Bei den Kindern, die im Alter von 8 und 10 Jahren befragt wurden, gaben 13,7% an, über Jahre hinweg schikaniert worden zu sein - bei den 10-Jährigen wurden 5,2% körperlich und psychisch angegriffen. Im Alter von 13 Jahren wurden die Kinder ausführlich befragt, ob sie im letzten halben Jahr psychotische Symptome erlebt hatten. Erfasst wurden dabei Halluzinationen, Wahnvorstellungen, etwa die Idee, von anderen ausspioniert zu werden oder die Überzeugung, dass die eigenen Gedanken im Radio ausgestrahlt werden.
Opfer zu sein kann also die Wahrnehmung der Welt verändern - bis hin zu psychotischen Symptomen. Feindselige Beziehungen mit Gleichaltrigen stellen also einen Risikofaktor dar, der im Erwachsenenalter zur Entwicklung von Psychosen (vorsichtig formuliert) beitragen kann. Langjährige Opfer verfügen weniger über Bewältigungsstrategien für soziale Konflikte und haben weniger Freunde, die ihnen helfen könnten.

Welche Schlußfolgerungen lassen sich daraus ziehen?

Wenn Mobbing in der Schule als Risikofaktor bezeichnet wird, dann ist damit nicht die Vorstellung einer strengen Kausalität verbunden. Grundsätzlich können viele Faktoren eine Rolle spielen, die zur Entwicklung einer Psychose führen. Die Studie zeigt aber Zusammenhänge auf, die nachvollziehbar machen können, wie sich aus einer realen Bedrohung irrationale Gedanken entwickeln können - dann nämlich, wenn die Bewältigungsmöglichkeiten nicht mehr ausreichen, die soziale Situation nicht mehr kontrollierbar ist. Die Vorstellung, dass Psychosen mit Angst zu tun haben, auf Beziehungsstörungen hinweisen und eine unerträglich gewordene Realität verzerren und ausblenden, liegt zumindest als Erklärungsansatz nahe. Und das bedeutet auch, dass Unterstützung in sozialen Konfliktsituationen, die Vermittlung von Bewältigungsstrategien und der Blick auf Mobbingsituationen in der Schule zur Prävention psychotischer Entwicklungen beitragen kann.


Literatur: 

Schreier et al. Prospective Study of Peer Victimization in Childhood and Psychotic Symptoms in a Nonclinical Population at Age 12 Years. Archives of General Psychiatry, 2009; 66 (5): 527 DOI: 10.1001/archgenpsychiatry.2009.23

Quelle:

 
University of Warwick (2009, May 5). Children Bullied At School At High Risk Of Developing Psychotic Symptoms. ScienceDaily.
Retrieved April 14, 2010, from http://www.sciencedaily.com /releases/2009/05/090503213612.htm

s. auch:

Mobbing am Arbeitsplatz 
Bookmarks zum Thema Mobbing 
Im Blog der Psychotherapiepraxis Dr. Rose Shaw finden sich weitere Studien zum Thema Mobbing.


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Dienstag, 13. April 2010

Inhaltsverzeichnis Psychologie


(in Arbeit, wird ergänzt) 

Methodenlehre und Wissenschaftstheorie


Allgemeine Psychologie



Sozialpsychologie 


Klinische Psychologie  

Entspannungsmusik: Minded Constellation (13.11.2009)  
Entspannungsmusik: Serenity - Sunsets (01.12.2009)
Meditation gegen Hitze (02.07.2009) 

Umweltpsychologie 


Parapsychologie und Grenzgebiete der Psychologie


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Sonntag, 11. April 2010

Yesterday, 40 Years Ago...

Gestern. Gestern vor 40 Jahren sind die Beatles auseinander gegangen.
Gestern (so der Text 'Yesterdy' in etwa), da war die Welt noch in Ordnung. Alle Sorgen waren ja soo weit weg. Aber irgendwie habe ich etwas Falsches gesagt und - aus war's. Und so sehne ich mich zurück... nach gestern.
Trennung, Trauer, Schmerz und Rückblick: eine existenzielle Grunderfahrung wird hier zum Ausdruck gebracht, kein Wunder also, dass es auch heute noch dem einen oder der anderen etwas zu sagen vermag.

The Beatles: Yesterday



The Beatles Story

Freitag, 9. April 2010

Andreas Vollenweider: Pace Verde

Harfe plus Elektronik? Nicht ganz so bekannt wie 'Caverna magica', aber trotzdem irgendwie magisch: Pace Verde. Der Schweizer hat etwas für den Umweltschutz übrig, nur so nebenbei bemerkt.

Intimes im Netz

Die Sendung lief bereits im Januar 2008 - die Problematik aber ist noch aktuell. Als Denkanstoß, als Ansatzpunkt für die Auseinandersetzung mit dem Problemfeld Privatsphäre und Internet ist sie aber immer noch geeignet. Über die Frage nach einem sinnvollen Datenschutz hinaus denke ich, daß viel von einem bewussten und reflektieren Umgang mit sozialen Netzwerken abhängt. Die spontane Reaktion auf so manche Situation, die in der Sendung des ZDF gezeigt wurde, könnte lauten: "wie kann man nur so dumm sein..." - aber das hilft nicht viel, wenn schon Intimes gespeichert ist, das womöglich noch gefälscht ist.


Das Internet darf nicht unvergesslich sein - zumindest muss es möglich sein, alles löschen zu können, was nicht oder nicht mehr erwünscht ist. Vor allem aber geht es um das Recht, persönliche Daten kontrollieren zu können. Ein Zitat von Prof. Viktor Mayer-Schönberger möchte ich hier noch einmal aufschreiben:

"Wenn wir Menschen uns nicht mehr verändern dürfen, weil wir uns ständig unsere Vergangenheit vorhalten lassen müssen, können wir uns nicht mehr entwickeln."

Die Formulierungen in der Sendung selbst wirken etwas holperig - denn die Unbefangenheit ist wohl eher ein Problem, weil sie eben nicht fehlt... Problematisch werden Informationen aus dem Internet vor allem vor dem Hintergrund eines leider weit verbreiteten eigenschaftsorientierten Persönlichkeitsmodells: als statisches Muster gedacht wird die Möglichkeit der "Veränderung über die Zeit" leicht übersehen. Ein kleiner Rückgriff auf die Einschätzung zum Thema "Einstellungen" - wer einmal eine problematische politische Äußerung in einem Internetforum von sich gegeben hat, verscherzt sich vielleicht so manchen Job. Ob er inzwischen seine Meinung geändert hat, das wird dann vielleicht nicht mehr gefragt. Schlimm wäre es, Menschen auf das festzunageln, was als Bild über die Eindrücke aus dem Internet entstehen mag. In Wirklichkeit ist eben so manches ganz sicher ganz anders.

Das Internet (und das gilt auch für das Web 2.0 mit seinen sozialen Netzwerken) sollte dafür da sein, die Menschen in ihrer Entwicklung zu fördern - nicht, um sie darin zu behindern.

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Donnerstag, 8. April 2010

Streit um Facebook

Worum geht's?

Zunächst einmal geht es um einen Streit zwischen Ilse Aigner und Facebook. Neuerdings mit der Empfehlung, Gerichtsverfahren gegen Facebook einzuleiten... Näheres dazu steht im ZDF. Heute (8.April 2010) um 22.15 gibt es außerdem eine Diskussionsrunde im ZDF dazu, in der Maybrit Illner mit Ilse Aigner, Vertretern von Google, der FAZ und anderen diskutieren wird. Kernfrage in der ganzen Angelegenheit ist die Frage, ob Facebook gegen die Datenschutzbestimmungen verstößt.

Die Vorgeschichte

DIe Stiftung Warentest war unterwegs im Netz und fand bedenkliche Mängel: bei MySpace und eben auch bei Facebook. Ein Kritikpunkt der Stiftung: eine Übernahme der Konten war relativ einfach. Und das bedeutet... man kann sich hineinschleichen und munter verändern, was andere Leute so in ihrem Profil stehen haben... Zweiter Punkt: Facebook gibt Daten weiter, gleicht sie ab, erweitert so das Netzwerk. Und - das Surfverhalten wird gespeichert.

Artikel zum Thema

Zum Streit um Facbook gibt es eine Reihe von Artikeln... Aigner sucht das Gespräch mit Facebook-Vertretern, titelt Spiegel online - Auch hier taucht die Nutzung von E-Mail-Kontakten der Facebooknutzer als Streitpunkt auf. Das Handelsblatt bezeichnet die Vorgehensweise der Verbraucherschutzministerin etwas drastischer: Aigner erpresst Facebook im Streit um Datenweitergabe. Ein ganz anderer Aspekt ist in einem Artikel der ZEIT angesprochen: Facebook lenkt ein, heißt es da, die geplante Änderung der Geschäftsbedingungen bei Facebook wurde zurückgenommen. Texte, Fotos, Videos - wer hat, wer bekommt, wer behält die Rechte daran? Was darf ein soziales Netzwerk mit Daten und eingestellten Inhalten tun und was nicht?

Empfehlungen

Immer wieder gibt es Empfehlungen zum Umgang mit Daten im Netz und eine grundsätzliche Idee dabei ist: einfach vorsichtig zu sein. Wo auch immer etwas gespeichert wird - man kann nie wissen, wer davon erfährt, über welche Kanäle Informationen an vielleicht unerwünschter Stelle landen. Noch problematischer wird es, wenn man die Gruppenleistung bei der Herstellung eines Gerüchts berücksichtigt - also mit einkalkuliert, dass hier und da etwas verändert, verkürzt, dazugedichtet werden kann...

Persönliches und Öffentliches

Im Streit um Facebook spiegelt sich ein Grundproblem der Zeit - die Frage nach dem Umgang mit dem Bereich des Persönlichen, die Frage nach dem, was öffentlich sein soll, sein kann, sein darf.  Damit verbunden ist auch die Frage nach der Trennung von Beruf und Privatleben - neben dem juristischen Aspekt des Datenschutzes geht es also im Grunde um den Schutz der Privatsphäre. Netzwerke hin oder her - wer etwas für sich behalten will, das eben nicht jeder und jede nachlesen können soll, wird sich die Frage stellen müssen, wem und welcher Plattform welche Informationen zur Verfügung gestellt werden.

So richtig transparent sind sie ja alle nicht - das Geheimnis, warum so manches Geheimnis vielleicht bald kein Geheimnis mehr ist, wird niemand lüften wollen.

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Das absolute Nichts

Gibt es das absolute Nichts? Was für eine Frage... und eine Frage zurück: gibt es etwas? Wenn ich akzeptiere, dass etwas existiert, dann gibt es etwas und das Nichts kann nicht absolut sein, denn sonst wäre es ja überall und es wäre nichts, aber auch gar nichts da. Da aber etwas ist, kann das absolute Nichts nur anderswo sein, wo eben nichts sonst ist. Dann ist es aber nicht in der Welt, also ist es nicht da. Ich bin mir ja nicht sicher, ob die Argumentation überzeugend ist, aber auch wenn es so ist: macht nichts. Absolut nichts.


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Mittwoch, 7. April 2010

Linkin Park: Breaking The Habit

Breaking the habit... das klingt beinahe wie eine Anleitung zur Verhaltensänderung. Mit Gewohnheiten brechen. Aber das lyrische Ich, das hier den Bruch mit einer Gewohnheit beschreibt, scheint ziemlich durcheinander zu sein...

Memories consume like opening the wounds,
I'm taking me apart again.
You all assume, I'm safe here in my room,
Unless I try to start again.
I don't want to be the one who battles always choose,
Cause inside I realize that I'm the one confused.

Memories consume... da läßt sich an "konsumieren" denken, an "verzehren" also, verwendet wird das Verb aber auch, um etwas Zerstörerisches zu beschreiben, wenn etwa ein Feuer einen Wald "verzehrt". Erinnerungen verzehren mich, reiben mich auf, so als würden damit Wunden geöffnet. 'Die' Wunden, genauer gesagt.
Und dann: ich nehme mich wieder weg. Das kann Vieles bedeuten: ich entziehe mich, der Welt oder den anderen. Ihr alle geht davon aus, dass ich hier in meinem Zimmer sicher bin... wenigstens so lange, bis ich wieder anfange... Aber ich will nicht derjenige sein, der sich immer für den Kampf entscheidet. Denn in mir selbst habe ich erkannt, dass ich der Verwirrte bin.

Soweit der erste Abschnitt - die Beschreibung eines Lebensgefühls zwischen "Für-Sich-Sein" und "In-der-Welt-Sein", wobei letzteres meist ein unfreiwilliges Kämpfen zu bedeuten scheint. Die Verwirrung wird etwas klarer im nächsten Abschnitt:

I don't know what's worth fighting for, or why I have to scream...
I don't know why I instigate, and say what I don't mean...
I don't know how I got this way, I know it's not alright...
So I'm breaking the habit,
I'm breaking the habit tonight.

Ich weiß nicht, wofür es sich zu kämpfen lohnt oder warum mir nach Schreien zumute ist...
Ich habe keine Ahnung, warum ich immer wieder etwas anzettle und Dinge sage, die ich nicht so meine...
Ich weiß nicht, wie ich auf diesen Weg gekommen bin, mir ist klar, dass das nicht gut ist.
Und deshalb breche ich meine Gewohnheit, heute nacht will ich etwas anders machen.

Clutching my cure, I tightly lock the door,
I try to catch my breath again.
I hurt much more than any time before,
I have no options left again.
I don't want to be the one who battles always choose,
Cause inside I realize that I'm the one confused.

Ich klammere mich an meinem rettenden Rückzug fest, verschließe fest die Tür
Und versuche, mich wieder zu beruhigen.
Ich verletze andere mehr als je zuvor, aber es bleibt mir nichts anderes übrig.
Ich will nicht derjenige sein, der sich immer für den Kampf entscheidet.
Denn in mir selbst habe ich erkannt, dass ich der Verwirrte bin.

Die Verhaltensänderung ist also ein Selbstheilungsversuch, eine 'Kur' - der Rückzug aus dem sozialen Leben, um konflikthaften Auseinandersetzungen aus dem Weg zu gehen. Dabei ist nicht so recht deutlich, ob der Rückzug nun für andere verletzend ist oder das, was in dem Kämpfen geschehen ist... Als 'Beobachter' stellt sich aber auch die Frage, ob denn nun dieser Rückzug der Verwirrung ein Ende setzt. Denn nicht zu wissen, wofür es sich zu kämpfen lohnt - das bedeutet, sich nicht über die eigenen Werte im klaren zu sein. Und dann wird eben aus der existenziellen Unsicherheit ein wildes Um-sich-Schlagen, das in seiner Fragwürdigkeit schnell erkennbar ist.

I paint it on the walls,
Cause I'm the one that falls,
I'll never fight again,
and this is how it ends...

Ich werde es an die Wände malen,
dass ich derjenige bin, der fällt
Ich werde nie wieder kämpfen,
damit das alles einmal aufhört

Die Übersetzung des letzten Abschnittes ist bereits eine Interpretation. Das Verb "to fall" wird auch in Zusammensetzungen verwendet "to fall in love" (sich verlieben) ist hier sicher nicht gemeint, aber die Wendung "to fall sick" (krank werden) ist eine denkbare Bedeutungskomponente - das Fallen im Sinne von 'Sterben' die drastische Variante der Interpretation. Etwas umgangssprachlicher läßt sich formulieren: ich will nicht mehr kämpfen, weil ich dabei früher oder später drauf gehe.

So hört es auf. Oder soll es aufhören. Wird es aufhören? Der Konkurrenzkampf, das Töten im Krieg? Breaking the habit - das ist ein Bruch mit einem Muster, das sich der hinter ihr stehenden Haltung bewusst wurde. Die Antwort auf die Frage nach dem Wofür (des Lebens, des Kämpfens...) bleibt aber offen. Und so bleibt den Zuhörern, die sich vielleicht in diesem Lebensgefühl wieder finden, nur eine halbfertige, nicht zu Ende gedachte Lösung...



Dienstag, 6. April 2010

Nach Ostern: Western (Bonanza) - und die Frage der Weisheit

Ostern war gestern, jetzt gibt's Western. Einen ganz alten aus der Serie Bonanza... Nicht ganz ohne Hintergedanken. Denn in der Eingangsszene zeigt Ben Cartwright diplomatisches Geschick im Umgang mit einem Viehdieb. Manchmal transportiert eine Geschichte eben mehr als eine Geschichte...



Im FOCUS ist heute die Zusammenfassung einer Studie zu Entscheidungsprozessen im Alter erschienen. Trotz der Skepsis, die in den Artikelkommentaren zum Ausdruck kommt (mit den Bemerkungen, dass es schließlich auch Altersstarrsinn und Verwirrtheitszustände gibt) ist die Weisheit, die darin beschrieben wird, ein interessantes Konzept. Die Vorzüge, die die über 60-Jährigen in der Studie zeigten, beschreiben elementare Fähigkeiten der Konfliktbewältigung: Distanz, die Fähigkeit, unterschiedliche Sichtweisen einzunehmen, Kompromissbereitschaft und die Einsicht, dass Einschätzungen immer eine gewisse Fragwürdigkeit mit sich bringen. Das also können Ältere besser. Die Studie ist übrigens noch im Druck, die Kurzfassung in englischer Sprache in der Zeitschrift PNAS (Proceedings of the National Academy of Sciences) abrufbar: Reasoning about social conflicts improves into old age (Ältere treffen in Konfliktsituationen vernünftigere Entscheidungen).

Literatur:
Grossmann, I., Na, J., Varnum, M. E.W., Park, D. C., Kitayama, S. & Nisbett, R.E. (in press). Reasoning about Social Conflicts Improves into Old Age. Proceedings of the National Academy of Science.
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Kann man Kommunikation trainieren?

Die sprechwissenschaftliche Forderung ist alt: Trainer brauchen eine Lizenz! Und das ist eben die Sprecherzieherprüfung, die es seit nunmehr...

Oft gelesen